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Junge Modedesigner in Berlin Die Kinder der Tigermütter

 ·  Hoai Vo, Hien Le, Tutia Schaad und Thuy Duong Nguyen: nicht ganz einfach, diese Namen. Sie gehören jungen Designern mit vietnamesischen Eltern, die hierzulande gerade sehr erfolgreich werden.

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© Julia Zimmermann, Michael Hauri, Thu Thu Vergrößern Modedesigner Tutia Schaad (hier mit Label-Partnerin Johanna Perret), Hien Le, Thuy Duong Nguyen und Hoai Vo (von links)

Sie sind in Brügge, in Berlin, im schweizerischen Biel und im brandenburgischen Bischofswerda aufgewachsen, an Orten, die wenig Gemeinsamkeiten bieten. Trotzdem sind die Lebensläufe von Hoai Vo, Hien Le, Tutia Schaad und Thuy Duong Nguyen einander in zweierlei Hinsicht nah - was ihre Anfänge betrifft und die Gegenwart. Geboren wurden die vier zwischen 1979 und 1986 fernab von Europa, in Vietnam oder im Nachbarland Laos. Heute arbeiten sie als junge Modedesigner mit eigenen Labels in Berlin - oder, so muss man im Falle von Thuy Duong Nguyen präzisieren, zwischen Berlin und London.

Heute können sie zum Beispiel da sein, wo Tutia Schaad jetzt steht: hinter der Eingangstür zu ihrem Atelier, neben einem Ladentresen aus Holz und Glas, an dem ein Schild mit dem Schriftzug "Perret Schaad" lehnt. Tutia Schaad ist eine Hälfte des Designerduos Perret Schaad. In den letzten paar Saisons feierte das Label so großen Erfolg, dass man sich nicht weiter wundern würde, wenn man hinter dem Tresen von einer Rezeptionistin empfangen worden wäre.

Anfangen können ihre Geschichten wie die von Hoai Vo, deren Vater als einer der "boat people" in den achtziger Jahren vor den Kommunisten flüchtete, von einer belgischen Fähre gerettet wurde und die Wahl hatte zwischen Belgien und Japan. "Wie alle Asiaten wollte er damals nach Europa", sagt die Tochter heute. Also Belgien. Bis die Familie nachziehen konnte, vergingen fünf Jahre.

Hoai Vo gehört zu der Generation vietnamesischer Einwandererkinder, die gerade erwachsen wird und dabei von zwei Kulturen geprägt ist - stärker von Asien als die jüngeren Cousins ihres Designer-Kollegen Hien Le, die gar kein Vietnamesisch mehr sprechen, zugleich aber stärker vom Westen als Hoais eigene zehn Jahre ältere Geschwister, die so viel Zeit in Vietnam verbracht haben, dass die Designerin zwischen ihnen und sich eine "Riesenlücke" sieht, eine ganze Generation. Sich selbst betrachtet sie als Teil einer dritten Generation: jene, die lange genug in Europa gelebt hat, um zu verstehen, dass es "nicht nur ums Überleben geht, sondern auch ums Leben".

Hoai Vos Mode ist beides, westlich und so detailliert, dass deutlich wird, wie viel Geduld dahintersteckt. Asiatische Geduld, glaubt sie. Auch bei der Designerin Thuy Duong Nguyen schwingt die Familiengeschichte in der Arbeit mit. "Man soll sehen, wie ich aufgewachsen bin", sagt sie. Ihr Label Thu Thu gibt es offiziell erst seit Juli, und trotzdem hat sie schon ein Markenzeichen: bunt gemusterte, traditionell vietnamesische Sapastoffe, die in Adressen wie dem Berliner Departmentstore Cabinet 206 und Browns in London hängen. "Viele Designer nehmen sich zuerst eine PR-Agentur. Ich habe mir davor jemanden für den Vertrieb geschnappt. Da bin ich sehr vietnamesisch und denke ans Geldverdienen", lacht sie. Die PR-Agentur kam kurz darauf dazu.

Im Westen gelten Asiaten als erfolgsorientiert. Dieses Bild spiegelt sich auch bei den asiatisch-amerikanischen Designern aus New York wider, deren Erfolg eine vielfache Steigerung von dem ist, was die vietnamesischen Designer in Berlin bisher erreicht haben. Dazu gehören Namen wie Alexander Wang, der innerhalb von fünf Jahren eines der weltweit begehrtesten Modehäuser aufgebaut hat. Oder Jason Wu, der auch außerhalb dieser Modesphäre im Alter von 26 mit einem Kleid bekannt wurde, das Michelle Obama zur Amtseinführung ihres Ehemannes trug.

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