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Herrenmode in Paris Juvenil mit Stil

22.01.2008 ·  Die Pariser Herrenmode zeigt, dass Eleganz nicht ältlich wirken muss. Radikale Schnitte und ungewöhnliche Stoffkombinationen sorgen bei Louis Vuitton und Lanvin Homme für Überraschungen. Dior Homme und Hermès enttäuschen.

Von Markus Ebner, Paris
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Modenschauen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Anstatt seine neue Kollektion am ersten Abend der Pariser Herrenmodewoche über den Laufsteg zu schicken, ließ Yves-Saint-Laurent-Designer Stefano Pilati einen Film über seine neuen Entwürfe für Herbst und Winter 2009 drehen. „Ich wollte schon lange mal einen anderen Weg gehen“, sagte der italienische Dandy, während er seine Gäste im Stammhaus in der Rue D'Artois begrüßte. Im Video der Londoner Regisseure Chris Sweeny and Sarah Chatfield glitt der Schauspieler Simon Woods durch verschiedene Welten, gekleidet in Saint Laurent.

Pilati bevorzugt weiter eine weite Silhouette für Männer. Viele seiner Jacketts haben keine Knöpfe, sondern werden mit großen goldenen Sicherheitsnadeln geschlossen. Danach gab es ein intimes Abendessen im Zwei-Sterne-Restaurant Apicius, YSL-Ikone Catherine Deneuve und ihre Tochter Chiara Mastroianni waren auch dabei. Das exklusive Image der Marke, das durch die letzte Werbekampagne, in der Industriedesigner Marc Newson mit wildem Bart zu sehen war, ramponiert wurde, soll aufpoliert werden.

Piano-Musik bei Louis Vuitton

„Wir wollen unsere Männermode maskuliner machen“, sagte Yves Carcelle, der Chef aller LVMH-Modemarken, nach einer starken Schau. Bei Louis Vuitton werden Modenschauen auch genutzt, um neue Produktkategorien einzuführen. Diesmal gab es das bekannte braune Damier-Muster in Schwarz. Zur Begleitung ein Klavierkonzert von Gonzales, das Yamaha-Piano ganz ins neue, herbere Ledermuster gehüllt. Zurzeit werden 70 Prozent des Umsatzes mit Damen-, 30 Prozent mit Herrenmode gemacht. „Das wollen wir auf lange Sicht ins Gleichgewicht bringen“, sagte Carcelle.

Daher stellte er dem Kreativdirektor Marc Jacobs den Designer Paul Helbers zur Seite. Nach der Schau präsentierte Jacobs dem Publikum erstmals Helbers, der seine vierte Kollektion für das Haus zeigte. Wie blendend die beiden sich verstehen, bewies die lässige, urbane Kollektion. Da sieht jedes Stück vielseitig aus. Auf einem entspannten einreihigen Jackett mit zwei Knöpfen baut Helbers seine Garderobe auf, darunter ein Rollkragen mit Knopfleiste - sieht gut aus und ist praktisch. Eines der besten Teile: ein Pea Coat, der wie eine Strickjacke geschneidert ist und enganliegend sitzt.

Dior Homme und Hermès enttäuschen

Wie schon unter Hedi Slimane, so bleibt die Modenschau von Dior Homme unter dem neuen Designer Kris Van Assche auch ein Musikkonzert. Er ließ den belgischen Komponisten Wim Mertens mit acht Geigern und zwei Bassisten antreten. Doch während Slimane sogar Geiger und Trommler nach ihrem Aussehen auswählte, waren die Musiker diesmal im mittleren Alter, und es klang ein bisschen nach Rondo Veneziano. „Radikale Eleganz“, so Van Assche nach der Schau über seine Kollektion. Am besten setzte er sie mit seinen eng sitzenden Anzügen um, die auf Taschen und am Bund mit Samt besetzt waren. Aber enge Skihosen, Ornamente wie Schmetterlinge an Hemdkragen und Extrembundfaltenhosen konnten nicht überzeugen. Es fehlte eine neue Silhouette. Am diplomatischsten äußerte sich Karl Lagerfeld nach der Schau: „Es ist Dior, aber eine andere Idee. Etwas romantischer, aber sehr gut gemacht.“ Für sein eigenes Label dagegen spielte Van Assche gekonnt seine Stärken aus - und verband Straßeneinflüsse und Schneiderkunst zu einem gut sitzenden Anzug mit Jeanshemd oder einem Karohemd mit Jeans und groben Stiefeln in Cognacbraun.

Nach Hedi Slimane und Helmut Lang ist Raf Simons der führende Männermodedesigner. Ob für Jil Sander oder sein eigenes Label, alle folgen ihm. Dieses Mal ließ er seine Anzüge aus Jute fertigen. Sein Thema fand er bei pubertierenden Jungs, die Silhouette orientierte sich an deren Körpern: dünn und noch nicht ganz entwickelt. Da ging es bei Dries van Noten erwachsener zu. Der Belgier, der zu keinem Luxusgüterkonzern gehört, macht wirklich tragbare Kleidung und bestimmt trotzdem die Mode mit. Nach den frischen Drucken in seiner stilprägenden Frauenkollektion lag er aber diesmal mit den aufgedruckten Pinselstrichen auf Hosen und Jacken leicht daneben. Ohne jegliche sichtbare Idee kam Hermès aus. Wie kann das passieren? Designerin Veronique Nichanian wiederholte sich, ihre Anzüge und Mäntel lebten nicht von frischen Proportionen und Stoffen.

Radikal geschnittene Smokingjacken für den Opernball

Auch in der zweiten Saison nach dem Abgang des Savile-Row-Dandys Ozwald Boateng traut sich Givenchy noch nicht zurück auf den Laufsteg. Doch auch diese Präsentation in einem wunderschönen Hôtel particulier auf der Rue de l'Université war ein Gewinn. Im Geiste der Frauenkollektion von Riccardo Tisci gab es enge Bundfaltenhosen mit dickem Strick kombiniert. Die Wiener Designerin Ute Ploier wiederum beschäftigte sich mit den Dress-Codes von Gentlemen und Offizieren in Form gestärkter Hemdkrägen, die sie auf lässige Oberteile duplizierte.

Innerhalb von zwei Jahren hat Lucas Ossjendriver zusammen mit Alber Elbaz aus Lanvin Homme eine Hitkollektion gemacht. Niemand treibt die Stoffrecherche für Männer so weit. Dieses Mal wurden Hemden und Jacketts miteinander verklebt, um eine enge Silhouette zu erzeugen. Die Hosen hatten Hochwasser, und die Ärmel waren zu kurz. Trotzdem sah die Kollektion wie glanzpoliert aus. Sie schafft sich einen neuen Markt für superelegante Männermode.

Apropos elegant: Der Wiener Wilfried Mayer, neu auf dem Kalender, schickt sich an, eine neue Garderobe für den Wiener Opernball vorzuschlagen: mit radikal geschnittenen Smokingjacken, die er mit dünnem schwarzen Rollkragen kombiniert. Stephan Schneider, Professor an der Berliner Universität der Künste, arbeitete federleichte Watte in seine Karomäntel - hält warm und ist trotzdem elegant. Und Kostas Murkudis, ebenfalls Berliner, besticht mit dunkelblauen Nadelstreifenanzügen, deren liebevolle Details, orangefarbenes Futter im Ärmel, überzeugen. Eleganz muss nicht immer konservativ sein.

Quelle: F.A.Z., 22.01.2008, Nr. 18 / Seite 7
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