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Mode Lagerfeld en masse

 ·  Der Coup ist gelungen. Karl Lagerfeld produziert für H&M Designer-Massenmode und alle, alle kommen. In den 500 ausgewählten Filialen herrscht Andrang.

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Mit einem Mode-Coup bringt Karl Lagerfeld den alten Gegensatz von Klasse und Masse endgültig ins Wanken: In Schwarz und Weiß, mit Akzenten in Rot, Pflaume und Cremerosa, steht die Kollektion des Haute-Couture-Stars für den Massen-Ausstatter Hennes & Mauritz (H&M) ab sofort in die Läden, wo bereits am ersten Tag enormer Andrang herrschte. Seit Wochen wurde in der Branche spekuliert, daß „Karl der Große“ der Billigkette aus Schweden so den ersten echten Mode-Hype bescheren könnte. Schon bei der Premiere am Mittwochabend in Hamburg - ohne den Designer - ließen die Reaktionen der Gäste für Deutschland einen Ansturm erwarten.

Um gleich zum Start „Kaufrausch“-Gefühle zu inszenieren, war der Saal des Curio-Hauses für einige Stunden zum Verkaufstempel umgebaut. Statt Models auf dem Laufsteg zu bewundern, drängten sich die Gäste zwischen Kleiderständern mit engen Hosen, Blazern und dünnen Flatter-Kleidchen. Beim Bezahlen gab es Schlangen. „Das ist im Grunde die Mode, die ich liebe, viel Schwarz und Weiß“, sagte Schauspielerin Marie Bäumer (35) über die aus 30 Teilen für Männer und Frauen bestehende Kollektion. Die Handschrift Lagerfelds war unverkennbar: Die Modelle sind schlicht, aber in Details wie Taschen oder schrägen Nähten eigenwillig.

500 Filialen sind beteiligt

500 ausgewählte Verkaufs-Filialen in Europa und Nordamerika, eine begrenzte Stückzahl, Star-Design zu H&M-Preisen und der 66jährige Lagerfeld als Werbefigur auf Plakatwänden und großflächigen Zeitungsanzeigen (der Berliner Tagesspiegel erschien gar mit einer zur reinen Werbefläche freigeräumten Titelseite) - Europas größte Textilkette (Umsatz mehr als sechs Milliarden Euro) hat nach Einschätzung von Marketing-Experten den Mix aus Werberummel und Verknappen klug gewichtet. „Ich vermute, daß der Absatz sensationell wird“, schätzt Peter-Paul Polte von der Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“ die Aktion ein.

H&M und Lagerfeld betonen vorrangig den Spaßfaktor ihrer Verbindung: „Als ich einen Anzug von H&M für 49 Euro trug, fühlte ich mich wie im Himmel und hatte einen Riesenspaß dabei“, erzählte der weißhaarige Luxus-Liebhaber im Spätsommer. Der Deutschland-Sprecher von H&M, Mathias Geduhn, berichtet, sein Unternehmen habe schon früher eine Star-Kollektion erwogen. „Dieses Mal kam die Anregung von einem unserer Art- Direktoren, der meinte, daß es Spaß machen könnte, einmal mit Karl Lagerfeld zu arbeiten.“

Steilmann, Quelle, jetzt H&M

Modeexperten betonen dagegen die Signalwirkung. Zwar schuf Lagerfeld schon zwischen 1987 und 1995 Konfektionsware für Steilmann; dann präsentierte der gebürtige Hamburger 1996 eine Kollektion im „Quelle“-Katalog. Doch der Einzug in die Ketten-Läden der Fußgängerzonen markiert einen Höhepunkt, den „vorläufig letzten Schritt einer größeren Umwälzung im hierarchischen Gefüge zwischen Haute Couture und Wühlecke“, wie die „Süddeutsche Zeitung schrieb. Auf jeden Fall könnte es einen Image-Gewinn im Konkurrenzkampf mit Zara, C&A und anderen Mitbewerbern bedeuten.

Auch wenn die Zahl der neuen T-Shirts, Mäntel und Gürtel „limitiert“ ist, klein ist sie nicht: „Auf Grund unserer Preisstruktur müssen wir sehr hohe Stückzahlen produzieren“, heißt es bei H&M - ohne genaue Angaben. Designer und Produzent heben die Qualität der Stoffe hervor. Wenn das stimmt, bekommt Masse Klasse.

Damit wird es für Lagerfeld schwer, den enormen Preisunterschied zu seinen Kreationen für Chanel, Fendi und „Lagerfeld Gallery“ zu erklären. Dieser liege zum Beispiel bei „Stoffen, die kein anderer hat“, sagt er. „Und die teuren Sachen passen mit den ganz preiswerten zusammen, nicht mit den mittelmäßigen.“ Zunächst wurde die Kollektion als Einzelaktion bezeichnet. Ganz ausgeschlossen ist eine Fortsetzung aber wohl nicht - wenn der Ansturm wirklich kommt. Und danach sieht es derzeit aus.

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