Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) hat schwere Fehler der Polizei bei früheren Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Mörder der elfjährigen Lena eingestanden. Der 18 Jahre alte Tatverdächtige hatte sich bereits im November bei der Polizei Emden in Begleitung eines Psychologen selbst als Pädophiler angezeigt und eingeräumt, ein siebenjähriges Mädchen ausgezogen und fotografiert zu haben.
„Bei sexuellem Missbrauch ist es eigentlich Standard, erkennungsdienstliche Maßnahmen durchzuführen“, sagte Schünemann am Mittwoch in Hannover. Von dem jungen Mann hätten ein Fingerabdruck und eine Speichelprobe genommen werden müssen. Dann hätte dem jungen Mann möglicherweise auch eine versuchte Vergewaltigung nur einen Tag nach der Selbstanzeige nachgewiesen werden können. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass nicht unmittelbar Maßnahmen ergriffen wurden“, sagte Schünemann.
Fast zwei Monate war der Verdächtige in der Psychiatrie
Wegen seiner pädophilen Neigungen war der mutmaßliche Mörder im vergangenen Jahr fast zwei Monate in der Jugendpsychiatrie untergebracht. „Er wollte gegen diese Krankheit ankämpfen. Teil dieser Therapie war die Selbstanzeige“, sagte Landespolizeidirektor Volker Kluwe am Mittwoch in Hannover. Der Achtzehnjährige hatte sich am 23. November 2011 in Begleitung seines Psychologen bei der Polizei Emden selbst angezeigt.
Auch der Stiefvater des Verdächtigen hatte im vergangenen Jahr bereits Anzeige wegen des Besitzes kinderpornografischen Materials gegen den jungen Mann erstattet. Beide Verfahren seien zusammengeführt worden, allerdings wurde dies dann unter dem Stichwort Kinderpornografie geführt. „Das hätte richtigerweise unter sexuellem Missbrauch geführt werden müssen“, sagte Kluwe.
Die Polizeidirektion Osnabrück leitete unterdessen Disziplinarverfahren gegen mehrere Beamte der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund ein. Dabei geht es den Angaben zufolge um den Verdacht von Pflichtverletzungen bei den Ermittlungen gegen den Tatverdächtigen. Polizeipräsidentin Heike Fischer sagte: „Aus Sicht der Polizeidirektion Osnabrück gibt es deutliche Hinweise auf eine Pflichtverletzung.“ Noch seien die Untersuchungen allerdings nicht abgeschlossen.
In Emden suchen Taucher nach der Tatwaffe
Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Bernhard Witthaut, sagte im Fernsehsender N24: Arbeitsverdichtung rechtfertige „natürlich auf keinen Fall irgendwelche Dinge, die dort in Emden geschehen sind.“ Der Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, Rudolf Egg, sagte, dass die Polizei den mutmaßlichen späteren Mörder der Elfjährigen nicht aus dem Blick hätte verlieren dürfen. „Im Interesse des Opferschutzes kann man so jemanden nicht einfach wieder gehen lassen“, sagte Egg in den ARD-„Tagesthemen“.
In Emden suchten Polizisten und Taucher am Mittwoch nach der Tatwaffe. Die Suche konzentrierte sich auf einen Weg, auf dem sich die elfjährige Lena vor dem Verbrechen im nahe gelegenen Parkhaus aufgehalten haben könnte. „Sie verfolgen Spuren, nachdem ein Suchhund diesen Weg gegangen ist“, sagte Martin Lammers, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes. In Kanälen an den Wallanlagen der ostfriesischen Stadt wurden zwei Taucher eingesetzt.
Mehr Befugnisse!
Markus Bitter (M.Bitter)
- 04.04.2012, 15:08 Uhr
Personalmangel, auch bei der Polizei
Simone Hartmann (gedenke_der_zensur)
- 04.04.2012, 14:58 Uhr