18.05.2009 · Moskau hat im Fernsehen ein anderes Gesicht gezeigt als die Stadt selbst - es war ein Grand Prix des Mittelmaßes, vielleicht einer der schlechtesten in der Contest-Geschichte, was die Stimmung unter den angereisten Fans angeht.
Von Peter-Philipp Schmitt, MoskauDas also war der Grand Prix in Moskau. Zum Abschied kann es sich die junge Frau, Julia, an der Rezeption im Hotel nicht verkneifen, und es bricht aus ihr förmlich heraus. „Das war ja wohl nichts“, sagt sie.
Sie ist enttäuscht. 40 Millionen Euro habe das Ganze gekostet, nur um Europa vorzugaukeln, „das wir hier ein schönes Leben haben. Und das haben wir doch gar nicht.“ Der Contest sei Politik. Warum bittschön tritt für Moskau (sie spricht von der Hauptstadt, als gäbe es den Rest des Landes nicht) eine Ukrainerin an, die auf Ukrainisch singt und zudem auch noch einen Produzenten (Konstantin Meladzé) aus Georgien hat?
Grand Prix des Mittelmaßes
Letzteres ist offenbar das Schlimmste überhaupt für sie. „Wir sind Moskau, die Ukraine ist ein ganz anderes Land“, sagt sie und zeichnet mit den Händen in der Luft Grenzen auf. Und dann überall in der Stadt und im Fernsehen Werbung für England: Stimmt für England, ruft für England an, hieß es da in den vergangenen Wochen rund um die Uhr. „Was soll das?“
Tatsächlich hat Sir Andrew Lloyd Webber wohl Millionen in sein Projekt gesteckt, den Eurovision mit der Halb-Jamaikanerin Jade Ewen und seinem Lied „It's My Time“ zu gewinnen. Ob es sich bezahlt gemacht hat? Für die 21 Jahre alte Sängerin aus London auf jeden Fall, für den Musical-Komponisten aber zählte nur der Sieg. Mit dem fünften Platz kann er sich nicht zufrieden geben.
Moskau hat tatsächlich im Fernsehen ein anderes Gesicht gezeigt als hier in der Stadt. Es war ein Grand Prix des Mittelmaßes, vielleicht einer der schlechtesten in der Contest-Geschichte, was die Stimmung unter den angereisten Fans angeht. Auch wenn die Show an sich, wie angekündigt, „olympisch“ war.
Gäste nicht willkommen
Gegen das Finalspektakel kommt Oslo nicht an, und es wird auch kein Interesse daran haben, diesen Gigantismus zu übertrumpfen. Wer sich noch an die Winterspiele in Lillehammer 1994 erinnert, weiß, dass Norwegen den schönsten Grand Prix in der Geschichte organisieren kann - und hoffentlich auch wird.
Moskau waren seine internationalen Gäste nicht wirklich willkommen. Das fing schon mit der Anreise an. Am Flughafen, an den Bahnhöfen, in den Metros, keinerlei Informationen, keine Hinweise auf den Contest, nicht irgendeine Hilfe. In Kiew 2005 hatten Studenten die Grand-Prix-Besucher am Flughafen begrüßt, es gab eine Lounge, in der es erste Tips und Ratschläge gab.
Die Arena glich einer Festung
Die Olympiysky Arena, der Austragungsort, wo alles - von den täglichen Proben über den Pressekonferenzen bis zu den beiden Halbfinals und dem großen Finale am Samstag abend - zwei Wochen lang zusammenkam, glich zeitweise einer Festung. Polizisten und Milizen sorgten für ein beständiges Klima der Bedrückung. Am Samstag dann auch noch die Übergriffe auf Grand-Prix-Besucher bei der von russischen Homosexuellen organisierten Parade.
In der Arena gab es wenigstens einige bemühte junge Freiwillige. Ein echtes Willkommen jedoch auch hier nicht. Die versprochenen Unterlagen wurden nicht ausgegeben, touristische Programme nicht angeboten. In anderen Grand-Prix-Städten organisieren die Verantwortlichen Touren für die Fans - etwa zu Sehenswürdigkeiten.
Kein Erfolgsdruck für Russland
Die Gäste wollen schließlich auch Land und Leute kennenlernen. So könnte man einen guten Eindruck hinterlassen. In Moskau hatte man offenbar kein Interesse daran. Nicht einmal einen Stadt- oder Metroplan bekamen die akkreditierten Gäste zur Begrüßung.
Russland wollte im vergangenen Jahr unbedingt endlich den Eurovision Song Contest gewinnen. Dafür brauchten die Verantwortlichen einen russischen Superstar wie Wiktor Nikolajewitsch Belan, besser bekannt als Dima Bilan. Er gewann bei seinem zweiten Versuch mit einem Lied („Believe“), das viele Grand-Prix-Experten für einen der schwächsten Siegertitel in der Contest-Geschichte halten.
In diesem Jahr brauchte man nicht zu gewinnen. Und weil der Grand Prix natürlich auch eine politische Veranstaltung ist, kam es den „Politikern“ vielleicht ganz gelegen, dass eine Ukrainerin mit einem georgischen Produzenten „Mamo“ (Mama) sang. Das offizielle Mütterchen Russland ist vom Verlauf dieses Eurovision Song Contests denn auch sehr zufrieden.
die qualität war schlecht, die songs fast alle auf english...
Mehmet Mantikli (logisch74)
- 17.05.2009, 15:21 Uhr
alles so schlimm?
Reno Esswert (Xadex)
- 17.05.2009, 15:49 Uhr
Erfrischenderr Grand Prix
Franz Rudolf (franz0501)
- 17.05.2009, 16:14 Uhr
Einer der besten Eurovision Song Contests der letzten Jahre
Christian Schneider (C.P.S)
- 17.05.2009, 16:22 Uhr
Kessel Buntes
Franco Bonistalli (DerFranco)
- 17.05.2009, 16:47 Uhr
Peter-Philipp Schmitt Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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