20.10.2008 · Der Modekritiker Richard Blackwell ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Seit 1960 veröffentlichte er alljährlich seine berühmt-berüchtigte „Blackwell Liste“ der angeblich am schlechtesten gekleideten Frauen und nahm dabei kein Blatt vor den Mund.
Von Katja GelinskyVictoria „Posh Spice“ Beckham tadelte er für ihre Miniröcke, die „Ausgeburten der Scheußlichkeit“ seien. Mary-Kate Olsen verglich er mit einem „ramponierten Zahnstocher“, und über Britney Spears' BH-Kollektion schrieb er, selbst Madonna, „die Langweilerin von Babylon mit ihrem Nacktarsch“ würde kein Stück mehr daraus anziehen. Richard Blackwell nahm kein Blatt vor den Mund, wenn er Prominente für die Wahl ihrer Garderobe kritisierte.
Seit 1960 veröffentlichte der Modekritiker alljährlich seine berühmt-berüchtigte „Blackwell Liste“ der angeblich am schlechtesten gekleideten Frauen. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Modekritiker galt Blackwells Urteil so viel, dass seine Opfer sich geschmeichelt fühlen durften, wenn der scharfzüngige Kritiker Notiz von ihnen nahm. Längst hat die „Blackwell List“ nicht mehr ihre einstige Bedeutung, aber Blackwells gehässige Bemerkungen über die „Herzogin der Uneleganz“ Camilla Parker-Bowles oder Barbara Streisand, die er mit „einer männlichen Braut von Frankenstein“ verglich, füllten weiterhin die Klatschspalten.
Liebling in amerikanischen Fernsehshows
Sich selbst hat der ebenso eigenwillige wie egozentrische Kritiker, der als junger Mann bis zur Brust aufgeknöpfte Seidenhemden trug und später rote Socken zum dunklen Anzug anzog, einmal zufrieden als das „übelste Miststück der Welt“ bezeichnet. Richard Sylvan Seltzer, wie Blackwell ursprünglich hieß, wuchs in Brooklyn, New York, in ärmlichen Verhältnissen auf. Anfangs versuchte er sich als Schauspieler und bekam einige Nebenrollen auf dem Broadway. Später in Los Angeles durfte er an der Seite von Stars wie Humphrey Bogart, Rita Hayworth und Gene Kelly spielen, ohne dass er es selbst jedoch zu Ruhm im Filmgeschäft brachte.
In den sechziger Jahren machte Blackwell sich als Modedesigner einen Namen. Doch die ersehnte Prominenz verschaffte ihm seine „Blackwell-Liste“, mit der er zu einem der Lieblinge in amerikanischen Fernsehshows avancierte. Nach längerer Krankheit ist Robert Blackwell am Sonntag im Alter von 86 Jahren an den Folgen einer Darminfektion in einem Krankenhaus in Los Angeles verstorben. Er hinterlässt seinen Partner Robert Spencer, mit dem er fast 60 Jahre lang zusammen arbeitete und lebte.