03.04.2009 · Michelle Obama war schon in London ein Coup nach dem anderen gelungen. Beim Treffen mit der französischen Präsidentengattin Carla Bruni in Straßburg setzte die First Lady ihren Siegeszug fort. Dankbar dürfte Carla bemerkt haben, dass Michelle auf flachen Schuhen kam.
Von Peter-Philipp SchmittSie war nicht in London gewesen, und das erhöhte nur noch die Spannung. Und so standen am Donnerstag zwar gleich 13 Staats- und Regierungschef-Gattinnen auf der Bühne des Royal Opera House in Covent Garden, doch dass eine fehlte, fiel besonders auf. Vielleicht fürchtete sie ja, genauso wenig wahrgenommen zu werden wie ihre Amts-Kolleginnen aus Australien und Thailand, aus Kanada und Russland, aus Mexiko, Indien und der Türkei.
Gerade noch die Gastgeberin des Damenprogramms, Sarah Brown, wurde danach freundlich in den Zeitungen erwähnt und auch abgebildet. Wohl auch, weil sie die meiste Zeit neben der Frau aller Frauen in diesen Tagen stehen durfte. Frankreichs Première Dame aber traf erst einen Tag danach in Straßburg auf Amerikas First Lady - allein und auf Augenhöhe, gewissermaßen.
Carla Bruni, das Model - Michelle Obama, die Ehefrau
Carla Bruni und Michelle Obama, das klingt nach einem ungleichen Duell. Wenig haben die beiden gemeinsam. Der Papierform nach scheint Bruni die Nase vorn zu haben. Sie ist (wenn auch nur unwesentliche drei Jahre) jünger und gewiss auch schöner als Michelle Obama, immerhin zählte die 41 Jahre alte Carla Bruni in den Neunzigern zu den wenigen Models, deren Namen man sich merken konnte. Dazu hat sie eine beachtenswerte Karriere als Sängerin (womöglich schon) hinter sich.
Michelle Obama, Jahrgang 1964, hingegen ist zunächst nur die Frau an der Seite ihres Mannes, des amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Sie ist die durch und durch bekennende Mutter zweier reizender Töchter, hat sich aber auch als Juristin in überschaubaren Kreisen einen Namen gemacht. Darüber hinaus ist sie in kurzer Zeit zur internationalen Stilikone gworden, die selbst das einstige Model, das als Madame Sarkozy meist elegant in Dior, seltener in Hermès gekleidet ist, klar aussticht.
Harmonischer Anblick bei den beiden Obamas
Carla Bruni und Michelle Obama sind ein ungleiches Paar. Um etwa fünf Zentimeter überragt die Amerikanerin die Französin, die für ihre Arbeit auf den Laufstegen eigentlich zu klein war. Trotzdem ist Bruni zu groß - um gut acht Zentimeter. Ihr Mann, Monsieur le Président Nicolas Sarkozy, bringt es auf (geschätzte) 1,68 Meter. So muss Bruni ohne hochhackige Schuhe auskommen, was für sie gewiss eine Zumutung ist.
Michelle Obama kennt solche Zwänge nicht, ihr Mann ist 20 Zentimeter größer als Sarkozy. Selbst wenn die First Lady auf hohen Absätzen neben ihrem Mann steht, bietet das Paar einen harmonischen Anblick. Bruni jedoch geht stets ein wenig gebeugt neben ihrem Mann, daran ändern auch die Einlagen nichts, die er angeblich in den Spezialschuhen mit besonders hohen Absätzen hat.
Michelle Obama setzte den Siegeszug durch Europa fort
Carla Bruni muss also Rücksichten nehmen - und eben nicht nur auf die Befindlichkeiten französischer Designer. Sie wagt wenig, wirkt selten glamourös. Der Wildleder-Mantel, in dem von ihr so geschätzten blassen Grau, mit dem sie den Obamas in Straßburg gegenübertrat, hätte kaum glanzloser und langweiliger sein können.
Michelle Obama hingegen setzte ihren modischen Siegeszug durch Europa fort. Sie trug einen schwarzen Mantel mit violetten Mohnblumen aus Seidenjacquard, darunter dazu korrespondierend ein enggeschnittenes, violettes Kleid mit schwarzem, floralem Muster (von Thakoon Panichgul). Schon in London war ihr ein Coup nach dem anderen gelungen: Sie, die nur ausnahmsweise auf Franzosen wie Sonia Rykiel zurückgreift, verließ sich ein weiteres Mal auf ihre ganz persönlichen White-House-Designer und -Marken: auf die aus Kuba stammende Isabel Toledo, auf Thakoon und natürlich Jason Wu (alle drei New York).
Auf erstaunlich flachen Schuhen nach Straßburg
Sie mixt mutig (Materialien und Designer), wählt auch mal extreme Farben (violett schätzt sie besonders) und ist sich für preiswerte Stangenware nicht zu schade. Zum Frühstück bei den Browns in 10, Downing Street trug sie ein Top für 18 Dollar von J. Crew.
Dass die Modequeen aus Amerika, die gegen das Protokoll Elisabeth II. den Arm um die Schulter legte und zum Gala Dinner ärmellos erschien (Jacqueline Kennedy verbarg 1961 ihre Arme noch unter langen Handschuhen), auch diplomatisch sein kann, bewies Michelle Obama ebenfalls am Freitag in Straßburg. Sie kam auf erstaunlich flachen Schuhen. Carla Bruni mag es dankbar bemerkt haben.
Peter-Philipp Schmitt Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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