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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Modenschauen Haarmodisches Miteinander

27.02.2007 ·  Die beste Kollektion wirkt nicht ohne passende Frisur. Designer suchen die perfekte Einheit von Kostüm und Haar. An den Laufstegen in Mailand oder Paris werden die Haarprachten der Models deshalb mit viel Sorgfalt bedacht.

Von Florentine Fritzen
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Auf Modenschauen sind Haare Beiwerk - aber eines, auf das viel Sorgfalt verwandt wird. Hinter den Laufstegen sind eigens Mitarbeiterinnen zuständig fürs Schneiden und Scheiteln, Fönen und Flechten, Lockenbrennen und Legen, Kämmen und Knotenstecken. Die Models werden für jede Schau einheitlich frisiert. Nur manchmal taucht derselbe Look mit und ohne Pony auf. Ganz selten ist zwischen all den Langhaarigen auch mal ein Kurzhaarschnitt dabei. Die Hairstylisten dürfen sich aber nicht selbst verwirklichen: Ihre Aufgabe ist es, die Kollektionen besser zur Geltung zu bringen.

Gucci: Mit der Brennschere

Frida Giannini hat sich für ihre neue Kollektion von den vierziger Jahren anregen lassen. Die Gucci-Designerin greift den Stil der Amerikanerin Lee Miller auf, die in den zwanziger Jahren ein erfolgreiches New Yorker Model war und später in Paris als Fotografin arbeitete. Miller trug ihre blonden Locken kinnlang. Weil die meisten Models aber lange Haare haben, hat ihnen Hairstylist Luigi Murenu für die Gucci-Schau im Mailänder Sheraton-Hotel bis zu drei Wellen in die langen Spitzen brennen lassen. Dazu tragen die Mädchen Seitenscheitel. Die Frisur legt sich weich über Pelzkragen, umspielt Aviator-Mäntel mit hohen Taillen und macht sich auch gut mit Sonnenbrille. Damit es nicht nach Rauschgoldengel aussieht, sind die oberen Haare am Kopf ganz glattgezogen. Blond passt zum Vierziger-Jahre-Look mit goldenen Gürtelschnallen, rotschwarzen Karos und Knickers-Hosen in hohen Stiefeln besonders gut.

Burberry: Zarte Ritterinnen

Die Burberry-Winterkollektion für Herbst und Winter 2007/08 hat viel Volumen. Weil Designer Christopher Bailey seine Models im Sanduhr-Look aufbauscht, muss Samantha Hillerby bei den Haaren Schlichtheit walten lassen. Die Stylistin hat sich für verwischte Mittelscheitel entschieden. Die werden nicht glatt und wie mit dem Lineal gezogen, sondern teilen das Haar entlang einer weichen Linie. Vorn ist es angestuft, hinten verschwinden die Spitzen oft im Kragen der üppigen Jacken und Mäntel. Das passt gut zu einer Kollektion, die zwar viel Stoff und viele Lagen verwendet, aber doch fest und kompakt am Körper sitzt und seine natürliche Form hervorhebt.

Die Haare also flattern nicht frei, fallen aber weich - weicher etwa als bei der Dolce&Gabbana-Zweitlinie D&G, die ihre Models ebenfalls mit Mittelscheitel über den Laufsteg schickt. Die stramm sitzenden Frisuren bilden bei D&G ein Gegenstück zu fließenden Leo-Gewändern. Dem von mittelalterlicher Ritterkleidung inspirierten Schichten-Look bei Burberry hingegen tut etwas frisürliche Weiblichkeit gut.

Armani: Mit Knoten und Mütze

Giorgio Armani setzt seinen Models gern runde Käppchen auf die Köpfe. Bis auf einen streng eingedrehten Knoten im Nacken verschwindet das Haar der Mädchen auch auf dieser Schau an der Via Bergognone unter eng anliegenden Mützen. Die glitzern genauso silbern wie die übrige Giorgio-Armani-Kollektion und runden das Gesamtbild ab: Über den nackten Schultern, Rücken und Dekolletés sorgt noch etwas Stoff für eine ausgewogene Optik. Die eingezwirbelten Haare und die Käppis heben das Gesicht hervor. Rauchig geschminkte Augen und baumelnde Ohrgehängsel nehmen diesem Look etwas von seiner Strenge. Zu eingestülpten Röcken und nackten Beinen tragen die Models flache Schuhe.

Damit setzt Armani einen Kontrapunkt zu den Kollektionen der meisten seiner Designer-Kollegen: Die zeigen fast nur hohe Absätze. Auf ihren Ballerina-Sohlen wirken die Models bei Armanis Schauen kleiner, jünger, auch viel italienischer als auf anderen Defilées - und sehen ein wenig lolita-like aus. Noch stärker ist dieser Effekt bei Armanis Zweitlinie Emporio. Da steckt der knapp 72 Jahre alte Modeschöpfer seine Modelle in kurze Röcke und Kniestrümpfe - und verziert sie an der Brust mit Schleifen. Die Frisur dazu: Die Haare bleiben eigentlich offen, nur die vorderen Strähnen werden nach hinten gelegt und in der Mitte zusammengebunden. Manchmal ist auch hier noch eine Schleife eingewebt. Bei Emporio gibt es ebenfalls Schuhe ohne Absatz und viel Glitzer - ganz wie es kleine Mädchen mögen.

Etro: Nicht zu ordentlich

Mit den Haaren sei es immer dasselbe, sagt die Modeschöpferin Veronica Etro: „Erst habe ich tausend Ideen. Ich beginne immer ganz kreativ, will Stoffe in die Frisur weben und so.“ Die Designerin hält inne und zupft an ihren eigenen dunkelbraunen Haaren herum, die sie locker im Nacken zusammengebunden trägt. „Na ja, und dann stelle ich mal wieder fest: weniger ist mehr. Und mache was ganz Einfaches.“ So sei es auch diesmal gewesen. Passend zur vom Art déco und den Kubisten inspirierten Etro-Kollektion wollte Veronica den Models kleine Bänder in die Haare schieben, sie vielleicht mit niedlichen Diademen bestücken. „Dann merkte ich: Das sieht zu sehr nach den Zwanzigern aus, hat überhaupt nichts Modernes. Und ich will nicht, dass meine Mode retromäßig aussieht.“

Also blieben die Bänder in Schachteln, Hairstylist Sam McKnight steckte den Models die Haare mit Nadeln am Hinterkopf zusammen - und zog einzelne Strähnen aus den Knoten heraus, damit es nicht zu ordentlich aussah. „Ich wollte es luftig haben, nicht zu couturig“, sagt Veronica Etro. Ihre Entwürfe sollen diesmal besonders mit schönen Rücken entzücken. Ein Oberteil ziert hinten ein Äffchen mit Ringelschwanz - als Tribut an die Tier-Verrücktheit der Zwanziger. Viele Kleider haben hinten nur einen breiten Mittelstreifen und lassen die Schulterblätter- und Rippenpartie nackt. Da ist es schon ganz gut, wenn keine Haare die Sicht verdecken.

Jil Sander: Stramme Gouvernanten

Die Marke Jil Sander ist der Inbegriff des Purismus. In Mailand macht sie ihrem Ruf alle Ehre: Die Entwürfe sind diesmal so klar und streng, dass es schon fast weh tut. Oder liegt das gar nicht an der Kleidung der Models, sondern an ihren Frisuren? Stylist Tomohiro hat den Mädchen die Haare so stramm nach hinten gezogen und sie dort festgezurrt, dass die Betrachterin vom Hinsehen fast ein Ziepen an der eigenen Kopfhaut spürt. Am Hinterkopf sind die Haare zu einer waagrechten Rolle gedreht, die tief im Nacken sitzt. Chefdesigner Raf Simons gönnt seinen Models keinen Tand, keine Spielereien - auch nicht auf dem Kopf.

Die zurückgegelten Haare legen blasse Gesichter bloß. Sie bilden einen Kontrapunkt zu den züchtig hochgeschlossenen Oberteilen, Rollkragen, oft langen Ärmeln und Capes, unter denen die Arme der Mädchen verborgen bleiben. Mitunter sieht das etwas nach Gouvernante aus, zumal der belgische Designer es einfarbig liebt und fast nur kühle Farbtöne verwendet: Grau, Marine, Weiß, Schwarz. Erst gegen Ende der Schau an der Via Ventura lockert die Farbe der Malve - Mauve genannt - die Kollektion etwas auf. Zu manchen Entwürfen sieht die strenge Frisur aber auch richtig gut aus. Zum Beispiel in Kombination mit einem silbernen Kleid mit feinem Faltenrock, das so raffiniert schwingt und schimmert, dass sich jede Ablenkung verbietet.

Prada: Plattes Haar und krauses Fell

Die Prada-Models sehen aus, als hätten sie mit einer Mütze geschlafen: Oben kleben die Haare platt an der Kopfhaut, auf Höhe der Augen folgt ein Knick, dann geht es franselig nach unten weiter. Stylist Guido Palau, der für die Haarkosmetik-Firma Redken arbeitet und regelmäßig von Prada gebucht wird, scheitelt die Haarpracht der Mädchen in der Mitte. Senkrecht zu dieser Linie stehen die langgezogenen Kajal-Striche, die die Augen nach außen verlängern und die Gesichter breiter und runder machen. Dieses etwas schräge Styling passt zur Kollektion. Viele Stücke sind geknautscht, gerafft oder in den Proportionen verzerrt. Da gibt es Mäntel, an denen hinten auf unterer Po-Höhe eine Schleife festgebunden ist. Das erweckt den Eindruck eines seltsam langen Oberkörpers.

Wie schon im Januar bei ihrer Herrenlinie, experimentiert Miuccia Prada auch bei den Damen munter mit dem Material Stoff. Über krausen Leibchen aus Mohair, den Haaren der Angoraziege, tragen die Models elegante Mäntel mit glatter Oberfläche. Manche Jacken sehen aus, als bestünden sie aus tausend schwarzen Papierschnipseln. Auf Kostümen zerfließen die Farben, als hätte jemand einen Eimer grelles Grün über einen schwarzen Stoff gekippt. Manche Models haben einen Bausch schwarzer Federn am Rücken. Zwischen den Mädchen mit den plattgedrückten Haaren laufen andere, die ihre Mützen gar nicht erst abgesetzt haben. Diese Mützen bestehen aus aufgerauhtem, zweifarbigem Material - damit sehen die Models auf dieser Schau übrigens viel besser aus als mit angeklatschten Haaren ohne Kopfbedeckung.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
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Jahrgang 1976, Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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