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Modewoche New York Hauptsache, hell

10.09.2004 ·  Optimistisch starten die Designer in die New Yorker Modewoche und verlassen sich auf Bewährtes: Der konservative Dreh bleibt der Frühjahrsmode erhalten, die Farbe Rosa setzt ihren Siegeszug fort.

Von Alfons Kaiser
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Die Subkultur rückt der Hochkultur mit Pelzen auf den Pelz. Rapmogul Puff Daddy (heute P. Diddy, bürgerlich Sean Combs) hat sich für seinen ersten großen eigenen Kleiderladen in Midtown Manhattan einen symbolischen Ort ausgesucht. Die Fifth Avenue, das Herz des amerikanischen Konsums, war ihm allein nicht genug. Puff Daddy ging mit seiner Modelinie "Sean John" noch näher an die Kultur der weißen Noch-Mehrheit. An die Ecke der 41. Straße, an eine der Ecken der Welt mit den höchsten Ladenmieten, setzte er seinen Palast aus Ebenholz, Messing und Marmor - genau gegenüber der New York Public Library.

Und als ob er das verwirrende Zeichensystem der alten weißen Kultur mal kurz runterbrechen wollte, vertreibt Puff Daddy in dem 1000-Quadratmeter-Laden vor allem sich selbst: "SJ" steht nicht etwa für den Jesuitenorden (Societas Jesu), den man eher im alten Wertekanon, also in der Bibliothek von gegenüber, verorten könnte. Nein, mit "SJ" ist natürlich Sean John Combs selbst gemeint, der Schmusesänger ("I need a girl"), der früher Hip-Hopper war. Aus Harlem in die Park Avenue, von der Straße auf die Fifth: Seine Vorbilder, die großen Markenmacher Tommy Hilfiger und Ralph Lauren, übertrumpft er schon jetzt. Zudem wird der Laden des Mehrfachbegabten, in dem man vom T-Shirt über Duftkerzen bis zum Hundenapf alles kaufen kann, was überteuert ist, zur bleibenden Unterhaltung der Mitarbeiter mit selbstverfaßten Kompositionen dauerberieselt.

Alles ist auf Wachstum eingestellt

Für die Public Library wird es langsam eng. Denn auf der anderen Seite der Bibliothek, im Bryant Park, findet seit Mittwoch und bis zum Mittwoch kommender Woche nun auch die "Olympus Fashion Week" mit der Mode für Frühjahr und Sommer 2005 statt. Der Optimismus, den Puff Daddy mit seinem neuen Geschäft verbreitet, hallt in den weißen Modezelten wider, die sogar den Ausläufern des Hurrikans "Frances" trotzen, der Regenmassen auf die sonnigen Gemüter schüttet.

Die New Yorker Modewoche beginnt optimistisch

Überhaupt ist nach den langen Jahren der Krise alles auf Wachstum eingestellt. Saks Fifth Avenue will sein Großgeschäft mit Hilfe des Architekten Frank Gehry auf Vordermann bringen. Auch das italienische Modehaus Pucci eröffnete diese Woche auf der Fifth Avenue einen Laden, während Ralph Lauren in Mailand ein Großgeschäft eröffnet und nun mit 350 Läden unter eigenem Namen die Weltrangliste anführt vor Louis Vuitton (319), Armani (300), Prada (248) und Gucci (191). Die Zeitschriften sind dick wie nie und platzen vor Anzeigen, die amerikanische Ausgabe der "Vogue" bricht im September mit 832 Seiten ihre eigenen Rekorde und wiegt nur unwesentlich weniger als die ausführlich in ihr präsentierten Models. Die "New York Times" bringt ein achtmal im Jahr erscheinendes neues Modemagazin mit dem schlanken Titel "T" auf den Markt. Und die Designer frohlocken, daß der Verkauf vor allem von aufwendiger und teurer Abendmode anzieht.

Die Mode braucht das Marketing

Die konsumfreudigen amerikanischen Kunden können nicht schnell genug an ihre Sachen kommen: Sie wollen möglichst viel möglichst schnell. Da Ketten wie H & M solchen Bedürfnissen mit schnellem Kollektionswechsel entgegenkommen, beeilen sich nun auch die Designer: Die Vorkollektionen werden wichtiger. Schon vor Winterbeginn soll Frühjahrsmode im Schaufenster hängen. Die Modemacher zeigen also ihre Kollektionen den Einkäufern der großen Verkaufspaläste Barneys, Saks, Bloomingdale's, Macy's, Bergdorf Goodman schon, bevor die Schauen überhaupt begonnen haben. Die Marken müssen nun nicht mehr nur von Saison zu Saison denken, sondern innerhalb der Saisons in zwei oder gar drei Stufen entwerfen, anbieten, ausliefern und verkaufen.

Warum also überhaupt noch Schauen? Die Mode braucht das Marketing. Allein für diese Modewoche, die den Herbstreigen eröffnet, bevor der Troß nach London, Mailand und Paris weiterzieht, sind 1800 Journalisten und Fotografen akkreditiert. Für die vielen Linsen peppen die Designer ihre Vorkollektionsware noch etwas auf und halten Schmuck, Taschen und Uhren ins Bild. Die Einkäufer sitzen zur Sicherheit und weil sie noch etwas Restgeld ausgeben müssen, noch immer in der ersten Reihe. Aber hauptsächlich zielt die Präsentation nun aufs anspruchslosere Fernsehpublikum, das sich gern mit Prominenten in der ersten Reihe von Sarah Jessica Parker bis Paris Hilton abspeisen läßt.

Die Farbe Rosa ist weiter auf Siegeszug

Die Mode gibt's aber noch. Und der konservative Dreh der Herbstkollektionen bleibt auch dem Frühjahr erhalten. Die Chanel-Jacke, das klassische Kleidungsstück mit der sensationellsten Karriere in diesem Jahr, gibt wohl auch im Frühjahr den Ton an. Tweed-Stoffe kommen in leichterer Ausführung. Der Trend zu Swarovksi-Kristallen wird sich dramatisch verschärfen. Das zeigt die Designerin Tracy Reese, die mit japanisch inspirierten Entwürfen, mit Taillenbetonung und schwingendem Rock eine glitzernd besprenkelte Kollektion bringt.

Die Farben kommen aus breiter Palette, mit stärkerem Drang zu Blau und Grün, mit grundierendem Schwarz und Weiß. Die Farbe Rosa ist weiter auf Siegeszug. Aber wenn nicht alles täuscht, macht selbst Lacoste aus rosafarbenen Poloshirts schleichend weiße: Hauptsache, hell. Ein paar kräftige Farbstreifen, sonst blasses Gelb, blasses Grün, blasses Beige, blasses Rosé. Wenn dann die gesamte Kollektion des Lacoste-Designers Christoph Lemaire blaß aussieht - dann paßt das auf herrlich vertrackte Weise wieder ins Bild von der kommenden Sommermode.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2004, Nr. 211 / Seite 9
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Jahrgang 1965, verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“.

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