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Freitag, 17. Februar 2012
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FAZ.NET-Fernsehkritik Ein Land ist so schlau und sieht rot

25.05.2007 ·  Die Klum findet „Germany's Next Topmodel“ und Kerner sucht die klügsten Deutschen. Immerhin: Die Schönste ist auch intelligent, die siegreiche Barbara studiert Mathematik. Meister der Herzen aber wurde ein anderer: Bruce Darnell, der weinende Choreograph. Von Marco Dettweiler und Uwe Ebbinghaus.

Von Marco Dettweiler
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Was hat Fernsehdeutschland in letzter Zeit nicht alles gesucht und gefunden. Die No Angels waren mal Popstars, Mark Medlock versucht sich als Superstar, Guildo Horn und Motsi wollen ein Traumtänzerpaar werden, und nun ist die rothaarige Mathematikstudentin Barbara Meier aus Regensburg Deutschlands nächstes Topmodel.

Nicht nur die privaten Sender nehmen sich kontinuierlich das Recht heraus, einen superlativen Deutschen zu suchen, der dazu noch top ist, sondern auch die Öffentlich-Rechtlichen wollen ständig „Unsere Besten“ finden. Johannes B. Kerner hatte sich zur gleichen Zeit im ZDF gefragt: „Wie schlau ist Deutschland?“. (Siehe auch: FAZ.NET-Fernsehkritik: Kerners Intelligenztest)

Bei „Deutschland sucht den Superstar“ wurde die Wahl noch durch Anrufer legitimiert, die pro Stimme knapp 50 Cent ausgaben, um ihren Favoriten zum Thron zu schicken. Demokratisch ist das nicht, denn finanziell gut gestellte Anrufer können tausend Stimmen abgeben, sich also ihren Anteil an den Vorzeigedeutschen erkaufen. Im Gegensatz zu DSDS entscheidet bei „Germany's Next Topmodel“ ausschließlich die Jury stellvertretend für Deutschland: Heidi Klum, das erfahrende Supermodel, Bruce Darnell, der weinende Choreograph, Peyman Amin, der schlecht gelaunte Model-Agent und Boris, der wuschelköpfige Visagist.

„Schwarz-rot-goldenes Finale“

Diese vier Jurymitglieder hatten sich für drei Mädchen im Finale entschieden. Damit es auch die letzten Zuschauer verstehen konnten, machte Peyman die unmissverständliche Aussage, dass „Deutschland endlich sein schwarz-rot-goldenes Finale“ habe. Es dürfte also kein Zufall gewesen sein, dass gerade drei Models mit schwarzen, roten und blonden Haaren im Finale den Laufsteg betraten. Verschwörungstheorien müssen erst gar nicht herangezogen werden, ProSieben hat selbst verraten, wie ein Konzept für das Finale die individuelle Auswahl bestimmt hat.

Warum Heidi und ihre Jury nun ausgerechnet Barbara ausgewählt haben, erschließt sich dem Zuschauer nicht unbedingt. Verständlicherweise scheiterte die Jury schon mit ihren Statements, um wirkliche Unterschiede zwischen den drei Finalistinnen sprachlich deutlich zu machen. Die Mädchen waren alle „sexy“, „toll“, „fantastisch“, „schön“, und „kreativ“. Sie hatten eine knackige Figur mit hervorragendem Hüftschwung, nett waren sie auch noch.

Als Hanna als erste ausscheidet, werden die Fotoshootings als Kriterium genannt. Warum sie während der Aufnahmen weniger gut war als die anderen, wird nicht erklärt. Dass Anni nicht die zweite Staffel gewinnen konnte, erklärt sich hingegen von selbst. Sie wäre eine Kopie von Lena Gercke, der Gewinnerin der ersten Staffel: das blonde, hübsche Mädchen von nebenan. McDonald's wollte die Wahl der leckeren Barbara vielleicht nicht erklären, aber sich sicherlich darüber freuen. In einem Werbespot, der seit einigen Wochen im Fernsehen läuft, spielt neben Heidi Klum die Gewinnerin Barbara mit. Passt doch alles prima.

Was wagt Heidi Klum schon?

Heidi Klum und ihr Team haben mit Barbara ein eher außergewöhnliches Model ausgewählt. Rothaarige Frauen gibt es in der Modelwelt nicht allzu viele, ihr heller Teint setzt sich von der meist leicht gebräunten Haut bekannter Schönheiten ab. Doch was wagt Heidi Klum schon? Ob klassisch blond oder auffällig rot: „Germany's Next Topmodel“ wird nie ein Supermodel werden, so wie auch der von RTL jedes Jahr neu entdeckte Superstar kein Musiker von internationalem Rang sein wird und unsere Besten, die das ZDF ermittelt, meist auch nur Mittelmaß sind. In der Sendung geht es - so hat es den Anschein und wird von Einspielern der Regie belegt - vor allen Dingen um Heidi Klum selbst.

Die ungelernte und ungelenke Moderatorin profitiert wohl am meisten von der Sendung. Durch ihre Fernsehauftritte verlängert und verlagert sie ihre Karriere, die fehlenden Einnahmen von Modelverträgen kann Heidi Klum als Co-Produzentin und Namensgeberin von „Germany's Next Topmodel“ durch Werbeverträge möglicherweise sogar ausgleichen. Eines muss man ihr lassen: Wenn sie fehlendes Talent oder Engagement an den Kandidatinnen kritisiert, tut sie das überzeugend, weil sie zweifelsohne und zurecht ein internationales Supermodel war. Doch sie ist nicht nur Jurymitglied, ihre Aufgabe ist es auch, die Show zu moderieren. Dabei zeigt sie derart unübersehbare und hörbare Schwächen, dass auch ihr ein Trainer gut getan hätte.

Magenschmerzen und nicht Spannung

Die Bergisch Gladbacher Berühmtheit hat in all den zwölf Folgen nicht gelernt, einigermaßen authentisch oder eben professionell zu sprechen. Wenn sie redend in die Kamera lächelt, klingen ihre Sätze auswendig gelernt. Als sie die ausgeschiedenen Models fragte, wie es ihnen geht, wirkte sie sehr distanziert. Die Gescheiterten spricht sie nicht mit Namen, sondern mit „Sag mal, du“ an. „Ich freue mich“ gebraucht sie inflationär, echte Freude sieht anders aus - und professionell gespielte Freude erst recht. Magenschmerzen und nicht Spannung stellt sich beim Zuschauer ein, wenn sie nervig lange Pausen macht, wo keine hingehören, und sie dazu noch am Ende ihrer unterbrochenen Sätze mit ihrer eigentlich hohen Stimme unten endet.

Der Meister der Herzen ist eindeutig ein anderer geworden: Bruce Darnell. Sein „Sexy, sexy, sexy“, „Die Handetasche muss lebendisch sein“, „Drama Baby“ und natürlich „Das ist der Wahrheit“ werden wohl zu feststehenden Redewendungen. Dass die Zuschauer die Sprüche noch nicht als Klingelton fürs Handy herunterladen können, ist eine marketingtechnische Katastrophe. Bruce heult, Bruce schreit, Bruce küsst und Bruce leidet. Und er meint es ehrlich. Sollte es nicht so sein, ist er erschreckend professionell. So wie er es von seinen Mädels erwartet.

Es funktioniert nicht

Nicht Deutschlands vermeintliche Talente, sondern die Fernsehsender müssen sich etwas Neues einfallen lassen. Es ist genug gesucht worden nach unbekannten Talenten, die in Sendungen groß herausgebracht werden sollten. Bislang hat es kein einziges Mal funktioniert. Die Zuschauer werden sich nicht mehr lange mit den Medlocks, Meiers und mit Monrose identifizieren wollen. Zum Superstar oder Topmodel würden es mehr Deutsche schaffen, als von den Such-Show-Machern suggiert wird.

Ob jemand aus 16.000 oder 160.000 Bewerbern ausgewählt wurde, ist den Zuschauern egal, wenn ihnen nur Tagessieger präsentiert werden. Deutschland will endlich richtige Stars sehen und keine verglühenden Sternchen in ProSieben, RTL, ZDF oder wo auch immer. Dennoch: Viel Erfolg, Barbara!

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