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Donnerstag, 23. Februar 2012
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Lagerfeld zur Wulff-Affäre Ein paar Schlussstriche unter die Debatte

10.01.2012 ·  Exklusiv für die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat Karl Lagerfeld einen Kommentar zur Wulff-Debatte illustriert – auch nach fast sechs Jahrzehnten in Paris verfolgt er aufmerksam die deutsche Politik.

Von Alfons Kaiser
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© Karl Lagerfeld „Rotkäppchen hat sich doch den Wulff gewünscht“: Klicken Sie auf das Bild, um sich die ganze Zeichnung anzusehen.

Über diese Affäre ist wirklich alles und von allen gesagt worden. Und eigentlich will man nun auch nichts mehr davon hören. Wenn uns da nicht am Dienstag ein Blatt ins Haus geflattert wäre, das nach vier Wochen unendlicher Wulff-Debatten doch noch ein neues Licht auf zwei Akteure wirft. Karl Lagerfeld, ein besessener Zeitungsleser, verfolgt auch nach fast sechs Jahrzehnten in Paris die deutsche Politik. Neben der Vorbereitung der Chanel-Couture-Kollektion, der Chanel-Prêt-à-porter-Kollektion, der Fendi-Prêt-à-porter-Kollektion und der neuen Linie „Karl“ fertigte er wie im Vorübergehen für die Frankfurter Allgemeine Zeitung eine Zeichnung zu dem abklingenden Skandal an.

Fast wie Heine in seinem Pariser Exil nimmt sich der Modeschöpfer die Freiheit, die Affäre gleichzeitig zu mythisieren und zu veralbern. Die Zeichnung birst vor Anspielungen: die Bundeskanzlerin als Rotkäppchen (und/oder Großmutter?), die den Wulff ins Haus gelassen hat; der junge Bundespräsident, der kein zahmes „Heusstier“ ist wie „Papa Heuss“, der Präsident, der in Deutschland im Amt war, als Lagerfeld seiner Heimat den Rücken kehrte und Wulff geboren wurde; der ironische Kommentar, dass ohne Gutenberg (nicht Guttenberg) all die Wörter nicht gedruckt worden wären; und schließlich die Koketterie mit den eigenen Deutsch-Kenntnissen – in parataktischer Wortstellung, die eines Türken der dritten Generation würdig wäre. Karl Lagerfeld ist mit dieser geradezu simplicissimushaften Zeichnung aber nicht nur eine märchenhafte Phantasie gelungen, sondern auch ein politischer Kommentar: Denn wenn die Affäre fester zugebissen hätte, wäre Rotkäppchen geliefert gewesen.
 

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