Home
http://www.faz.net/-gut-6ze8n
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Modepräsentation der Deutschen Olympioniken Schwarz, Rot, Gold, Rosa und Blau

 ·  Schafft es Deutschland, die hellgrün-orangefarbenen Anoraks der Winterspiele 2006 modisch zu unterbieten? Sicher ist: ob Gold, Silber, Bronze oder gar nichts – es wird in jedem Fall auffallen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Reisegruppen sind für modische Fehlgriffe bekannt - und oft handelt es sich dabei um Sportvereine. Angefangen bei Kegelathleten, zeigen fast alle Teilnehmer solcher Ausflüge oft wenig Geschmack, was Farbe und Passform ihrer Kleidung betrifft, die zudem meist von nicht ganz austrainierten Körpern getragen wird.

Auch die Deutsche Olympiamannschaft wird auffallen, wenn sie im Juli nach London zu den Olympischen Sommerspielen fährt. Das ist ja schon mal etwas. Athleten wie die Leichtathletin Silke Spiegelburg und der Fechter Peter Joppich präsentierten am Dienstag die Bekleidung der Deutschen Olympiamannschaft und der Paralympischen in der Düsseldorfer Stadthalle auf dem Laufsteg. War die Schau vor vier Jahren noch ein kleines Politikum, weil manche Sportler angekündigt hatten, ihren Unmut über die politischen Verhältnisse im Gastgeberland China kundzutun, standen dieses Mal nur Äußerlichkeiten im Mittelpunkt.

Ganz klassisch, ganz anachronistisch

„Die Spannung steigt“, sagt Moderatorin Franziska Schenk, kurz bevor die Athleten den Laufsteg betreten. In der Tat: Würde es Deutschland schaffen, die hellgrün-orangefarbenen Anoraks der Winterspiele 2006 modisch zu unterbieten? „Olympische Spiele waren immer auch eine Modenschau, die Trends gesetzt hat“, sagt Deutschlands Chef de Mission, Michael Vesper. „Das wird auch in London so sein, und Deutschland wird dabei mit Sicherheit ein Hingucker sein.“

Das ist gewiss. Milliarden Zuschauern wird es beim Einmarsch der Nationen bei der Eröffnungsveranstaltung im Londoner Stadion ein Leichtes sein, die Deutschen zu erkennen. Die Männer tragen knallige Jacken in hellblau, die Frauen pink, ganz klassisch oder auch ganz anachronistisch. Dass es galt, Farbe zu zeigen, darin waren sich alle einig. Mit den leuchtenden Farben möchte Bogner die Augen der Fernsehzuschauer auf die deutschen Mannschaften ziehen, wie der Chef Willy Bogner zugab. Ein Outfit mag kleidsam für den einzelnen sein. Aber wie sieht es in einem Aufmarsch von Hunderten Athleten aus? Man hat fast den Eindruck, als hätte Bogner, der bislang nur Ausstatter für die Olympischen Winterspiele war, einen Entwurf für einen Ski-Anzug aus den Achtzigern aus der Schublade geholt und den Stoff den doch sommerlichen Bedingungen angepasst hat.

Ein Glück, kann man da nur sagen, dass man die Jacken wenden kann und innerhalb von Sekunden eine Art blauen Blazer hat, was wirklich praktisch ist und zudem gut aussieht. Die Wendejacken können mit einem einfachen Handgriff für Abendveranstaltungen und Empfänge zum seriösen dunkelblauen Oberteil gewandelt werden. Für alle Auftritte außerhalb der Tartanbahn hat Bogner außerdem Schals sowie weiße Hemden, Hosen und Hüte geschneidert.

„Neues Nationalgefühl“

Die Kleidung für die deutschen Teilnehmer wurde in Farbe, Material und Schnitt den in London zu erwartenden klimatischen Verhältnissen angepasst. „Die Einmarschkleidung muss auch den Londoner Regen aushalten, aber auch für einen Empfang in der Deutschen Botschaft geeignet sein“, sagt Willy Bogner. Sioux liefert dazu einen Schnürschuh aus einer Kalbs- und Velours-Kombination. Angepasst wurden die Hemden und Hosen außerdem den Körpern: Mehr als 1000 Sportler, Trainer und Betreuer wurden bei Bogner in München vermessen. Die Outfits müssen Kugelstoßern, Hochspringern und Turnerinnen passen.

Von Adidas bekommen die Athleten ihre Ausrüstung für den Wettkampf. Auf dem Präsentationsanzug, den die Sportler bei der Siegerehrung tragen werden, findet man Grafikelemente, die an Adlerflügel angelehnt sind und laut Adidas ein neues Nationalgefühl vermitteln sollen - was immer das auch heißen mag. Sonst bleibt sich Adidas treu: viel weiß, ein bisschen schwarz, rot, gold, solide.

Und was sagen die Sportler dazu? Die Sprinterin Verena Sailer findet die Farben „super“. Die Fechterin Britta Heidemann möchte die Bogner-Sachen auch unabhängig von den Olympischen Spielen tragen. Spricht man mit anderen Athleten, kommt viel Lob für Adidas, weniger für Bogner. Das böse Wort „knallfarben“ oder „bonbonfarben“ fällt oft, zitiert werden möchte damit aber niemand.

Um die Sportler noch schneller zu machen, wiegen die Sprintschuhe von Adidas nur noch 99 Gramm, der neue Schwimmanzug von Britta Steffen rund 100 Gramm. Unisono berichten Athleten, dass sie sich unbedingt wohl fühlen müssen in ihrer Kleidung, um erfolgreich zu sein. Eine Ausrede, warum es mit dem Treppchen nicht klappt, haben die Sportler nun also schon.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen