14.09.2011 · Auch Heidi Klum hatte es nicht immer einfach. Doch das Mädchen aus Bergisch Gladbach wurde ein Model wurde ein Star wurde eine Moderatorin wurde eine Unternehmerin. Heute ist die Superdupertopundsonstwasfrau omnipräsent.
Von Alfons KaiserHallo, Nachwuchsmodels, aufgepasst! Auch Heidi Klum hatte es nicht immer einfach. Man sieht es nicht auf den ersten Blick, wenn sie an einem der wenigen herrlichen Sommertage morgens im Schlosshotel Lerbach sitzt, nur ein paar Kilometer entfernt vom Haus ihrer Eltern in Bergisch Gladbach. Wenn sie von der Terrasse hinausblickt in die Ausläufer des Bergischen Lands und den herrlichen englischen Park, in dem gerade eine Fernsehkamera in ihre Richtung getragen wird. Oder wenn sie von ihrem neuen Job erzählt, für den sie jetzt ihren Kopf hinhält.
Sie ist in ihrer alten Heimat, um „Drei Wetter Taft Heidi's Heat Styles“ vorzustellen, zwei Sprays und einen Festiger, die jedes Hitze-Haar-Styling überstehen. Sie freut sich, als Testimonial für diese Henkel-Produkte zu arbeiten, weil die Drei-Wetter-Taft-Frau, die mit stets perfektem Haar aus dem Flugzeug steigt, schon die kleine Heidi beeindruckte: „Das war eine Jet-Set-Frau, die ich toll fand.“ Jetzt hat sie das alles auch erreicht. Und bei den Dreharbeiten zu dem neuen Werbefilm hantiert sie mit dem Fön wie in ihrer neuen Heimat Kalifornien damals die Cowboys mit den Schießeisen.
Die Superdupertopundsonstwasfrau
Ja, auch Heidi kann gefährlich werden. In ihrer Show „Germany's Next Topmodel“ für ProSieben scheint sie den Racheengel, die Oberzicke, den Scharfrichter in einer Person zu geben. Jetzt ist sie nicht mehr nur die Mutter von vier Kindern, die in Amerika auch noch „Project Runway“ moderiert, die Werbefigur, die nach Gisele Bündchen am meisten verdient, die Deutsche, die nach Angela Merkel und neben Claudia Schiffer am bekanntesten ist auf der Welt. Durch die Sendung ist die Superdupertopundsonstwasfrau auch zu einer der am stärksten angefeindeten Deutschen geworden.
Dass ihr grimmiger Vater Günther mit der Agentur „ONE-Eins“ die aus der Sendung hervorgehenden Mädels weiterverwertet, fördert das Image auch nicht gerade. So hatte die abtrünnige Jana in diesem Sommer leichtes Spiel, sich als Opfer der Familie Klum darzustellen. Dabei eröffnen der geschäftstüchtige Manager und seine umtriebige Tochter den Mädchen lukrative Karrieren, wenn auch nicht unbedingt in Paris und New York. „Wir betreuen die Mädchen halt“, meint Günther Klum ungerührt, „und lassen sie nicht untergehen wie in Amerika.“
„Ich schlüpfe gern in neue Rollen“
Auch Heidis Anfang schien leicht und wurde doch schwer. Vor fast zwei Jahrzehnten siegte sie in der Sendung „Model '92“ der RTL-Show „Gottschalk“. Ausgerechnet zu dem Lied „Crazy“ ihres späteren Ehemanns Seal lief sie dort über den Laufsteg. „Die Sendung war mein Sprungbrett“, sagt sie heute. Aber sie landete nicht weich. Seit 1993 in New York, musste sie sich so durchboxen, wie sie es heute oft von ihren Kandidatinnen erwartet. Zunächst machte sie „Kataloge rauf und runter“, für Marken wie Saks oder J. C. Penney's. „Das war super-einseitig für mich, denn die Leute wollten von mir immer das gleiche. Für die Kataloge musste ich immer lachen, immer die Hände auf die Hüften legen, immer die gleichen Posen machen“, erzählt sie ohne Larmoyanz. „Ich bin aber ein Zwilling, kreiere gern etwas, mache gerne viele Sachen und schlüpfe gern in neue Rollen.“
Der Agentur, die mit ihr viel Geld verdiente, ohne viel machen zu müssen, war das gleich. „Mit mir war's immer einfach, ich war immer pünktlich da, habe meinen Job gemacht, die Leute haben mich immer wieder gebucht. Aber ich war dann quengelig, habe dem Agenten gesagt, dass ich auch mal gerne Magazin-Strecken machen würde, bis sie mich dann doch zu anderen Fotografen geschickt haben. Es war am Anfang ein Kampf. Aber dann wurde es interessanter. Dann habe ich tolle Jobs bekommen, durfte in alle Welt reisen und mehr für Magazine arbeiten.“ Auch auf ein paar Schauen ist sie gelaufen, unter anderen für Vera Wang und Zac Posen. „Den normalen Einstieg, wie ihn Mädchen mit 16 oder 17 Jahren haben, hatte ich aber nicht.“ Dafür verdiente sie gleich richtig Geld.
Das „Klum-Imperium“
Und sie wurde prominent, durch das Cover von „Sports Illustrated“ (1998) und ihre Auftritte für „Victoria's Secret“ (zwölf Mal bis 2009). Da begannen die Leute auf der Straße zu flüstern. Wenn sie heute mit Seal unterwegs ist, hört sie ein DauerWispern: „Seal, Heidi, Seal, Heidi“. Das Model wurde ein Star wurde eine Moderatorin wurde eine Unternehmerin. Was ist sie jetzt eigentlich genau? „Für mich muss alles authentisch sein“, sagt Heidi Klum. „Ich mache nichts, was ich nicht liebe, woran ich keinen Spaß habe. Ich mag die Mischung aus allem. Wenn es immer nur das gleiche wäre, wäre es für mich zu langweilig.“ Eine Antwort wie aus dem Katalog. Heidi Klum wendet, ganz amerikanisch, auch heikle Fragen ins Positive.
Die Omnipräsente kennt immerhin ihre Grenzen. „Ich schlüpfe in keine Rollen, in denen ich nicht ich bin. Ich bin auch keine gute Schauspielerin, ich hab's ja mal versucht, das ist nicht mein Ding.“ Lieber entwirft sie Sendungen, Mode, Schmuck, Schuhe. Für Amazon hat sie eine Schuh-Kollektion herausgebracht mit 18 verschiedenen High-Heels, Flats, Wedges, Boots. „So was mache ich gern.“ Außerdem hat sie gerade mit „Lifetime“ eine Pilotsendung für „Love's Divine“ gedreht. „Wir testen sie und überprüfen jetzt das Konzept. Es ist eine Sendung für Menschen, die schlimme Schicksale erlitten haben und dadurch eine schlechte Hochzeit hatten - zum Beispiel Leute, die in Nashville zu Flut-Opfern wurden. Mein Mann und ich organisieren für sie eine zweite Traumhochzeit.“
Die Familie ist immer dabei
Und dann ist da ja auch noch „Project Runway“, die amerikanische Casting-Sendung für Designer. Der Modemacher Michael Kors, Heidis Mit-Juror, ist fasziniert von ihrer Disziplin: „Sie war ja fast dauernd schwanger, wenn wir die Staffeln drehten, aber immer gut drauf.“ In Amerika, wo man Casting-Formate schon länger kennt, scheint es denn auch nur Heidi-Fans zu geben: „Mich fragen Zwölfjährige: Warum machst du nicht ,Project Runway' auch für uns Kinder? Viele Kinder schicken mir Zeichnungen und richtige Entwürfe.“
Und Mutter ist sie schließlich auch noch. Vielleicht sollen ihre Tätowierungen Zeichen dafür sein, dass sie angesichts all ihrer Jobs die Familie nicht vergisst. An ihrem linken Unterarm liest man in verschnörkelten Buchstaben „Seal“. Das hat sie sich vor gut drei Jahren stechen lassen. Darüber sind vier Sterne tätowiert, für jedes ihrer Kinder eines. Ihre Arme sind zwar lang, aber allzu viele Sterne würden jetzt nicht mehr passen. „Da kommt jetzt gar kein Stern mehr hinzu“, sagt sie lachend, „sondern eher ein Stoppzeichen.“
Unternehmerisch hat Frau Klum ....
Christoph Weber (christoph+1)
- 14.09.2011, 17:34 Uhr
Alfons Kaiser Jahrgang 1965, verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“.
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