16.02.2005 · Auf dem Laufsteg tummelten sich in diesem Jahr jede Menge neue Designer. Wer hinter den Labels steckt: Von D wie Derek Lam bis Z wie Zac Posen.
Von Alfons KaiserDerek Lam... ist mit 38 Jahren nicht der jüngste Modemacher. Aber der in Amerika geborene Designer - der Vater stammt aus China, die Mutter aus Hongkong, wo Lam in den Neunzigern einige Jahre gelebt hat - ist erst in den vergangenen Saisons groß herausgekommen. In seiner sechsten Kollektion zeigt er sich zugleich ethnisch und städtisch, feierlich und locker, aufgedonnert und understated. Lam, der wie so viele erfolgreiche Modemacher die Parson's School of Design in New York besuchte, erkennt die Zeichen der Zeit und interpretiert sie souverän um: Barocke und indianische Seidenstickereien, ein Pelzblouson zum plissierten grauen Seidenkleid, mit Kristallen besticktes Kaschmir-Doubleface, kreuzweise drapierte und damit strukturierte Blusen - das klingt nach einer ziemlich beliebigen Mischung, wird aber durch einen oscarverdächtigen Drang zum noblen Abendauftritt zusammengehalten. Die Kollektionsbeschreibung ist noch auf einem Drucker - und nicht auf Büttenpapier - gedruckt. Aber modisch ist Lam mit seinem Stilempfinden und seiner sicheren Formensprache schon bald auf einer Augenhöhe mit Oscar de la Renta und Marc Jacobs.
Jennifer Lopez... ("Let's Get Loud") hat ihrem ehemaligen Freund Puff Daddy ("I Need A Girl") schon popmusikalisch gezeigt, daß sie mithalten kann. Nun versucht sie das auch in der Mode zu beweisen. Ihre Kollektion "Sweetface" hatte am Freitag abend Premiere. Außer Baby Dolls und neckischen Seidenentwürfen mit Kristallbändern brachte sie Basics wie Kaschmir-Sweater, Jeans und karierte Jäckchen. Schmuckstück war eine mit Diamanten besetzte Jeans für zwei Millionen Dollar, ein echter Ladenhüter. Das Vorhaben der ehrgeizigen Unterhaltungsunternehmerin wird aber schon deshalb ein Erfolg, weil "La Lopez" mit weit billigerer Mode unter dem Label "J.Lo" allein im vergangenen Jahr 325 Millionen Dollar umsetzte, weil sie mit Chefdesignerin Sophie Na und Modechefin Gina Rizzo zwei erfahrene Fachfrauen an der Seite hat und weil ihr Manager Andy Hilfiger heißt und der Bruder von Tommy Hilfiger ist. Anna Wintour von der "Vogue" jedenfalls hat sich das alles bei einem Extratermin angesehen, und namhafte Einkäufer saßen am Laufsteg. Puff Daddy sollte sich also warm einpacken in seine Zweireiher- und Pelzjackenentwürfe.
Proenza Schouler... haben sich trotz ihres Namens, der sich aus den Mädchennamen der Mütter von Lazaro Hernandez und Jack McCollough zusammensetzt, in wenigen Saisons einen Namen gemacht. Die Modemacher, beide erst Mitte Zwanzig, zeigten auch dieses Mal erfrischende Kombinationsgabe mit einem Hahnentritt-Rock zum Paco-Rabanne-Metallplättchen-Oberteil samt Pelzstola oder mit weiten grauen Hosen zum lilafarbenen Bustiertop mit Reißverschluß. Dank eines modehistorisch geschulten Blicks und eines dennoch befreiten Looks erobern sie, von ihrem Atelier über den Dächern von Chinatown aus, die großen amerikanischen Departmentstores. Nun geht das Gerücht um, McCollough und Hernandez hätten sich privat getrennt. Da muß man hoffen, daß sie - wie Dolce und Gabbana - auch daraus modisch das Beste machen.
Wolfgang Joop... versucht als erster Deutscher auf den New Yorker Schauen seit einem Zwischenspiel von Boss vor wenigen Jahren, alle Vorurteile über die Deutschen - die von Boss noch bestätigt wurden - zu widerlegen. Bei seinem zweiten New Yorker Auftritt mit der Marke "Wunderkind" zeigt er mit reichen Samt- und Pelzmänteln, weich fließenden Kleidern mit geschwungenen Nähten und goldenem Abendkleid Mut zum großen Auftritt. Die Kollektion ist zugleich von der Anmut der großen Amerikaner, allen voran eines Bill Blass (dessen Wohnung Joop einst kaufte), und von einer schnoddrigen Berliner Weeß-ick-nich-Gelassenheit. Begeisterte Reaktionen, so daß nun schon wieder mögliche Investoren um die Ecke lugen. Stiefeltern aber verträgt ein Wunderkind nicht!
Zac Posen... ein Tom Ford redivivus, seit einigen Saisons äußerst erfolgreich, brachte dieses Mal knallenge Röcke und aufreizende Abendkleider. Wahrscheinlich blieb noch reichlich Stoff übrig, denn den ließ er in plissierten Bahnen am Rock und an den Blusenärmeln schwingen. Zac Posen hat es, mit gerade 25 Jahren überraschend zielbewußt und marktgerecht, auf die reiche Partyhopperin abgesehen. Das läßt die Mode sehr nach New York, seiner Heimatstadt, aussehen. Aber jungen Frauen gefällt's: So saß in der ersten Reihe unter anderen die trendbewußte Margherita Missoni aus der italienischen Strickdynastie. Und älteren Männern gefällt's auch. So kam Freund und Förderer Puff Daddy, der selbst bald nach seiner Herren- auch eine Damenlinie herausbringt, nach dem Defilee zum Gratulieren - und zum Posen.
Alfons Kaiser Jahrgang 1965, verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“.
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