Eigentlich müsste man mit ihrer Krone anfangen. Aber die Queen, stets ein versonnenes Lächeln auf den Lippen und mit ein paar Perlen geschmückt, trägt in der Regel Hut - über alle Zeiten, über alle Unterschiede hinweg. Als Kinder zum Beispiel entdeckten die kleine Elizabeth und ihre Schwester, Prinzessin Margaret, ihre Hut-Gummibänder. Jede zog am Band der anderen, und wenn dieses ans Kinn zurückschnappte, musste jede eine unflätige Beschimpfung für die andere parat haben.
Damals war der Hut der Prinzessin auch ein Spielzeug und sie selbst nicht auf den Mund gefallen. Heute hingegen spricht sie, jedenfalls öffentlich, selten und erzählt umso mehr von sich mit Äußerlichkeiten. Ihr Hut ist auch ein Kommunikationsmittel. Auf dem Kopf der Queen wölbt sich seine Krempe um ein paar Grad weiter nach oben als normal und gibt so ein Stück mehr von ihr preis. Dass sie das britische Königshaus in ihrer Amtszeit von einer hinter dicken Mauern verschanzten Enklave in ein Haus verwandelte, das dem Volk etwas offener begegnet, spiegelt sich in ihrem Auftreten wider. Die Queen zeigt optisch Nähe und ist dennoch unerreichbar.
Vor Mode-Exzessen macht sie halt. Sie trägt ihre Kleidungsstücke auf. Damit die Wiederholungen nicht zu offensichtlich sind, erläuterte ihr Designer Stewart Parvin vor zwei Wochen in der „Sunday Times“, werde jedes Stück zunächst mit einem Codenamen versehen und dann nach seinem Einsatz katalogisiert. Bei der nächsten Gelegenheit könnte die Queen beispielsweise wieder in „Butterblume“, einem gelben Ensemble, auftreten, ohne dass es negativ auffallen würde.
Überhaupt, britische Modekritiker erinnern sich in sechzig Jahren Amtszeit an kein einziges royales Missgeschick. In den Säumen der Mäntel und Kleider der Queen stecken Metallelemente: Selbst bei starkem Wind verliert sie nicht die Kontrolle über ihr Äußeres. Vor dem Hintergrund der Politik und Geschichte zeigt sie sich stets respektvoll im passenden Erscheinungsbild und hat dennoch ihren Eigensinn. Ob sich Angela Merkel die Idee der bunten Blazerjacken von den fröhlich unifarbenen Kostümen der Queen abgeschaut hat?
Schließlich ist für Elizabeth die Farbe in den Kostümen zum einen Rüstzeug, das von ihrem Inneren ablenkt und es so beschützt. Zum anderen sind die optimistisch anmutenden Töne wohl eine weitere Möglichkeit, sich dem Volk gegenüber aufgeschlossen zu zeigen. Sie müsse gesehen werden, damit man an sie glaube, sagte die Queen einmal. Mit dem Kostüm, dem Mantel und dem Hut komplett in Limette oder in Fuchsia, in Himmelblau oder in Aprikose, ist sie in der Tat unübersehbar. Dass die Queen dabei oft von Kopf bis Fuß denselben Farbton trägt, steht symbolisch für ihre Art, die Dinge zu kontrollieren, ob in ihrem eigenen Auftreten oder als Oberhaupt der „Firma“.
Haltung zeigen die Kostüme der Queen auch von innen: In einer Schulter sei ein Polster eingearbeitet, sagt der königliche Schneider Parvin. Wie viele Leute lasse sie sich eben gelegentlich auf einer Seite hängen. Dass die Queen derweil wie auf Federn gleitet, verdanke sie einer Mitarbeiterin, die für sie die Schuhe eingelaufen hat.
“Wenn die Queen in einem Abendkleid in der Zeitung abgebildet ist, dann sickern diese Bilder in der Gesellschaft nach unten“, sagt Oriole Cullen, Kuratorin der Ausstellung „Ballgowns“ im Londoner Victoria and Albert Museum, die sich zum Thronjubiläum mit den Abendroben der vergangenen sechzig Jahre beschäftigt. Neben der Jugendkultur hat in Großbritannien noch heute die Monarchie besonderen Einfluss auf viele Aspekte des Lebens. Sie imponiert den Briten auf der einen Seite, lässt sich aber auch von ihnen ironisieren.
Ihre Schirme aus transparentem Plastik trägt die Queen bei Regen indessen selbst. Ihre Handtaschen aus dem Hause Launer haben meist kurze Henkel, sind schwarz, fast quadratisch und viel zu klein, um praktisch zu sein. Interessanterweise passt dann aber doch eine ganze Menge hinein.
Ohne Lippenstift, Lesebrille, Minz-Bonbons, ohne einen Füllfederhalter und einen Spiegel würde die Queen nicht vor die Tore ihrer Paläste treten. Dazu hat sie stets ein wenig Geld für die Kollekte am Sonntag bei sich. Meistens ist es ein Fünf-Pfund-Schein, zehn Pfund nur in Ausnahmen. Und dann ist da noch ein kleiner Haken mit Saugknopf, der in der Handtasche herumliegt. Sobald die Queen am Tisch Platz genommen hat, befestigt sie ihn eigenhändig an der Unterseite des Tisches, um ihre Tasche daran zu hängen. Wie sie den Haken dazu bringt, am Tisch zu haften? Na, mit dem Saugknopf - und ein bisschen Spucke.