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Hutdesign Die Putzmacherinnen

17.04.2009 ·  Wer denkt, Kopfbedeckungen seien ein alter Hut, irrt: Vier Hutdesignerinnen aus Frankfurt, Berlin und Hamburg beweisen, dass lässige Mützen, elegante Hüte und festlicher Kopfschmuck wieder schick sind.

Von Eva Heidenfelder
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Mützen, Hüte und Kopfschmuck kommen wieder in Mode. Das beweist der Erfolg von vier aufstrebenden Hutdesignerinnen aus Berlin, Hamburg und Frankfurt. Fiona Bennett, Rike Feurstein, Silvia Bundschuh und Susanne Bänfer haben alle das gleiche Handwerk erlernt - doch jede hat ihren eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt. Die vier Designerinnen im Porträt:

Fiona Bennett: Die Welt auf den Kopf gestellt

„Für jeden Menschen gibt es den passenden Hut.“ Diese Überzeugung hat sich Fiona Bennett zur Lebensaufgabe gemacht. Die bekannteste Hutdesignerin Deutschlands stammt aus England, dem Land der „milliner“ oder „hatter“, wie man sie heute prosaischer nennt. 1966 wurde sie in Brighton geboren, 1972 zogen ihre Eltern mit ihr nach Berlin. Hier versucht sie seit nunmehr zwei Jahrzehnten, die Kopfbedeckung wieder salonfähig zu machen. Als Fiona Bennett von der Hut-Begeisterung angesteckt wurde, war der Kopfputz, wie er noch bis ins 20. Jahrhundert hieß, aus der Mode gekommen. Nun ist er wieder da.

Hutdesign: Die Putzmacherinnen

Sie fertigte nach der klassischen dreijährigen Ausbildung zur Modistin (wie Hutmacherinnen heißen) Kopfschmuck für Theateraufführungen und entwarf Hüte für die Kollektionen anderer Designer. 1999 eröffnete sie ihr eigenes Geschäft. Schnell profitierte sie von der Renaissance des Accessoires. Auch Stars machen mit - Christina Aguilera, Katie Holmes oder Roger Cicero zählen mittlerweile zu ihrem Kundenkreis. Ein bisschen von dem Glanz soll auch auf die Kunden fallen, die das Geschäft in der Großen Hamburger Straße in Mitte betreten und über den roten Teppich gehen können. Das Ladendesign mit einem weinroten Plüschsofa im Mittelpunkt erinnert an die fünfziger Jahre. Hüte, Mützen, Kopfschmuck werden inszeniert.

Das kleine Geschäft unweit der Hackeschen Höfe bringt Glamour in die unspektakuläre Umgebung. Den Standort für ihren Laden mit angrenzender Werkstatt hat sie bewusst gewählt: „Ich wollte mich nicht neben die ganzen Labels in der Friedrichstraße setzen.“ So zeigt sie gleichzeitig die Exklusivität ihrer Stücke, die sie mit vier Angestellten in Handarbeit fertigt. Für eine Mütze bezahlt man zwischen 150 und 300 Euro, Hüte kosten 2000 Euro und mehr. Männern stehen die Schiebermützen gut zu Gesicht: Brad Pitt wählte bei einem Termin in Berlin das Modell Malcom aus (je nach Gemisch 280 bis 300 Euro) und trägt in aller Welt drei der guten Stücke in Olivgrün-Braun, Hellblau und Grau gemustert.

Aber die Krönung ihres Werks sind zweifellos die Damenhüte. Viele Stücke zeugen von der Exzentrik früher Theatertage. Farben, Muster, Schleier, Blumen - Bennetts Stil ist verspielt, fast mädchenhaft und passt zu der unfertigen Stadt Berlin.

Ein Cowboyhut, den sie mit Wanderplaketten bestückt hat, ist so schwer, dass der Träger gute Nackenmuskeln haben muss. Anderen Stücken hat Fiona Bennett schon Petit Fours oder Schuhe aus Stoff aufgenäht. Doch selbst wenn die Designerin mit den sanften braunen Locken witzig ist und auch sein will: „Ich will die Menschen verschönern, nicht karikieren.“ Was man dazu noch bräuchte: für jeden Hut einen eigenen Kopf.

Rike Feurstein: Kleines Stück, große Wirkung

Rike Feursteins Stil ist reduziert auf die bloße Form. Ihre Hüte und Kappen wirken wie Skulpturen, die ein Bildhauer in Stein gemeißelt hat. „Ich baue meine Hüte“, sagt die Berliner Designerin. Die Formen für ihre Stücke modelliert sie aus Ton, Gips oder Holz. Auch die Leidenschaft für Architektur und Kunst spiegelt sich in ihrer Arbeit wider. So erinnert ihr Lieblingsstück „Seth“, eine kühn geschwungene und trotzdem lässige Kappe, an die Formen des Modedesigners André Courrèges, dessen futuristische Ästhetik aus den Sechzigern die Mode immer wieder beschäftigt. Feursteins Hüte sind elegant und raffiniert.

So gern die Hutdesignerin über ihre Arbeit spricht, so wenig verrät sie über sich selbst. Feurstein will sich weder fotografieren lassen, noch verrät sie ihr Alter - hinter Hüten kann man sich eben auch verbergen. Statt ihrer Person sollen ihre Produkte im Vordergrund stehen. Und dafür hat sie auf der Berliner Modewoche eine Bühne gefunden. Für die Marke Joop entwarf sie spektakuläre Laufstegstücke, für „c.neeon“ krönten auf den Kopf modellierte Hüte die durch ihre starken Drucke bekannte Modemarke. Rike Feurstein, eine schlanke Blondine mit akkuratem Pagenschnitt, strahlt Selbstbewusstsein aus.

Der Erfolg scheint ihr recht zu geben: Erst vor knapp vier Jahren gründete sie ihr Label in Berlin, heute verkauft sie ihre Produkte nicht nur im eigenen Laden in Mitte, sondern auch in exklusiven Kaufhäusern wie Barney's in New York oder Harvey Nichols in London. Ihre Stücke haben es schon in die amerikanische „Vogue“ und auf die Köpfe von Hollywood-Stars wie Reese Witherspoon oder Susan Sarandon geschafft. Feursteins Eckladen am Rosa-Luxemburg-Platz fällt neben der riesigen Volksbühne kaum ins Auge. Schlichtes Design leitet den Blick auf nichts anderes als Hüte, Mützen und Schals. Eine ganz andere Botschaft als die kunstvollen Hüte senden ihre knallbunten Mützen und Schals aus reiner Wolle aus.

Durchaus alltagstauglich sitzen sie duftig wie Watte auf dem Kopf und schmiegen sich wie eine wärmende Endlosspirale um den Hals. Auch beim Erfolg ihrer Streetwear überlässt die geschäftstüchtige Designerin nichts dem Zufall: Das Strickmuster für ihre Wollprodukte, das einem Fischgrätmuster ähnelt, hat sie selbst entwickelt und patentieren lassen. Ihre Mitarbeiter stricken von Hand - Massenware wird anders hergestellt. Für eine Mütze oder Kappe zahlt man mehr als 160 Euro, für Hüte mindestens 250 Euro. Vorbilder hat Rike Feurstein kaum. Und auch ihre Begründung für diese Selbständigkeit zeigt, dass sie ihren eigenen Kopf hat: „Ich habe so viele eigene Ideen! Wenn ich mich in meiner Arbeit nun auch noch stark von anderen Designern beeinflussen ließe, würde ich wohl nie fertig.“ Die Faszination für Kopfbedeckungen erklärt sie so: „Ein Hut ist ein Accessoire mit einer sehr großen Wirkung, obwohl es so klein ist.“

Silvia Bundschuh: Mützenwunder aus Herrenstoffen

Silvia Bundschuh kennt die Aufmerksamkeit, die ihre Stücke erzeugen, nur allzu gut. Wenn die 38 Jahre alte Hutdesignerin aus Hamburg entlang der Elbe unterwegs ist, feiert sie oft Wiedersehen mit ihren Mützen, die gerade spazierengetragen werden. Man erkennt sie an der sportlichen Lässigkeit. Als Modistin hat Silvia Bundschuh zwar hauptsächlich gelernt, wie man Hüte fertigt. Doch ihre große Leidenschaft gilt Mützen und Kappen. Seit 15 Jahren lebt und arbeitet die gebürtige Bayerin in der Hansestadt. Gemeinsam mit der Designerin Annette Rufeger teilt sie sich seit 2000 Laden und Atelier im angesagten Schanzenviertel. Hier, wo man große Kleiderketten vergeblich sucht, haben sich Designer, Künstler und Szene-Kneipen angesiedelt.

Silvia Bundschuh, die nie ohne eine ihrer Mützen das Haus verlässt, ist die beste Werbung für sich selbst. Zierlich und voller Elan - so muss man sich auch ihre Zielgruppe vorstellen. Viele der Männer und Frauen, die bei ihr einkaufen, sind jung und qualitätsbewusst, möchten aber locker und wie zufällig gut angezogen erscheinen - als Beispiel kann Schauspielerin Jessica Schwarz dienen. Eine Freundin der Designerin schwört, dass sich in einem schwedischen Café die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit mit den Worten „nette Mütze!“ zu ihr umgedreht habe. Silvia Bundschuh nimmt solche Geschichten nicht allzu ernst, freut sich aber darüber. Nur zu gut erinnert sie sich an ihre Anfangszeit, in der Freundinnen Mützen-Partys für sie veranstalteten, um ihre Stücke in Umlauf zu bringen.

Auch heute werden die meisten neuen Kunden durch Mundpropaganda auf die Designerin aufmerksam. Gerade in den Wintermonaten, ihrer Hauptsaison, hat sie alle Hände voll zu tun. Ihr Atelier ist ein kunterbuntes Durcheinander von Garnen, Schnittmustern und Stoffen. Ihr Markenzeichen sind karierte Stoffe aus englischer und schottischer Schurwolle, die eigentlich für Herrenanzüge gedacht sind. Die hochwertige und feste Qualität macht die Materialien wetterfest und stabil. Aus bis zu 21 Einzelteilen besteht eine Mütze. Zwei Stunden braucht die Modistin für Zuschnitt und Näharbeiten.

Ihre Stücke sind meist Unikate (zwischen 80 und 130 Euro), da die Wollstoffe Restbestände sind und oft nur für eine Mütze reichen. Der Schild ihrer Schirmmützen steht auch noch nach einem Regenguss und hängt nicht schlapp herunter. Selbst in ruhigen Stunden in ihrem Laden legt die Modistin die Nadel nicht aus der Hand. „Man muss viel Idealismus für diesen Beruf mitbringen“, sagt Silvia Bundschuh. „Nur die wenigsten schaffen es in dieser Nische nach oben.“ Und nach oben muss es gehen, denn da ist schließlich der Kopf.

Susanne Bänfer: Ihre Kinder, die Kopfgeburten

Mützen oder Kappen sucht man bei Susanne Bänfer in Frankfurt vergeblich. Die 45 Jahre alte Modistin hat sich ganz dem Hut verschrieben. Seit 17 Jahren hat sie ihr Geschäft am Oeder Weg. Der Anfang war schwer: „Viele Nachbarn fragten mich, ob meine Sachen für Fasching seien!“ Schon damals drehte Bänfer ihre Hüte in abenteuerliche Formen und dekorierte sie mit pompösen Accessoires wie gefärbten Schwanenfedern. Doch mit Talent und Beharrlichkeit setzt sie sich durch - heute ist sie die wohl letzte erfolgreiche Hutmacherin der Stadt. Bei adligen und wohlhabenden Damen kommt sie besonders gut an, die Frankfurter Bankiersfamilie Metzler gehört zur Stammkundschaft. „Bei den meisten merke ich aber erst beim Bezahlen mit der Scheckkarte, dass sie blaublütig sind“, sagt Susanne Bänfer.

Wahrscheinlich lockt gerade die entspannte Art der zierlichen Blondine ihre Kundinnen immer wieder an, wenn sie eine Kopfbedeckung für ein Gartenfest, eine Hochzeit oder tatsächlich mal für die Pferderennbahn suchen. Gerade im Sommer hat Bänfer deshalb viel zu tun. Die meisten ihrer Stücke sind Unikate. Nicht auszudenken, eine Dame trüge zu wichtigen Anlässen den gleichen Hut zwei Mal oder noch schlimmer: den gleichen wie eine andere. In ihrem Kundenkreis gilt ein Hut noch als Statussymbol, das sich die Damen zwischen 250 und 800 Euro kosten lassen. Auch ältere Herren, die es gewohnt sind, Borsalinos zu tragen, kaufen gerne bei ihr ein.

Die Werkstatt der Hutdesignerin liegt direkt neben ihrem Laden, Passanten können ihr durch die hohen Schaufenster bei der Arbeit zusehen. Die Designerin fertigt ihre Hüte nach den klassischen Arbeitsmethoden der Modisten an. Vieles ist Handarbeit, die wenigen Maschinen sind uralt oder selbst gebaut. Denn das Handwerk gehört zu den aussterbenden Berufen. In der Werkstatt stapeln sich Hutformen aus Holz, die Regale sind gefüllt mit Stumpen aus Filz und Stroh, den Grundmaterialien für Hüte. Fünf Stunden investiert die Modistin in einen Hut. Entsprechend schwer fällt es ihr, sich von ihren Kindern, den Kopfgeburten, zu trennen.

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