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Dubai Musliminnen in Mode

 ·  Die Abaya, ein traditionelles islamisches Kleidungsstück, hat eigentlich die Aufgabe, eine Frau zu verhüllen. Doch junge Designerinnen in Dubai zaubern aus dem schwarzen Stück Stoff Freiheit hervor.

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© Helmut Fricke Abaya mit Accessoires: Mona Fares (links) und Huda al Nuaimi

Huda al Nuaimi ist eine der Pionierinnen, die in Dubai die Grenzen der arabischen Mode verschoben haben. Bis vor wenigen Jahren hatten es nur wenige für möglich gehalten, dass aus der schwarzen Abaya, die auf der Arabischen Halbinsel die Frau zu verhüllen hat, ein modisches Kleidungsstück werden kann. Dann arbeiteten junge Designerinnen wie Huda daran. Sie veränderten die Silhouette, schnitten den Stoff anders zu, versahen sie mit Accessoires. Und heute gehören modische Abayas in modernen Städten Arabiens wie Dubai zum Alltag.

„Für uns Designer ist die Herausforderung, die ,Sittsamkeit’ der Abaya beizubehalten und trotzdem daraus ein modisches Kleidungsstück zu machen“, sagt Huda in ihrem Modestudio in Dubai. Denn der Zweck der Abaya dürfe nicht in Frage gestellt werden: den weiblichen Körper zu verhüllen, nur Gesicht, Hände und Füße sichtbar zu lassen. Von dieser Kleidung leiten die muslimischen Golf-Araber die Sittsamkeit einer Frau ab. Huda al Nuaimi befolgt diese Vorgaben. Sie lässt die Abaya aber nicht weit und füllig fallen, sondern schneidet sie schlanker zu, etwa indem sie den Stoff nur noch bis zum Fußknöchel fallen lässt, Schulterpolster einsetzt und je nach Saison mit unterschiedlichen Stoffen arbeitet.

Borten, Verzierungen, feminine Farben

Für die nächste Saison kündigt sie einen „romantischen Ansatz“ an - mit Borten, Verzierungen und femininen Farben. Junge Kundinnen wissen Hudas Modemarke Malaak (“Engel“) zu schätzen. Sie wollen die Abaya weiter tragen, sind aber modebewusster geworden und wollen in der Öffentlichkeit eine Aussage machen.

Huda al Nuaimi verkauft in gehobenen Geschäften wie Saks Fifth Avenue in Dubai und Bahrain, auch in vielen Boutiquen in den Städten am Golf und immer mehr online. Modebewusste muslimische Frauen tragen Malaak in Nordamerika und Südafrika, in Sydney und in London. „Die Frau, die Malaak trägt, weiß sehr wohl, dass sie Malaak trägt“, sagt Huda selbstbewusst. Schließlich drehten sich die Menschen danach um.

„Wer sich gut anzieht, fühlt sich doch besser“

Der Beruf der Designerin wurde ihr in die Wiege gelegt. Sie wurde in London geboren, ihre Mutter ist Engländerin und entwarf selbst Damenmode - Huda wuchs mit Magazinen und Nähmaschinen auf. Ihr Vater stammt aus Dubai, die Familie war in der Textilbranche tätig. Als sie acht wurde, zog die Familie zurück nach Dubai. „Ich genieße es, Eltern aus zwei Kulturkreisen zu haben, das Arabische und das Englische in mir“, sagt sie. „Das macht mich vielfältiger.“

Diese Vielfalt teilt sie mit ihrer Freundin Mona Fares. Deren Mutter ist eine Deutsche aus Münster, die Kunst studierte und Malerin wurde, ihr Vater ein Ägypter. Als sie noch ein Kleinkind war, ließ sich die Familie vor einem Vierteljahrhundert in Dubai nieder. Dort studierte Mona Kunst und Design, wurde dann Innenarchitektin - und eine radikale Designerin. Mit ihrer Modelinie Neoneodge spielt sie mit schrillen Farben. Sie spricht Frauen an, die auffallen wollen, „funky girls“, wie sie selbst sagt. Sie entwirft Abayas, auch kurze und lange Kleider darunter, und hat ein Ziel im Blick: „Wer sich gut anzieht, fühlt sich doch besser und hat viel mehr positive Energie.“

Inder und Iraner, Briten und Deutsche

Huda und Mona sind in einer Welt aufgewachsen, in der zwei Welten zusammenkommen. Diese Herkunft und die Stadt Dubai inspirieren sie. Die Ideen flögen einem hier nur so zu, sagt Mona. Als sie einmal im Stadtteil Deira war mit den vielen Indern, sah sie eine Inderin, die einen Sari trug und eine Hose darunter mit ein bisschen Glitter. „Das hat mich zu einer Hose mit noch viel mehr Glitter inspiriert.“ Menschen aus vielen Kulturen leben hier, Inder und Iraner, Briten und Deutsche, Araber aus allen arabischen Ländern. „Alles kommt zusammen, wie in einem zweiten New York.“ Und natürlich auch alle großen Modemarken der Welt.

Dubai ist unverändert das kreative Zentrum der arabischen Welt, auch in der Mode. Designer kommen auch aus Doha, Kuweit und Bahrain. Nun setzt Huda al Nuaimi darauf, dass Dubai ein internationales Modezentrum wird. Voraussetzung dafür ist, das Bewusstsein für Mode tiefer und breiter wird. „Unsere Generation hat sich in Sachen Mode noch selbst gebildet“, sagt sie. Jetzt brauche Dubai eine Mode-Bildung und eine Mode-Förderung, um seinen Talent-Pool auszuschöpfen.

Trotz des erstaunlich langen Weges, den junge Designerinnen wie Huda und Mona in wenigen Jahren zurückgelegt haben, sehen sie noch viele Hürden vor sich. So kann sich Mona Fares noch kein Modestudio leisten. Es ist zu teuer für sie, Schneider aus Indien anzuheuern - wegen der Arbeitsbestimmungen in Dubai. Auch sind die Teilnahmegebühren für Modenschauen zu hoch. Also verkauft man am liebsten direkt an Boutiquen.

Ihre Freundin Huda indes hat schon Schneider beschäftigt, die allein für sie arbeiten, die jede neue Kollektion für sie fertigstellen, Abayas ebenso wie Blazer und Abendkleider. Dabei hatte Huda vor ein paar Jahren bescheiden angefangen: Nach einem Studium am London College of Fashion hatte sie die Idee, modische und zeitgemäße Abayas zu entwerfen. Sie begann mit einem Startkapital von umgerechnet 7500 Euro, einer Nähmaschine und einer Schaufensterpuppe. Sie arbeitete nächtelang durch, entwarf und verwarf, nahm den Faden wieder auf und entwarf weiter. Dann traf sie die Sehnsucht junger arabischer Frauen vom Golf, die sich als Muslime kleiden - und dennoch modisch sein wollen.

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Jahrgang 1956, Redakteur in der Politik.

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