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Deutsche Models Mit Kati in Paris

 ·  Mit 20 Jahren lehnten die Agenturen sie ab, weil sie zu alt sei – fast zehn Jahre später startet sie richtig durch: Kati Nescher gehört inzwischen zu den erfolgreichsten deutschen Models unserer Zeit.

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© Wonge Bergmann Vergrößern Nur noch einen Pinselstrich: Kati Nescher wird auf die Schau des italienischen Modemachers Giambattista Valli in Paris vorbereitet.

Für die Couture ist sie hierher gekommen. Die Designer in Paris präsentieren die Hohe Schneiderkunst für Herbst und Winter. Die Sonne zeigt sich nur selten, aber trotzdem ist es warm in den Straßen. Kati Nescher sitzt im Café „Le Coq“ an der „Place du Trocadéro“ und kühlt sich mit einem Eiswürfel das Gesicht, als ob sie erst einmal runterkommen müsste von diesem Karrieretempo.

Sie ist eines der neuen Chanel-Mädchen, vor zwei Tagen ist die Kampagne erschienen. Jetzt wollen alle sie buchen. Eben ist sie für Armani gelaufen. Und am Vormittag zweimal für Chanel. Call-time für die Schau war sechs Uhr morgens, und das Fitting am Vorabend dauerte bis nach Mitternacht. Als sie in ihr Hotel kam, hatte der Room-Service schon geschlossen. Also wieder keine warme Mahlzeit, wie schon seit vier Tagen nicht, seit die Couture-Woche begonnen hat.

In dieser Woche finden zu all den anderen Terminen auch noch Foto-Shootings statt. So wie gestern, als Patrick Demarchelier sie zwischen zwei Dior-Défilés fotografierte. Danach musste sie, nur aufgehalten von ein paar Fotografen, sofort weg. Sie wurde im Hôtel de Crillon schon erwartet, für die Schau von Giambattista Valli. Ständig überlagern sich Termine. „Ich bin müde“, sagt sie, „aber glücklich. Deshalb spüre ich die Müdigkeit nicht.“

Man kennt solche Sätze von jungen Müttern. Kati Nescher ist 28 Jahre alt und erst vor einem Jahr richtig in die Modelbranche eingestiegen. Sie hat einen zweijährigen Sohn, Theo, der während der Couture-Woche bei seinem Vater in Passau ist. Seit kurzem formuliert er seine ersten einfachen  Sätze, während Kati ihre ersten Interviews gibt.

Ständig in der Luft für etwas mehr Bodenständigkeit

Vor ihr auf dem Tisch liegt eine Tüte Popcorn, die sie sich an einer Touristenbude gekauft hat. Sie bestellt einen frischen Orangensaft und blinzelt ins Licht: „Ein paar Stunden Schlaf wären nicht schlecht.“ In den vergangenen  zwei Wochen war sie viel unterwegs, in New York, Yorkshire, Paris und auf Long Island. Sie hat mit Peter Lindbergh gearbeitet, den sie bewundert. Zwischen ihren Jobs ist sie zweimal nach Hause geflogen. Um möglichst oft bei Theo zu sein, verbringt sie noch mehr Zeit in Flugzeugen als ihre Kolleginnen. Ständig ist sie in der Luft für etwas mehr Bodenständigkeit in ihrem Leben, für einen Tag auf dem Spielplatz oder einen Spaziergang im Wald.

Vom Vater des Kindes lebt sie getrennt. Er hat gerade ein Jura-Studium abgeschlossen, in Passau, während sie in München-Neuhausen eine Wohnung gemietet hat, in der Nähe von Theos Großeltern väterlicherseits. Alle paar Wochen fliegt ihre Mutter aus Russland ein, um nach Theo zu schauen. Zwei Frauen auf Reisen – für eine Modelkarriere! Lohnt sich der Aufwand überhaupt? „Auf jeden Fall“, sagt Kati. „Ich bin glücklich mit dem Modeln, auch wenn es manchmal hart ist.“ So wie neulich, als sie mal wieder ihre Sachen packte und Theo sie fragte: „Mama, New York? Mama, Paris?“ Sie schweigt für einen Augenblick. – „Ich vermisse Theo sehr. Aber eines Tages wird er verstehen, dass ich für uns beide arbeite.“

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02.11.2012, 13:00 Uhr

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