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Jil Sanders Rückkehr Boardshorts zum Zweireiher

 ·  Frau Jil Sander ist zur Marke Jil Sander zurückgekehrt. Am Samstag zeigte sie dort ihre erste Kollektion - und restaurierte ihr Lebenswerk .

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Als Jil Sander hier am Castello Sforzesco zum letzten Mal nach einer Modenschau hinter der Bühne hervorhuschte, war die Modewelt noch eine andere. Einen Modeblog zu unterhalten war noch eine skurrile Art, im Internet Tagebuch zu führen - und kein Weg in die Selbständigkeit. Für Modefotografen war es wichtiger, Model für Model auf dem Laufsteg abzulichten, als draußen vor der Tür Mädchen für Mädchen zu knipsen. Und das Mode-Chamäleon Anna Dello Russo kümmerte sich noch nicht hauptberuflich um ihren Kleiderschrank, sondern war Redakteurin bei der italienischen „L’Uomo Vogue“.

Am Samstagvormittag müssen die Fotografen draußen auf dem Bürgersteig vor der Via Beltrami 5 allerdings lange auf Anna Dello Russo warten. Denn drinnen, bei Jil Sander, steht sie nach der Schau hinter der Bühne in der Schlange der Gratulanten. Acht Jahre war Jil Sander weg, jetzt hat die 68 Jahre alte Modemacherin aus Hamburg gerade ihre erste Kollektion gezeigt. Sie sei wieder zu Hause angekommen, versichert die Zurückgekehrte dort geduldig einem nach dem anderen. „Hier haben wir es damals ja auch aufgebaut.“

Um Spannung geht es dann auch in der Kollektion: um das Verhältnis zwischen der Zeit, die man selbstbestimmt verbringt, der Freizeit, und jener, in der man sich formellen Zwängen hingibt, der Arbeit. Bei Jil Sander treffen sich die zwei gegensätzlichen Lebensgefühle oft in demselben Look. Die Arbeit nimmt man ja heute mit in die Freizeit, das kann jeder Burnout-Patient bestätigen. Jil Sander kombiniert also dunkelblaue Boardshorts aus Anzugmaterial mit Gummizug und tiefem Schritt mit langen Zweireihern, mal mit, mal ohne Ärmel. Ihre T-Shirts kommen so voluminös daher, dass auch noch ein Hemd darunter passt. Die dunklen Aktentaschen erinnern mit ihrer schmalen Paspelierung in leuchtendem Gelb und Pink bei der Arbeit an die Gelegenheiten, in denen man nicht zweimal über Farben nachdenken muss.

„Sowohl Klasse als auch Funktion“

All das kann man sich ohne weiteres im täglichen Leben am Mann auf der Straße vorstellen, erst recht unten vor der Tür, auf den Straßen Mailands. „Es soll eine Mode sein, die sowohl Klasse als auch Funktion hat“, sagt Jil Sander nach der Schau. „Für eine Zeit wie diese, in der wir ständig unterwegs sind.“

So gehört zu jedem zweiten Look eine Jacke. Mit ihnen arbeitet sich Jil Sander in der Kollektion farblich voran. Auf Dunkelblau folgt Kobaltblau, dann ein kräftiges Gelb, Rot, Khaki und schließlich Creme. Nicht einmal ein paar grafische und Pünktchendrucke lenken von der eigentlichen Reduktion auf Farbe und Formen ab, die Jil Sanders Kollektion so konzentriert anmuten lassen und sie zu der besten an diesem ersten Tag der Mailänder Modewoche machen, die noch bis zum Dienstag dauert. Burberry zum Beispiel steckt seinen Mann für den nächsten Sommer in Hosen, Mäntel, Hemden, Rollis und sogar Sandalen, die wie Bonbonpapier daherkommen. Ermenegildo Zegna tauscht das klassische Oberhemd gegen ein wild bedrucktes aus Seide. So gesehen ist Jil Sanders Kollektion an diesem Samstag eine gute Nachricht für den Kleiderschrank des Mannes. Darauf wird sie in Zukunft aufbauen können.

Apropos Aufbau: Gegenüber ihrem neuen Arbeitsplatz verstecken sich in diesen Monaten die braunen Steine des Mailänder Stadtschlosses Castello Sforzesco hinter einer gelben Bauplane. Wenn Jil Sander aus dem Fenster schaut, sieht sie, dass Großprojekte ihre Zeit brauchen. Das Haus wird auch gerade restauriert.

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