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Designer-ABC Karan, Donna

„Alle Frauen wollen mit wenig Aufwand schlanker, größer, schöner wirken“, weiß Donna Karan – wie sie sagt, aus eigener Erfahrung. Die „Prima Donna New Yorks“ entwirft Mode, die für den Einkauf im Supermarkt wie für einen Auftritt auf dem roten Teppich taugt.

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Tief im Dschungel von Manhattan, Soho, Broadway – Ecke Houston Street. Dort prangen an einer Häuserwand die vier überdimensionalen weißen Lettern DKNY. Über die Straßen hetzen hier Frauen in dunklen Hosenanzügen, das Handy in der einen, den Kaffeebecher in der anderen Hand, vom Businesslunch zum Babysitter. Hier im Herzen New York Citys liegt das geistige Zentrum von Donna Karans Mode. Diesen Großstädterinnen schneidert sie ihre Kreationen auf den Leib. Schick und zugleich praktisch ist Karans Mode, aus edlen, elastischen Stoffen.

Die 1948 in Long Island geborene Designerin ist mit ihrer Marke in der Millionenmetropole so verwurzelt wie kaum ein anderer ihrer Zunft. Die Tochter eines Maßschneiders und eines Models studiert an der Parsons School of Design in New York, schließt ihr Studium jedoch nie ab, sondern steigt über einen Aushilfsjob bei der Modemacherin Anne Klein in die Branche ein. Nach Kleins Tod übernimmt Karan die Führung des Hauses; mit ihrem zweiten Mann, dem Künstler Stephan Weiss, gründet sie 1984 ihr eigenes Label.

Die „Prima Donna“ New Yorks

Schon ihre erste Kollektion Mitte der Achtziger benennt sie nach ihrer Heimatstadt „New York“, die preiswertere und schnellebigere Zweitlinie trägt seit 1989 den Titel „DKNY“ (Donna Karan New York). Bald verkauft sich das Lebenskonzept der „Prima Donna“, wie sie genannt wird, genauso gut wie ihre Mode: Ihre Tochter Gabby wird zur Inspirationsquelle einer Jeans-Kollektion, die Enkeltochter steht Patin für die Kinderkleidung des Konzerns. Hinzu kommen Herrenmodelle, Parfums, eine „New York Home“-Linie.

Karans Kleidung wirkt authentisch, weil sie selbst ihre eigene Zielgruppe verkörpert: beruflich erfolgreiche Frauen, die Kinder und Karriere unter einen Hut bringen, Geliebte und Ehefrau zugleich sind – und keinen perfekten Körper haben müssen. Getreu ihrem Motto „Alle Frauen wollen mit wenig Aufwand schlanker, größer, schöner wirken“ entwirft Karan in erster Linie sportliche und komfortable Mode ohne Schnörkel, die nur in zweiter Linie auch ein wenig Sex-Appeal verströmt. In den achtziger Jahren erfindet sie den Body – damals ein Kultteil, von dem heute aber kaum noch eine Frau zugeben möchte, daß sie es je getragen hat. Doch diese „zweite Haut“ wird wie Wickelröcke und Hosenanzüge fester Bestandteil von Karans „Citywear“, die sich im wesentlichen auf „seven essentials“ stützt – eine Basiskollektion, die freilich über die Jahre auf mehrere hundert Kleidungsstücke anwächst.

Karan-Kampagne: „In women we trust“

Überraschungen und überschwengliche Details sind in den Kollektionen der Designerin die Ausnahme. Statt Haute Couture liefert Karan konsequent Konfektion. Ihre amerikanisch-alltagstaugliche Mode ist vergleichbar mit der ihrer Landsmänner Ralph Lauren oder Tommy Hilfiger, aber femininer und schmeichelnder. „In women we trust“, verkündete im Jahre 1992 eine Karan-Kampagne, auf der eine weibliche Präsidentin im Nadelstreifenanzug mit Perlenkette auf die amerikanische Verfassung schwört. Die Werbung faßt die Botschaft des Karan-Looks zusammen: Ihre Kreationen sollen den Frauen Ruhe und Selbstbewusstsein verleihen in einer sonst ruhelosen, männerbeherrschten Metropole. Wichtig ist Donna Karan dabei, daß die Mode nicht die Trägerin dominiert: „Das erste, was man sieht, sollte immer noch die Frau und nicht ihre Kleidung sein.“

Die aufstrebenden Businessfrauen der Achtziger waren die ideale Projektionsfläche für Karans unkomplizierten Stil mit einer Kombination aus männlichen und weiblichen Attributen. Auch sie selbst führt ihr Geschäft lange Zeit erfolgreich, bis die Marke „Donna Karan“ 1996 an die Börse geht und rote Zahlen schreibt. Danach haftet ihr der Ruf an, zwar eine gute Designerin, aber keine clevere Managerin zu sein, bis sie 2001 ihr Unternehmen an den Luxuskonzern LVMH verkauft: für 643 Millionen Dollar.

Donna Karan gilt wie Jil Sander als moderne Nachfolgerin der Designerinnen-Generation Coco Chanels und ihres amerikanischen Gegenstücks Claire McCardell. Sie hatten schon in den vierziger und fünfziger Jahren die „Ready-to-wear“-Mode proklamiert. Ihren Vorbildern folgend, werden Karans Kleider sowohl auf roten Teppichen als auch im Supermarkt getragen – und vor allem auf den Straßen Manhattans.

Das Designer ABC:

Ihre Träume sind aus Samt und Seide und spazieren auf langen Beinen über den Laufsteg: Passend zum Start der Modeschauen in New York, London, Mailand und Paris präsentiert FAZ.NET in einer werktäglichen Serie die großen Designer unserer Zeit. Von A wie Armani bis Z wie Zegna wirft das „Designer ABC“ jeden Tag Licht auf die Biographie eines Klassikers. Spot on!

Lesen Sie morgen im „Designer ABC“: „L wie Karl Lagerfeld“

Quelle: FAZ.NET
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