17.02.2012 · Karl Lagerfeld zeichnet für die Frankfurter Allgemeine Zeitung seinen Kommentar zum Wulff-Rücktritt. Sein Ausblick wirkt heiter, aber bewölkt.
Von Alfons KaiserMehr als bewölkt ist der Himmel über Berlin. In den Sternen steht nämlich auch der Nachfolger des Bundespräsidenten. Wieder einmal ahmte die Wirklichkeit die Phantasie des Zeichners nach, als es regnete – und wenigstens der Himmel über der Hauptstadt pünktlich zum Rücktritt von Christian Wulff zu weinen begann.
Karl Lagerfeld zeigt sich in seiner Zeichnung, die er am Freitag in Paris exklusiv für die F.A.Z. anfertigte, aber nicht nur düster gestimmt. Seine pointierten Sätze, die sich auf die Affäre um die Immobilie und die Ferien bei Freunden beziehen, setzen Wulffs dunklem Über-Ich in den Wolken eine sonnige Heiterkeit entgegen.
Der deutsche Modeschöpfer ist gewissermaßen von Berufs wegen mit einem guten Blick für die Zukunft ausgerüstet. Daher hängt die drohende Wolke nicht nur über dem Schloss Bellevue, in dem eigentlich natürlich ein Kaiser zu residieren hätte und nicht ein bürgerlicher Präsident. Nein, das drohende Unheil hängt über ganz Deutschland. Karl Lagerfeld hat dabei gut lachen: Er lebt in Paris. Da schien am Freitag sogar die Sonne.
Alfons Kaiser Jahrgang 1965, verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“.
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