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Designer-ABC Theyskens, Olivier

Wenn Olivier Theyskens nach der Schau auf den Laufsteg kommt, ist es, als stünde ein Reh seinem Jäger gegenüber. Dabei besteht gar keine Gefahr, denn die Kollektionen des jungen Rochas-Designers werden meistens bejubelt.

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Wenn Olivier Theyskens nach der Schau auf den Laufsteg kommt, ist es, als stünde ein Reh seinem Jäger gegenüber. Dabei besteht gar keine Gefahr, denn seine Kollektionen werden meistens bejubelt – trotzdem schaut er verschreckt und scheu in die Runde.

Theyskens lächelt fast nie. Er ist klein und zart, mit weichen großen Lippen und dunklen Augen. Der junge Belgier passt so gar nicht in das Bild, das man von seinen Landsleuten hat, die mit Avantgarde und intellektuellen Konzepten ihren festen Platz in der Modeszene haben.

Romantisch und doch nicht rückwärtsgewandt

Vielleicht liegt es an der französischen Mutter, daß Theyskens’ Mode überaus emotional ist, fast märchenhaft und doch nicht altmodisch, romantisch und doch nicht rückwärtsgewandt. Seine dunkle Seite, die er in der Vergangenheit mit düsteren „Gothic“-Entwürfen auslebte, ist etwas heller geworden, seit der Achtundzwanzigjährige 2003 Designer für das Pariser Modehaus Rochas wurde. Mit dem Umzug von Brüssel nach Paris ist seine Exzentrik trotzdem nicht verlorengegangen.

Theyskens, der 1977 in Brüssel geboren wurde und in seiner Wohnung mit einem ausgestopften Giraffenkopf lebt, hatte schon immer einen eigenen Kopf. Als Kind ging er, wenn ihm danach war, mit Pyjama in die Schule. 1995 begann er ein Designstudium an der Ecole Nationale Superieure des Arts Visuels de la Chambre, das er allerdings zwei Jahre später abbrach, um mit seiner ersten Kollektion herauszukommen. Sie wurde sofort von der Öffentlichkeit wahrgenommen und gefeiert. Nur sechs Monate später zeigte sich Madonna bei der Oscar-Verleihung in einem Theyskens-Kleid und machte den Belgier damit über Nacht zum Star.

Erinnerungen an den jungen Lagerfeld

Ein Angebot von Givenchy schlug er noch aus, bevor er 2003 Kreativdirektor bei Rochas wurde. Das Modehaus wurde 1925 von Marcel Rochas eröffnet, der als einer der größten Konkurrenten von Elsa Schiaparelli galt, versank aber nach dessen Tod in der Bedeutungslosigkeit.

Das hat sich unter Theyskens geändert. Seine viktorianisch anmutenden Abendkleider mit Volants und hochgeschlossenen Kragen sorgten im Herbst 2004 ebenso für Furore wie die geknitterten und eng geschnittenen Hosenanzüge, die der Belgier 2005 präsentierte. Seine Prêt-à-porter-Kollektionen erinnern in ihrer aufwendigen Machart fast schon an Haute Couture. Theyskens geht dabei seinen ganz eigenen Weg und orientiert sich nicht an Trends. Weil er seinen eigenen Kopf hat, fühlen sich viele an den jungen Lagerfeld erinnert. Auch wenn seine Entwürfe von vergangenen Epochen inspiriert sind, wird Theyskens doch zu denen gehören, die künftige Epochen prägen könnten.

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