Schwer zu sagen, ob Katie Holmes eine Frau mit übernatürlichen Kräften ist, die ihr neues Leben in New York wirklich so leicht nimmt, wie es die Fotos der Paparazzi erzählen, oder ob die vergangenen Wochen doch eher eine Last waren. Ziemlich sicher hingegen ist, dass es die Schauspielerin Anfang September einfacher haben wird als andere Stars, als ihre Vorgänger, wenn sie zum ersten Mal auf der New Yorker Modewoche als Designerin dabei ist. Dafür bräuchte Holmes noch nicht einmal das Mitgefühl der Öffentlichkeit.
Man ist natürlich versucht, entnervt die Augen zu verdrehen, in Gedanken an stets zurechtgemachte Berühmtheiten, an Jessica Simpson, Kanye West oder Kim Kardashian, die nicht zugeben können, dass der Schritt in die Mode nur ein Hobby ist, das sie nicht so ernst meinen, wie sie sagen, oder eine weitere Möglichkeit, um sich mit einer schlecht sitzenden, selbst entworfenen Jeans vor bunten Leinwänden in Kaufhäusern fotografieren zu lassen. Entsprechend irritierend ist also der Kreis berühmter Frauen, die ihre Sache als Designer immer besser machen und die immer mehr werden.
Ein dünnes Trägerhemdchen von Holmes kostet 350 Dollar
Im Jahr 2008 traute man Victoria Beckham, die sich damals schon eine Zeit lang als Designerin versuchte, noch nicht so recht zu, wirklich selbst Nadel und Faden in die Hand zu nehmen. Der Designer Roland Mouret stecke hinter Beckhams Kleidern mit der skulpturalen Anmutung, hieß es. Im vergangenen November wurde dann allerdings nicht Mouret, sondern das ehemalige Spice Girl mit einem British Fashion Award ausgezeichnet. Auch die früheren Kinderstars Mary-Kate und Ashley Olsen sind berühmte Gesichter, die mit kreativen Köpfen gesegnet zu sein scheinen. Im März gewannen sie für ihr Label den Preis der amerikanischen Modekammer, der CFDA.
Wie viel Holmes unterdessen selbst entwirft, ist natürlich fraglich, schließlich arbeitet sie mit ihrer langjährigen Stylistin Jeanne Yang zusammen, was schon mit dem Markennamen, Holmes & Yang, deutlich wird. Ihre schlichten Stücke in neutralen Farben, die zum Beispiel mit plissierten Röcken mal ein bisschen verspielt daherkommen, mal streng mit abgesetzten Knopfleisten, verkaufen sich auch nach drei Jahren gerade einmal in einer handvoll Shops - solchen, die nicht in den Einkaufszentren der Welt liegen, wo die Kollektion entweder nach fünf Stunden ausverkauft wäre oder nach fünf Monaten für wenig Geld verramscht würde. Dafür sind die Preise eh schon zu hoch. Ein dünnes Trägerhemdchen von Katie Holmes’ Label kostet auf der Website des amerikanischen Luxuskaufhauses Barneys 350 Dollar.
Mode kann den rasanten Absturz hinauszögern
Stars, so scheint es, versuchen also, trotz der astronomischen Preisvorstellungen, zumindest so zu sein - wie wir: In ihnen gibt der Wunsch nach Sicherheit wenig Ruhe, denn auch sie wissen, die Halbwertszeit als Schauspieler, Model oder Sänger ist in einer schnelleren und vergesslicheren Welt entsprechend kürzer. Möglich, dass eine Karriere als Modemacher da wie eine Gehstütze für den Weg über den steinigen Boden des öffentlichen Lebens auf hohen Schuhen erscheint. Solange man sich als Person nicht in Exzessen verliert und einigermaßen im Gespräch bleibt, kann man sich als Vorbild Saison für Saison mit Selbstgeschneidertem weiter beschäftigen und den rasanten Absturz zumindest hinauszögern.
Dass es mit der Mode am Ende doch wieder um die Persönlichkeit hinter der Marke geht, zeigt auch die Frau, die im Juli mit dem Kind auf dem Arm für Schlagzeilen sorgte. Aus der braven Ehefrau wurde über Nacht eine interessante Figur, der viele möglichst nah sein wollten. Ihr Label Holmes & Yang ist stilistisch so subtil gehalten, dass es nicht schwer war, die Marke in den paar Geschäften, die sie schon führten, zu übersehen - bis zur Bekanntgabe der Scheidung von Tom Cruise, die aus den Teilen Bestseller machte, so attestierten es Mitarbeiter der Barneys-Filialen dem amerikanischen Sender „Fox News“.
Holmes’ zweite Botschaft ließ nicht lange auf sich warten: Bei der kommenden New Yorker Fashion Week würde sie ihre Kollektion im kleinen Kreis zeigen, so wie Victoria Beckham, die den Gästen ihre Arbeit stets persönlich erklärt und das Interesse um die eigene Person an richtiger Stelle wie eine Währung einsetzt.
Um zu vermeiden, dass diese inflationär wird, hat Beckham im Übrigen eines bis kurzem vermieden: den Zusammenstoß der unterschiedlichen Künste. Als das Model Georgia May Jagger bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele ein goldenes, glänzendes Minikleid mit seitlichen Plissees trug, mit einem sandfarbenen grundierten Schild im Nacken, auf dem „Victoria Beckham“ geschrieben stand, hatte Beckham ebendort aber einen Auftritt der anderen Art. Sie hielt sich an einem Stahlgeländer fest, unter ihr ein fahrendes Londoner Taxi, und sang.