09.08.2010 · Gute Nachrichten für Jeans-Liebhaberinnen: Eine neue Studie zeigt, dass die blauen Hosen perfekt passen können. Schuld an falsch sitzenden Jeans sind nicht die Frauen, sondern die Hersteller - sie haben an ihren Kundinnen vorbei produziert.
Von Alfons KaiserEs ist also doch nicht nur ein männliches Vorurteil: Wenn Frauen Jeans kaufen, dann kann es lange dauern. Mehr als die Hälfte aller Frauen (54 Prozent), so hat eine Untersuchung im Auftrag von Levi's herausgefunden, probiert mindestens zehn Jeans an, bevor sie eine kauft. Und die allermeisten Frauen (87 Prozent) wünschen danach noch immer, sie könnten Hosen finden, die ihnen besser stehen als die, die sie gerade gekauft haben. Selbst wenn Frauen also die Hosen endlich anhaben, sind sie noch längst nicht zufrieden damit und darin.
Die Ergebnisse der Befragungen in aller Welt, die Levi's am Montag vorstellte, werfen aber natürlich kein schlechtes Licht auf die Frauen selbst. Vielmehr zeigen sie, dass die Jeans-Hersteller lange an ihren Kundinnen vorbei produziert haben. Rund 67 Prozent aller Befragten nehmen nämlich an, dass Jeans nur für Frauen mit Idealfiguren gemacht sind. „Die Jeans-Industrie hat der Frau allzu lange eingeredet, dass sie sich ändern muss, nicht die Jeans“, sagt You Nguyen, leitender Produktmanager für Levi Strauss & Co. „Das Ergebnis war eine einzige große Frustration.“
Neue Jeans-Formen für die Masse
Viele Marken haben daraus gelernt. Sie konzentrieren sich auf eine kleine Zielgruppe, wie die neuen kalifornischen Hersteller von „Seven for all mankind“ bis „True Religion“. Oder sie arbeiten schon „made to measure“, um die Maße der Kundinnen genau zu treffen. Levi´s, die von dem deutschen Auswanderer Levi Strauss in Kalifornien gegründete Marke, die sich nach einer Durststrecke geschäftlich wieder gefangen hat, macht nun als Massenhersteller einen großen Schnitt. In San Francisco werden die aus den Befragungen und der 3-D-Vermessung von 60.000 Frauen resultierenden neuen Jeans-Formen vorgestellt. Dabei geht es nicht mehr in erster Linie um die Größe, sondern um die Form einer Jeans. Die drei Typen der Linie „Curve ID“ heißen „Slight Curve“ für den eher maskulinen Typ, „Demi Curve“ für die Normalfigur und „Bold Curve“ für die breitere Hüfte. „Diese drei Typen“, hofft You Nguyen, „decken rund vier Fünftel aller Frauen ab.“
Frauen und Jeans sollen also von September an besser zusammenpassen. Für die Männer hingegen ist eine grundsätzliche Änderung der Passform nicht vorgesehen. Wenn ihnen eine Hose nicht passt, so hat es You Ngyuen erlebt, suchen sie die Ursache ohnehin nicht bei sich selbst, sondern bemerken schlicht: „Diese Jeans sind nicht für mich gemacht.“ So entsteht erst gar keine Frustration, die sich bei Levi´s in Damendingen negativ aufs Geschäft durchschlug. Vielleicht sind es aber nicht nur die robusten Eigenschaften der Männer, die sie zufriedener machen: Vielleicht hat die lange Erfahrung einfach zu einer besseren Passform geführt. Denn mit den Männern hatte Levi Strauss schon vor 150 Jahren zu arbeiten begonnen. Für die weiblichen Formen hatte die Firma nur etwa halb so lange Zeit: Vor 75 Jahren kam die erste Jeans für die Frau auf den Markt. Gepasst hat sie wahrscheinlich nicht.
Alfons Kaiser Jahrgang 1965, verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“.
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