15.09.2004 · Die Star-Designer sind ihrem Stil bei der Frühlings- und Sommerkollektion 2005 treu geblieben. Schrill und bunt wie bei Betsey Johnson oder elegant und schick wie bei Calvin Klein. Mit Bildergalerie.
Die New Yorker Modewoche hat wieder einmal die schönsten und die schlimmsten Vorurteile bestätigt, die über sie an den Laufstegen im Umlauf sind. Zuerst zu den schönsten: In den nächsten Wochen wird in London, Paris und Mailand sicher nicht so gefällige, tragbare, schwiegertochtertaugliche Mode gezeigt wie in den Modezelten am Bryant Park. So brachten selbst junge Designer wie der 23 Jahre alte Zac Posen Entwürfe auf den Laufsteg, die aus den europäischen Klassikern wie Cristobal Balenciaga das übernehmen, was abendgesellschafts- und sogar straßenfähig ist. Da wächst eine Modemachergeneration heran, die ihre Großmütterprotestgeneration in Gestalt von Betsey Johnson oder Anna Sui lächelnd am Rande stehen läßt, marktgängig arbeitet und sich dennoch die Freiheit nimmt, geradezu couturehafte Elemente mit breiten Fächern am Hinterteil oder reich gestaffelten ethnischen Farbkaskaden zu präsentieren.
Abendmode mit legerem Touch
Aber auch die Klassiker der amerikanischen Schönheit, Designer wie Oscar de la Renta, Ralph Lauren (der mit gleich drei Schauen die Woche beschließt) oder Carolina Herrera, verschließen sich nicht dem Trend, bringen, wie de la Renta, wieder reich quellende Abendmode, die aber, beispielsweise mit T-Shirt-Oberteil, so gebrochen wird, daß man beim Anblick nicht gleich einschläft. Die schwingenden knielangen Röcke werden auch im nächsten Sommer bleiben, die kräftigen Farben werden teils noch wilder gemischt und zeigen die Dialektik der Aufhellung: Wenn Rosé und Türkis statt Schwarz regieren, ist beim Kombinieren mehr Zurückhaltung verlangt, als sie Roberto Menichetti mit seiner kunterbunt durcheinandergehenden Kollektion zeigte. So ist das jetzt stark aufkommende Grün nur bedingt türkis-kompatibel - und nicht jeder Designer ist vom Farbgeschmack her ein Yves Saint Laurent.
Die New Yorker Modewochen enden bunt und schrill
Die Models glitzern
Das gleiche gilt für die Kristalle, die teils wahllos über die Kleider geworfen werden. Aber all das ist nichts gegen die schlimmsten Seiten der New Yorker Mode. Das sind die Orgien der Vermarktung und Selbstvermarktung. Was muß eigentlich ein Designer von seinen Entwürfen halten, wenn er als Attraktion für die erste Reihe Paris Hilton herbeibezahlt? Nicht viel. Und so sehen denn auch viele Kollektionen der allzu schnell auf den Schauenplan gesetzten Jungdesigner aus.