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Musikerziehung "Daheim wird munter musiziert"

17.03.2006 ·  Früher war musikalische Bildung ja ein Privileg der höheren Töchter. Und wenn wir heute auch sagen, daß sie nicht eine Frage des finanziellen Hintergrunds der Familie sein darf: Ganz umsonst ist sie nicht zu haben.

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Früher war musikalische Bildung ja ein Privileg der höheren Töchter. Und wenn wir heute auch sagen, daß sie nicht eine Frage des finanziellen Hintergrunds der Familie sein darf: Ganz umsonst ist sie nicht zu haben. Denken Sie nur an die Anschaffung der Instrumente. Dennoch: Wir wachsen in die Breite.

Die Musikschule in Friedrichsdorf hat 1992 mit 60 Schülern begonnen. Heute haben wir 776 Schüler, die von 43 Lehrern unterrichtet werden. Gefragtestes Instrument ist das Klavier, dann kommen die Holzbläser - Querflöte und Klarinette, Saxophon, Fagott und Oboe. Es folgt die Gitarre, noch vor den Blechbläsern und den Streichern. Dem 1952 gegründeten Verband deutscher Musikschulen gehören heute 1000 Schulen an, mit einer Million Schülern, die an 13.000 Unterrichtsorten von 35.000 Fachlehrkräften unterrichtet werden.

Der Film „Rythm is it“ hat viele gepackt

Die meisten Schüler sind Kinder und Jugendliche, aber wir unterrichten auch Erwachsene. Hier in Friedrichsdorf beobachte ich ein sehr bewußtes Herangehen der Eltern. Sie überlegen sich genau: Wie kann ich meinem Kind etwas Gutes tun? Sie wissen, Musik ist nicht nur ein Wert an sich. Das Erlernen eines Instruments fördert im Nebeneffekt auch die Konzentrationsfähigkeit, die Ausdauer und das Selbstbewußtsein des Kindes. Das Musizieren im Ensemble fördert sein Sozialverhalten. Die Eltern bringen ihre Kinder auch nicht einfach zum Unterricht und holen sie dann wieder ab, sie kümmern sich um die Ausbildung, sie fragen, sie tauschen sich auch untereinander aus.

Nach den für Deutschland schlechten Pisa-Studien habe ich gemerkt, daß die Eltern wieder mehr über die ästhetische, die musikalische Bildung ihrer Kinder nachdenken, darüber, was Musik bewirken kann. Der Dokumentarfilm „Rhythm is it!“ über die gemeinsame Aufführung von Igor Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ durch die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle und 250 Berliner Kinder und Jugendliche traf diesen Nerv. Viele waren geradezu ergriffen, als sie sahen, wie Rattle und der Ballettmeister Royston Maldoom aus verzagten und gleichgültigen Kindern sozial schwacher Familien - die hatten von Strawinsky noch nie etwas gehört - ein Ensemble formten, das 3000 Zuschauer in der „Arena“ in Berlin-Treptow zu Jubelstürmen hinriß. Da ging es genau darum, daß man Kinder nicht sich selbst überlassen darf, sondern sie fordern, sie erziehen muß.

„Zu Hause haben wir Kammermusik gemacht“

Ich habe aber nicht beobachtet, daß es jetzt so etwas wie eine Rückkehr zur „Bürgerlichkeit“ gäbe. Die Musikschulen in Deutschland wachsen seit Jahren kontinuierlich, das geht wie eine gleichförmige Treppe nach oben. Wir versuchen auch, die Zusammenarbeit mit den allgemeinbildenden Schulen immer mehr zu verstärken, zum Beispiel mit der Kooperation der Bläserklassen, die von den Musiklehrern der allgemeinbildenden Schule und der Musikschule gemeinsam betreut werden.

Ich habe mit knapp fünf Jahren mit dem Klavier angefangen, weil der Bruder und der Vater spielten, und wir haben zu Hause Kammermusik gemacht. Daß daheim nicht mehr musiziert würde, kann ich nicht feststellen. In den Familien unserer Schüler wird munter musiziert - wie eh und je.

Bettina Höger-Loesch leitet die Musikschule Friedrichsdorf im Taunus.

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