13.04.2005 · Vor einem Jahr verließ Tom Ford das Modehaus Gucci, seitdem rätselte die Modewelt über seine Pläne. Jetzt kehrt der amerikanische Designer, in Kooperation mit dem Estée-Lauder-Konzern, auf die Laufstege zurück - mit einer eigenen, nach ihm benannten Marke.
Ein Jahr lang rätselte die Modewelt über seine Pläne, jetzt hat der amerikanische Designer Tom Ford mit einem Paukenschlag seine Rückkehr ins Geschäft angekündigt. Der Texaner gründet zusammen mit seinem langjährigen Gucci-Intimus Domenico De Sole eine Marke unter seinem Namen.
Handverlesene Partner sollen dem gutaussehenden Modestar den Weg zu einem Markenimperium erleichtern: Bei Schönheitsprodukten arbeitet Ford mit dem Kosmetik-Riesen Estée Lauder zusammen, für eine Brillenkollektion mit der italienischen Marcolin-Gruppe.
Vor einem Jahr: Bruch mit Gucci
Nach dem Bruch mit Gucci im April 2004 kommt Ford damit zu seinen Bedingungen zurück: Er wird jedes noch so kleine Detail seiner Markenprodukte selbst kontrollieren. "Ich bin der Eigentümer des Namens Tom Ford“, sagte der smarte 43jährige im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP in New York. „Lauder wird die Produkte herstellen und vertreiben, aber ich werde alles kontrollieren“, versichert der braungebrannte Star im schwarzen Anzug und dem weit offenen weißen Hemd.
Chef der Marke „Tom Ford“ ist der Designer selbst, Domenico De Sole wird Vorsitzender des Verwaltungsrates. Die Zusammenarbeit mit Estée Lauder sei in zwei Phasen aufgegliedert, erläutert Ford. „Die wirkliche Phase wird die Einführung der Marke Tom Ford. Diese wird aber nicht vor dem Herbst 2006 auf den Markt kommen, da es 18 Monate dauert, neue Düfte und Kosmetikprodukte zu entwickeln.“
„Geschmack der großen Mehrheit“
Der arbeitswütige Amerikaner hat sich mit Estée Lauder einen mächtigen Verbündeten gesucht. Zur Lauder-Gruppe mit einem Umsatz von fünf Milliarden Dollar gehören Firmen wie Aramis, Bobbi Brown, Donna Karan und Clinique. Auch für Estée Lauder kommt der Vertrag zu einem günstigen Zeitpunkt: Die Marke hat schon sechzig Jahre auf dem Buckel, vor einem Jahr starb die gleichnamige Firmengründerin im Alter von über 90 Jahren. Die Firma „beginnt damit eine neue Phase in ihrer Geschichte“, hofft Lauder-Enkelin Aerin Lauder, „das Timing ist perfekt“. Ford sei „eine Ikone der Mode so wie Estée Lauder eine Ikone der Schönheit ist“.
Ford wird - gemeinsam mit De Sole - das Verdienst zugeschrieben, die Firma Gucci seit 1994 von einem desolaten und zerstrittenen Familienunternehmen zu einer Topmarke der Luxusbranche gemacht zu haben. Als Gucci 1999 auch die Marke Yves Saint Laurent aufkaufte, wurde Ford dort ebenfalls zum Chef-Designer gemacht. Seinen Erfolg begründete er in einem Gespräch einmal damit, dasß er „den Geschmack der großen Mehrheit“ habe. Allerdings war Firmengründer Yves Saint Laurent nie mit dem Stil seines Nachfolgers einverstanden, der die Laufstege mit seinem „Porno Chic“ eroberte. Doch seinen wirklich eigenen Stil habe er noch nicht umgesetzt, sagt Ford.
„Was ist wirklich mein Geschmack?“
Als Chef einer eigenen Marke unter seinem Namen „muss ich mich jetzt fragen: Was ist wirklich mein Geschmack?“ Auf jeden Fall hat Ford eine Schwäche für absolute Kontrolle, was auch zum Bruch mit Gucci geführt hatte. Über Kleider, Schuhe, Handtaschen, Uhren und Brillen, bis hin zur Lautstärke der Musik in den Boutiquen oder der Herkunft der dort ausgelegten Marmorplatten wollte Ford überall mitreden.
Schon bei seiner Trennung von Gucci vor einem Jahr hatten Modeexperten gemutmaßt, Ford werde seine eigene Marke gründen. Durch den Zusammenschluß mit Lauder und Marcolin kann er sich auf funktionierende Infrastrukturen bei Produktion und Vertrieb stützen und sich auf seine große Stärke, die Schaffung eines Markenimages, konzentrieren.
Aber auch seine Pläne, ins Filmgeschäft einzusteigen, hat der angeblich 200 Millionen Dollar schwere Modemann noch nicht aufgegeben. Eine Produktionsfirma gründete er bereits, „ich habe einige Drehbücher gekauft, eines geschrieben und die Rechte an einem Buch erworben“, sagt Ford. „Ich hoffe, daß ich noch im Laufe dieses Jahres die Produktion eines Filmes verkünden kann.“