So oder so ähnlich muss Pierre Bourdieu das mit den feinen Unterschieden gemeint haben. Der Studierende an sich trägt oft einen Kapuzenpulli, meist Turnschuhe und fast immer Jeans. Wie diese Kleidungsstücke aber im Einzelnen aussehen, sitzen und kombiniert werden, verrät unter Umständen viel bis alles über das jeweilige Studienfach. Den Willen zur Distinktion nennt der französische Soziologe dieses Streben, die eigene Kleingruppe innerhalb einer Großgruppe zu markieren - mit zarten Akzenten im Lebensstil.
Ein modischer Rundgang über den Campus der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz ergab dieser Tage dreierlei: Erstens zeigt sich die Identität einer Fakultät zwar oft nur im Detail, in jedem Institutsgebäude aber ist eine bestimmte Anmutung unverkennbar. Zweitens stimmt manches alte Klischee nicht mehr, dafür gibt es neue fächerspezifische Trends. Drittens gilt: Studenten machen weniger Gebrauch als früher von der absoluten Kleidungsfreiheit, die im Schonraum Uni herrscht. Extreme sind seltener geworden: Wer gothic geht oder einen langen Vollbart trägt, fällt auf.