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Samstag, 18. Februar 2012
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Handel "Politisch korrekter" T-Shirt-Kauf: Anti-Marke mit eigenem Laden

08.09.2004 ·  Nicht nur unzählige Jugendliche legen bei Bekleidung viel Wert auf Marken. Damit sind sie bei „American Apparel“ falsch. Denn die Produkte des Unternehmens, das nun einen Laden in Frankfurt betreibt, weisen keinen Aufdruck auf.

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„No Logo!“ heißt ein Kultbuch von Globalisierungskritikern. In Frankfurt gibt folgt ein Bekleidungsgeschäft dieser Forderung: Der amerikanische T-Shirt- Hersteller American Apparel (Amerikanische Kleidung) hat einen eigenen Laden in der Innenstadt eröffnet. Dort verkauft er seine meist einfarbigen, angeblich „besten T-Shirts der Welt“, die alle keinen Aufdruck haben. Doch der Anspruch geht noch weiter: Gleich hinter der Tür links hängt ein Plakat, das den Kunden über die ambitionierte, „politisch korrekte“ Firma aufklärt.

Kein Mensch, keine Gesellschaft und kein Mitarbeiter werde durch ihre Geschäftspraktiken geschädigt, verkündet das Unternehmen. „American Apparel entsagt dem Outsourcing. Jeder Mitarbeiter ist Teil des Unternehmens.“ Das Unternehmen zahle faire Löhne und betreibe keine Ausbeutung von Arbeitskräften in Billiglohnländern, wo es keine Sozialleistungen gebe. Somit sei man - heißt es ganz unbescheiden - „weltweit ein Vorbild für die gesamte Industrie“.

Geistesverwandtschaft mit Trigema

So offensive Werbung mit den Produktionsbedingungen gibt es selten, aber der deutsche T-Shirt-Hersteller Trigema fiel ähnlich auf. Dessen Inhaber Wolfgang Grupp schreibt auf seiner Homepage: „Wir dürfen nicht noch mehr Arbeitsplätze in unserem Heimatland Deutschland abbauen, verdiente Mitarbeiter auf die Straße schicken und der Jugend keine Perspektiven mehr bieten. Der deutsche Arbeitslohn ist nicht zu teuer, wenn die Arbeitskraft richtig eingesetzt, motiviert ist und die Leistung in ein verkaufbares Produkt eingeht.“ Genau dies sei Aufgabe der Unternehmer, die nicht nur auf Macht und Marktanteile aus sein dürften.

Ansonsten aber reagiert die Branche eher zugeknöpft auf die Offensive von American Apparel. So sagt die Europa-Sprecherin des direkten Konkurrenten Fruit of the Loom, Sylvie Derouet: „Wir sind eine europäische Mode-Marke, die im Besitz eines amerikanischen Konzerns ist. Von daher können wir kein Kommentar dazu abgeben, was in Amerika geschieht.“

Bei American Apparel entstehen nach eigenen Angaben von der ersten Design-Idee bis zum Vernähen des Etiketts im Kragen sämtliche Produkte in einer Fabrik in Los Angeles. Die Firma beschäftige 1.300 Mitarbeiter. „Der Jahresumsatz liegt bei 83 Millionen Dollar. American Apparel ist der drittgrößte T-Shirt-Produzent in Amerika. Das Unternehmen ist vertikal, also Produzent und Großhändler in einem“, sagt Jana Kern von der Fachzeitschrift TextilWirtschaft in Frankfurt.

Ein Kunde im Frankfurter Laden, etwa Mitte zwanzig, findet, die Klamotten fühlten sich gut an. „Ob das alles so stimmt, was hier behauptet wird, kann ich natürlich genauso wenig überprüfen wie bei den bekannten Marken und Ketten, die in Pakistan oder sonst wo produzieren“, meint er. „Aber wenn man hier kauft, kann man sein Gewissen beruhigen.“ Er ist zu diesem Zeitpunkt am Nachmittag einer von lediglich drei Kunden in dem hellen Laden am Fuße des Commerzbank-Turms.

Am Main entstand die erste europäische Filiale

Bisher gab es Geschäfte des Herstellers bloß in Los Angeles, New York sowie Montreal. Die erste europäische Filiale ist nun in Frankfurt, der Stadt der Banken, die aber auch deutscher Sitz der Globalisierungskritiker-Organisation Attac ist. Der zweite Apparel-Laden Deutschlands wurde kürzlich in Berlin eröffnet.

In Frankfurt hat man Erfahrung mit Unternehmen, die in ihrer Branche alternativ sind - Beispiel ist die Ökobank. Das 1988 gegründete Kreditinstitut war auf die Förderung ökologischer Projekte ausgerichtet, geriet aber im Sommer 2001 nach dem Platzen von vier Großkrediten in Not. Schließlich mussten die Ökobanker ihre Bankgeschäftslizenz zurückgeben und wurden von der Bochumer GLS Gemeinschaftsbank übernommen.

So etwas droht den ethischen T-Shirt-Machern aus Los Angeles vorerst nicht - im Gegenteil. Wenn die Anti-Marke American Apparel nämlich nicht gerade eigene Läden aufmacht, dann beliefert sie auch massenhaft Kleidungsketten, die die „Rohware“ zum Beispiel mit ihrem Logo bedrucken.

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