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Monegassische Milliardärin : Mord auf Bestellung

Einer der zwei mutmaßlichen Auftragsmörder vor Beginn des Gerichtsverfahrens in Marseille. Den Anschlag hatten viele Zeugen beobachtet. Bild: AFP

Der Auftraggeber für den tödlichen Anschlag auf Hélène Pastor war offenbar ihr eigener Schwiegersohn. Er habe sich zurückgewiesen gefühlt, sagt der Staatsanwalt – letztlich ging es aber wohl ums Geld.

          Im prunkvollen Festsaal „Belle epoque“ des Luxushotels Hermitage von Monaco hatte sich am 5. Mai dieses Jahres fast alles versammelt, was im Fürstenstaat Rang und Namen hat. Der polnische Generalkonsul Wojciech Janowski und seine Frau Sylvia, geborene Pastor, empfingen unter glitzernden Kronleuchtern und umgeben von edlen Marmorsäulen 250 Gäste, darunter den monegassischen Premierminister „Seine Exzellenz Monsieur Michel Roger“ sowie Georges Lisimachio, den Kabinettschef von  „seiner Durchlaucht, Fürst Albert II.“. Denn es galt die polnische Industrie- und Handelskammer in Monaco einzuweihen, deren Präsident der 64 Jahre alte Janowski wurde. Die illustren Gäste zollten dem Polen höflichen Beifall, als er in seiner Ansprache „die engen Verbindungen zwischen Polen und dem Fürstentum“ würdigte und einen Vertrag über die wirtschaftliche Zusammenarbeit unterzeichnete.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Janowski wusste da schon, was am nächsten Tag seiner Schwiegermutter widerfahren sollte. Die 77 Jahre alte Hélene Pastor, die schwerreiche Immobilienbesitzerin von Monaco und eine der vermögendsten Frauen der Welt, wurde am 6. Mai in Nizza zusammen mit ihrem Chauffeur niedergeschossen und starb zwei Wochen später. Der Fahrer erlag seinen Verletzungen vier Tage nach der Tat. Es war ein Auftragsmord, ausgeführt von zwei jungen Männern, die zu Fuß flohen. Der Drahtzieher war dabei offenbar Janowski. Wie der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, am Freitag berichtete, gestand der Pole in der Untersuchungshaft seine „Verwicklung“ in das Verbrechen. Janowskis Fitnesstrainer soll in seinem Auftrag mit dem kriminellen Milieu von Marseille Kontakt aufgenommen und dort über Verbindungsleute die Killer angeheuert haben.

          Das Motiv war wohl Geldgier

          Janowski wollte Hélène Pastor offenbar seit langem umbringen. Er habe sich von der Familie und besonders von Hélène offenbar zurückgewiesen gefühlt, sagte Staatsanwalt Robin. Geldgier in der Hoffnung auf eine große Erbschaft soll darüber hinaus eine Rolle gespielt haben. Dabei habe die Tochter Sylvia ihm kürzlich die Summe von 8,4 Millionen Euro überwiesen. „Sie fühlt sich völlig hintergangen und verraten von Janowski“, sagte der Staatsanwalt über die Rolle der Tochter. Für ihre Mittäterschaft gebe es keinerlei Anhaltspunkte.

          In Monaco herrschte unter dessen ungläubiges Staunen. Seit dem hinterhältigen Anschlag lebten die Monegassen in großer Unruhe. Die Spekulationen schossen in alle Richtungen, auch eine Mafia-Tat wurde für möglich gehalten. Doch nun soll es ein Familienmord sein, der noch dazu auf sehr durchsichtige Art ausgeführt wurde. Offenbar gab es auf dem Konto von Janowski verdächtige Geldbewegungen zum Verbrechermilieu in Marseille. Laut Staatsanwaltschaft hat Janowski seinem Fitnesstrainer 200.000 Euro überwiesen. Das Geld kam von einem Konto in Dubai. 10.000 Euro wurden bei einem der mutmaßlichen Täter gefunden.

          Die beiden Mörder waren äußerst auffällig vorgegangen.  Mehrere Überwachungskameras filmten sie vor und nach der Tat; etliche Zeugen sahen den Anschlag und die Flucht der Täter. Einer nahm offenbar auch seine Vermummung ab und war auf den Bildern gut zu erkennen. Später kehrten sie zu dem Tatort noch mal zurück. Die DNA von einem der möglichen Killer wurde an einem Duschgel-Behälter in einem Hotelzimmer in Nizza gefunden. Zum Tatort fuhren sie im Taxi, was einem Taxifahrer auffiel, denn für die Fahrt zwischen Marseille und Nizza kassierte er 500 Euro.

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