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Wenn Muskeln schwinden : Auf, packen Sie es an!

Im Alter geht es schnell bergab mit den Muskeln. Bild: Picture-Alliance

Die Diagnosen Muskelschwund und Mangelernährung im Alter werden oft verkannt. Dabei können sie jeden treffen, denn der Muskelabbau beginnt früh. Aber auch jeder kann etwas dagegen tun - und das ist auch nötig.

          Sind Sie gerade so knapp über 30 Jahre alt und glauben, dass das Thema Gebrechlichkeit im Alter für Sie erst in ein paar Jahrzehnten brisant wird? Dann werden die folgenden Zeilen hart für Sie. Denn den Grundstein dafür, wie fit Sie im Alter einmal sein werden, legen Sie nicht erst mit 50 oder 60 Jahren, sondern schon viel früher.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Etwa vom 30. Lebensjahr an beginnt der Körper mit dem Altern und unter anderem damit, Muskeln in Fettgewebe umzubauen. Einfach so, still und leise. Hat der Körper einmal mit dem Abbau begonnen, verliert er etwa ein Prozent der Muskulatur pro Lebensjahr. Ganz grob überschlagen, heißt das: „Der Mensch verliert zwischen dem 30. und 80. Lebensjahr fast fünfzig Prozent seiner Muskulatur“, sagt der Geriater Professor Cornel Sieber, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg, und fügt an: „Außer man tut etwas dagegen.“

          Und dagegen tun, das bedeutet eben, schon ab dem vierten Lebensjahrzehnt bewusst moderate Bewegung in den Alltag einzubauen und dreimal die Woche rund eine Stunde Sport zu treiben. Treppen laufen, statt den Aufzug zu nehmen, mit dem Fahrrad fahren statt mit dem Auto, walken, schwimmen, ein paar Hanteln und eine Fitnessmatte besorgen und regelmäßig Kraft und Koordination im Wohnzimmer trainieren. Und das Motivierende an diesen Aufforderungen: Auch wer 45, 65 oder gar 70 Jahre ist, kann damit noch anfangen. Denken Sie jetzt: Ach, das habe ich doch alles schon oft gehört, das weiß ich doch, dann lautet die Gegenfrage: Beherzigen Sie es auch?

          Schwache Muskeln steigern Gefahr für Verletzungen

          Karl-Dieter Heller ist Orthopäde in Braunschweig und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik. Sein Arbeitsalltag zeigt ihm: „Nur etwa fünfzig Prozent der älter werdenden Menschen beherzigen diese präventiven Maßnahmen - zumindest schon mal teilweise.“ Und man merkt an Hellers deutlicher Stimmlage: Es ist ihm ein echtes Anliegen, dass das mehr werden. Denn auf seiner Station liegen zahlreiche betagte Patienten, denen es vermutlich besser gehen würde, hätten sie früher etwas gegen den Muskelschwund getan.

          Kräftige und gesunde Muskeln sind nicht nur dafür da, dass man möglichst rasch von einem Ort zum nächsten laufen kann, sondern sie geben dem ganzen Körper Halt, leisten ihren Beitrag zum Gleichgewicht, zum aufrechten Gang. Atemmuskeln sorgen dafür, dass wir ausreichend Luft holen können, damit die Lunge gut belüftet ist. Der Herzmuskel verrichtet seine Pumparbeit zuverlässiger, wenn er in Form ist.

          Verlieren die Muskeln an Qualität und Quantität, dann steigt die Gefahr, dass der Mensch stürzt, dass er träge wird, weil jede Aktivität mühsam ist, dass in schlecht belüfteten Regionen der Lunge Entzündungen entstehen und die Pumpfunktion des Herzens abnimmt. Herz-Kreislauf-Probleme entstehen. Der Mensch wird gebrechlich und unselbständig. Dabei ist es genau dieser Wunsch, der Wunsch nach Selbständigkeit bis ins hohe Alter, den Menschen am häufigsten äußern.

          Schneller Muskelschwund auch bei kurzer Bettlägerigkeit

          Es gibt Studien, die zeigen: Wenn man Ältere, die eigentlich gesund sind, für längere Zeit einfach nur ins Bett legt, dann bauen sie innerhalb von zehn Tagen 1,5 Kilogramm Muskelmasse ab. Ein extremes Beispiel, aber eins, was deutlich macht, um was es geht. Dabei versprechen die beiden Mediziner keine Wunder. Schicksalsschläge, schwere Erkrankungen - davor ist niemand geschützt. Und natürlich gehören gewisse physiologische Prozesse zum Altern dazu, aber eben nicht alle muss man tatenlos hinnehmen. Gerade in Zeiten, in denen Menschen immer länger leben - viel länger, als es der Auftrag von der Natur, sich fortzupflanzen, erfordert.

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