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Mailänder Männermodemesse Westwoods wilde Visionen

15.01.2007 ·  Auf der Männermodemesse in Mailand haben Jil Sander, Dolce & Gabbana, Versace und Vivienne Westwood ihre neuesten Kreationen gezeigt. Zum ersten Mal kreierte Jil Sanders Chefdesigner Raf Simons die Accessoires selbst.

Von Florentine Fritzen
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Endlich dürfen die beiden Italiener wieder in die Welt der Modeverrückten eintauchen. In wenigen Minuten wird in Mailand die Herrenmodewoche und damit die Saison der Schauen beginnen. Es ist kurz vor zehn. Die beiden, ganz in Schwarz, schlendern die Via Ventura im Osten der Stadt entlang, der Jil-Sander-Schau entgegen. Der eine, der mit den noch etwas längeren Nackensträhnen, bringt das Wort von der „Welt der Verrückten“ auf. „Un mondo di matti“ nennt er den Modezirkus und lässt keinen Zweifel daran, dass es ihm ganz hervorragend gefällt, selbst ein Teil dieser Welt zu sein. Ganz wie auch der Japaner da drüben in dem goldfarbenen Mantel und der barocken Rüschenbluse. Oder die beiden Franzosen in ihren Reiterstiefeln und bortenbestickten Livreen.

Die Entwürfe für Herbst und Winter 2007/08, die der Jil-Sander-Designer Raf Simons kurz darauf zeigt, sind im unmittelbaren Vergleich mit den modischen Späßchen des Mailänder Publikums nur ein ganz wenig verrückt. Noch immer gibt es die für den Belgier typischen überlangen Jacketts. Sie sind aber etwas schmaler geworden als in den vergangenen Saisons. Für darunter empfiehlt der Modeschöpfer Hemden mit sehr kleinem Kragen - oder Rollis. Überhaupt schmiegen sich die Entwürfe aus Kaschmir und feiner Wolle eng an die Körper der Models. Sakkos, Hosen und sogar Hemden zieren zarte Nadelstreifen, die mitunter zum unregelmäßigen Karomuster variiert werden. Bei den Farben herrschen metallisches Blau und Schwarz vor - oft als Kombination, etwa in wattierten Jacken, die zwischen beiden Tönen changieren. Lederjacken gibt es auch, in Schwarz und Braun und jeweils mit einem üppigen Teddy-Kragen. Zum ersten Mal kreierte Simons auch die Accessoires selbst. Deshalb schleppen viele der seitengescheitelten Models geräumige Taschen über den Laufsteg.

Bizarr-bombastische Schau von Dolce & Gabbana

Die Schau von Dolce & Gabbana am Viale Piave beginnt am Mittag gewohnt bizarr-bombastisch. Die Drehbühne gibt den Blick auf drei Models in aufgeplusterten weißen Ganzkörper-Anzügen frei, bei denen sich die Frage stellt, ob sie sich besser für Schneeballschlachten oder Weltraumexpeditionen eigneten. Darunter tragen die muskulösen Herren weiße Hemden und schmale Krawatten. Die Schau der beiden Italiener mündet in einen zwar imperial-pompösen, aber wenig aufregenden Aufmarsch von Metall jeder Couleur: Knappe Anzüge und grobe Strickpullis schimmern in Gold, Silber und Bronze.

Mailänder Modemesse: Westwoods wilde Visionen

Vivienne Westwood, die manchen seit Jahrzehnten als verrücktes Huhn der Modebranche gilt, hat für den Nachmittag eine „Peep Show“ angekündigt. In einem schwarzen Zelt in der Nähe des Friedhofs Monumentale im Norden der Stadt treten die Models durch ein riesiges Schlüsselloch auf den Laufsteg. Die Engländerin tobt sich mit Farben und Formen aus, mischt Rot mit Rosa, ornamentale Blumendrucke mit Streifenmuster, lässt Hosen tief im Schritt hängen. Die Entwürfe überspringen die Geschlechtergrenze, um anschließend wieder entschieden zurückzuhüpfen.

Walpurgisnacht mit männlichen Hexen

Westwoods Kostümparade, die manchmal an eine Walpurgisnacht mit männlichen Hexen denken lässt, zeigt Cowboyhüte und Samthosen, hochhackige goldene Schuhe und Leggings, schwarze durchscheinende Nylon-Tops und sperrige Oberteile mit Lederfransen. Weiterhin schlägt die Modeschöpferin mit Nachdruck Schottenkaros vor: auf Kappen, Schuhen, Hosen, Mänteln und natürlich Röcken. Zwischen all dem Irrsinn laufen immer wieder Models in wahrhaft biederen Strickjacken. Dann wieder ein Kapuzenmann à la Abu Ghraib. Am Ende hopst und stakst die Designerin mit den karottenrot gefärbten Haaren in extrem hohen Stilettos über den Laufsteg.

Nach den Schauen warten draußen Limousinen und Taxis auf die Besucher. Die Models werfen sich hastig in ihre eigenen Jeans und Kapuzenpullis. Auf Turnschuhsohlen spurten sie zur Metro. Sie sind gebucht, weitere Verrückte zu erfreuen. Am Donnerstag geht die Modewoche zu Ende.

Quelle: F.A.Z., 15.01.2007, Nr. 12 / Seite 9
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Jahrgang 1976, Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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