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Moskauer Tagebuch (1) Oscar Loya will den Grand-Prix gewinnen

11.05.2009 ·  Die Konkurrenz in Moskau ist groß und bärenstark. Denn sogar der berühmte Musical-Komponist Andrew Lloyd Webber hat ein Lied geschrieben und eine Teilnehmerin damit ins Rennen geschickt.

Von Peter-Philipp Schmitt
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Patricia Kaas, Ronan Keating, Andrew Lloyd Webber, Ralph Siegel - und Wladimir Putin: Die Liste der Grand-Prix-Gäste in diesem Jahr in Moskau ist illuster, und sie ließe sich noch beliebig fortsetzen. Wurde in den vergangenen Jahren vor allem im Osten Europas mit großem Ernst im Wettbewerb gekämpft, so scheint der Siegeswille in einigen Ländern des Westens plötzlich auch wieder da zu sein.

Frankreich schickt eine der nationalen Ikonen nach Moskau, und Patricia Kaas' Ballade „Et S'il Fallait Le Faire“ ist wirklich von großer Qualität. Sie könnte die erstmals seit Jahren in einem Finale wieder stimmberechtigten Juroren durchaus begeistern.

Dänemark tritt mit dem von Ronan Keating geschriebenen Popsong „Believe Again“ an, und auch wenn der Sänger des Titels Brinck heißt, so sieht der Däne nicht nur genau so aus wie das ehemalige Boyzone-Mitglied Keating, er singt auch so.

Andrew Lloyd Webber hat ein Lied für den Grand-Prix geschrieben

Für Großbritannien hat der wohl erfolgreichste Musical-Komponist aller Zeiten, Andrew Lloyd Webber („Jesus Christ Superstar“, „Cats“, „Evita“), sein Versprechen eingelöst und mit der hoch talentierten Jade Ewen eine begnadete Stimme für seinen Song „It's My Time“ gefunden.

Und auch Ralph Siegel („Ein bisschen Frieden“) ist wieder dabei. Zwar hat der Dreiundsechzigjährige in den vergangenen Jahren in und für Deutschland kein Glück mehr mit seinen Grand-Prix-Beiträgen gehabt, doch er gibt trotzdem nicht auf. Nach Malta (2004) und der Schweiz (2006) tritt er dieses Mal mit Montenegro an. Die 23 Jahre alte Sängerin Andrea Demirovic wird am Dienstag abend als erste überhaupt die Grand-Prix-Bühne in Moskau betreten und Siegels „Just Get Out Of My Life“ vortragen - in der Hoffnung, es über das Halbfinale in die Endrunde am Samstag zu schaffen.

Eine Staatsangelegenheit

Moskau ist bestens für den Eurovision Song Contest gerüstet: Gut 30 Millionen Euro haben die Organisatoren in die Ausrichtung der größten Fernseh-Unterhaltungsshow der Welt gesteckt. Nichts wird dem Zufall überlassen, der Grand Prix ist Staatsangelegenheit. So kann es auch nicht verwundern, dass der allmächtige russische Ministerpräsident Wladimir Putin schon eine Woche vor dem Finale die Proben in der gigantischen Olympiyski Arena besuchte. Der Grand Prix fällt offenbar in seinen höchsteigenen Zuständigkeitsbereich.

Moskau, die größte Stadt Europas, will sich mit dem ersten Grand Prix in Russland zugleich als moderne Metropole präsentieren: Offen, freizügig, ja sogar demokratisch soll es für jedermann erkennbar hergehen - zumindest beim ESC-Wettbewerb. Die Stadt wirbt offensiv damit, die größte Grand-Prix-Show auf die Bühne zu bringen, die es jemals gab.

Von Demokratie ist nichts zu lesen

Zur Begrüßung der Gäste aus aller Welt bieten die Organisatoren auf ihrer Internetseite auch „Wissenswertes über Moskau und Russland“. An erster Stelle wird erwähnt, dass das Bruttoinlandsprodukt in Russland zwar nur etwa 11.000 Euro pro Einwohner hoch ist, man sich aber rühmen könnte, an zweiter Stelle der Nationenwertung zu stehen, wenn es um die Zahl der Milliardäre im Land geht. Dann heißt es unter anderem noch, dass Moskau die teuerste Stadt der Welt ist. Von Demokratie und von Menschenrechten ist nichts zu lesen.

Die Großmacht ist leider auch nicht willens, alle Gepflogenheiten des Grand-Prix einfach hinzunehmen. Vor allem der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow befürchtet seit Monaten das Schlimmste. Immerhin reisen gewöhnlich tausende westeuropäische Homosexuelle zum ESC-Finale an, um kräftig zu feiern. Darauf wiederum freuen sich die russischen Schwulen dermaßen, dass sie für Samstag einen „Christopher Street Day“ in Moskaus Innenstadt angekündigt haben.

Luschkow gegen schwule Kundgebung

Sie hoffen auf die Unterstützung der vielen internationalen Gäste bei ihrer Demonstration, die inzwischen offiziell verboten wurde. Luschkow hat seine Sicherheitskräfte zudem angewiesen, Paraden oder schwule Kundgebungen strikt zu unterbinden.

Ob es womöglich kurz vor dem Finale zu gewalttätigen Übergriffen von Seiten der Polizei (und/oder Rechtradikalen) kommt - wie etwa 2006, als der Bundestagsabgeordnete Volker Beck von den Grünen verletzt und verhaftet wurde -, lässt sich kaum abschätzen.

Es würde aber die Veranstaltung insgesamt in Misskredit bringen und damit alles zunichte machen, wofür Russland seit Jahren gekämpft und was Dima Bilan mit seinem Sieg vergangenes Jahr in Belgrad endlich erreicht hat: den Grand Prix nach Moskau zu holen. Dima Bilan gilt als Frauenschwarm - wie auch der für Deutschland in diesem Jahr an den Start gehende Oscar Loya. Der 29 Jahre alte Loya, der aus Kalifornien stammt, hat übrigens kein Problem damit, seinen knapp fünf Jahre älteren deutschen Lebenspartner Stefan öffentlich vorzustellen.

Die Deutschen wollen einen Platz unter den ersten Zehn

Gemeinsam mit dem Deutschen Alex Christensen, der das Lied „Miss Kiss Kiss Bang“ komponiert hat, und der amerikanischen Burlesque-Tänzerin Dita Von Teese wollen „Alex Swings Oscar Sings!“ mindestens einen Platz unter den ersten zehn.

Loya will sogar gewinnen, wie er auf der ersten Pressekonferenz in Moskau verriet: „Ich will am Tag nach dem Wettbewerb in der Zeitung die Schlagzeile lesen: ,Oscar holt Eurovision nach Deutschland.'“ Der Hamburger Alex C., der bereits des Öfteren in Moskauer Clubs als DJ an den Plattentellern stand, ist schon von seiner bloßen Teilnahme begeistert: „Wer hätte noch vor 20 Jahren gedacht, dass ein Deutscher und ein Amerikaner einmal in Russland für Deutschland singen.“

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Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

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