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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Designer-ABC Slimane, Hédi

Er ist der Männerdesigner, der vom Himmel fiel. So wie David Bowie die Musikszene der siebziger Jahre durch seine Androgynität veränderte, läutete Hédi Slimane eine neue Ära in der Männermode ein, als er von 2000 bis Anfang 2007 die Ateliers bei Dior Homme leitete.

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Er ist der Männerdesigner, der vom Himmel fiel. So wie David Bowie die Musikszene der siebziger Jahre durch seine Androgynität veränderte, läutete Hédi Slimane eine neue Ära in der Männermode ein, als er von 2000 bis Anfang 2007 die Ateliers bei Dior Homme leitete. Endlich war es wieder ein französischer Designer, der einer großen Pariser Marke Glanz verlieh.

Slimanes Stil hat sich kompromisslos an einen von dünnen Rockmusikern wie Pete Doherty abgeleiteten Körpertypus gewandt. Seine schmalen Silhouetten sind ebenfalls im Reich der Androgynität angesiedelt und werden von Männern wie Brad Pitt und Frauen wie Nicole Kidman gleichermaßen getragen. Überraschend trat er im Frühjahr 2007 von seiner Position zurück, da er seine Arbeitgeber nicht für einen neuen Vertrag gewinnen konnte, der ihm die Finanzierung und den Aufbau einer eigenen Kollektion garantiert hätte.

Yves Saint Laurent klatschte stehend Beifall

Slimane schrieb schon mit seiner ersten Schau für Dior Homme Geschichte, als kein Geringerer als Yves Saint Laurent stehend Beifall beim Finale klatschte. Slimane hatte unter seiner Führung von 1997 bis 1999 angefangen, der Männermode des Hauses Saint Laurent einen zeitgemäßen Look zu verpassen. Mit einem Bewusstsein für Hierarchien und Loyalität innerhalb der französischen Modebranche weigerte sich Slimane dann, diesen Job weiterzuführen, nachdem Tom Ford und die Gucci-Gruppe die kreative Leitung von Yves Saint Laurent 1999 übernommen hatten.

Der Chef der mit Gucci konkurrierenden LVMH-Luxusgütergruppe Bernard Arnault belohnte sein Stehvermögen, indem er ihn bei Dior neben den Damendesigner John Galliano stellte, um aus dem schlafenden Lizenzgeschäft bei Dior Homme wieder einen Aktivposten zu machen. Arnault besitzt innerhalb der LVMH-Gruppe nur bei Dior eine persönliche Aktienmehrheit, weshalb er die Marke immer wie sein persönliches Steckenpferd behandelt und den Designern besonders nahe steht.

Wichtigste Leute an sich zu binden

Saint Laurents Anwesenheit bei Slimanes Dior-Debüt und seine Abwesenheit bei Tom Fords Premiere für die Damenmode der Marke Yves Saint Laurent wird heute als erster großer Skandal der Pariser Modewelt im neuen Jahrtausend gewertet. Gleichzeitig unterstreicht er auch Slimanes Talent, die wichtigsten Leute zur richtigen Zeit an sich zu binden. Außer Saint Laurent ist ironischerweise auch dessen Gegenspieler Karl Lagerfeld ein Fan der Arbeit Slimanes und immer in der ersten Reihe bei seinen Defilees.

Gleichzeitig dem Lager Saint Laurents und Lagerfelds anzugehören ist in der verfeindeten Pariser Modewelt eine ziemliche Leistung. Karl Lagerfeld, bekannt für seine medienwirksamen Zitate, nahm vierzig Kilo ab, um in die engen Schnitte der Slimane-Jacketts zu passen. Jeden ließ er wissen, dass er so seine Freude an der Mode wieder gewonnen habe.

Radikales Casting

Slimane hat auch für seine Modenschauen neue Standards gesetzt. Er hat die Schau als eigenes Designprojekt in Angriff genommen. Während in Mailand nach wie vor der muskulöse und sportliche Modeltyp bevorzugt wird, geht Slimane beim Casting radikal anders vor. Er hat Models immer nur exklusiv gebucht und nach dem Typus ausgewählt, der seinem eigenen Körper ähnelte: dünn und hager.

Unweigerlich waren diese Models oft Teenager, nicht älter als fünfzehn Jahre, die von ihm auch als die einzige Inspiration für seine Arbeit genannt wurden. Sets und Licht hat er zusammen mit dem Pariser Lichtkünstler Thierry Dreyfuss entwickelt, oft an Dan Flavin oder andere moderne Künstlerarbeiten erinnernd. Die Soundtracks ließ er exklusiv von Bands wie Beck, Phoenix und Razorlight aus London komponieren. Selbst die Einladungen waren immer von kühler Ästhetik geprägt. Dior-Homme-Schauen waren immer der Höhe- und Schlusspunkt der Pariser Herrenmodewoche. Im Zeitalter von Podcasts waren sie sicherlich auch am besten geeignet, um live im Netz oder im Fernsehen über Pay-per-View gezeigt zu werden: Choreografie und Dramaturgie der Modenschauen trieb er in neue Höhen.

Verdienst seiner Schneiderkunst

Dass dabei die Kleidung nicht zu kurz kam, war ein Verdienst seiner Schneiderkunst. Schon mit sechzehn bastelte Slimane sich an der Nähmaschine seiner Mutter eigene Outfits. So war es nicht verwunderlich, dass er die Männermode vor allem durch seine an den eigenen Körper angepassten Schnitte erneuerte, die extrem eng waren. Eine Größe 50 bei Dior sind gefühlte 46 bei anderen Designern. Slimane wusste, dass Mode, die in die Archive eingehen soll, immer an der Silhouette gemessen wird. Seine war reduziert, mit hoher Schulter und enger Taille.

Oft hat er auch schwarzes Leder eingesetzt, um das Revers eines Jacketts abzuheben, oder eine Knopfleiste. Sein Designvokabular war eng an die Klassiker der Männergarderobe angelehnt. Den Smoking zeigte er in immer neuen Schnittvariationen. Slimanes Markenzeichen war das Kummerbund-Plissee, das er als Detail für Turnschuhe, Parfümflakons und Verpackungen nutzte.

Regelrechtes Dior-Homme-Produkt-Universum

Überhaupt schuf Slimane ein regelrechtes Dior-Homme-Produkt-Universum, in dem es vom Turnschuh über Männerpflegeserien, Hausparfüms, Ipod-Halter, Möbelstücke bis hin zu Reisekoffern alles gab, was der moderne Mann begehrt. Hier spielte Slimane sein Talent für Grafik-Design und Fotografie aus. Seine erste Werbekampagne für Dior Homme war noch vom großen Meister der Modefotogafie, Richard Avedon, gemacht worden. Danach wagte sich Slimane ähnlich wie Karl Lagerfeld selbst an die Shootings. So sind unter seiner Ägide auch vier Parfüms lanciert worden: Dior Higher, Higher Energy, Dior Homme und Dior Fahrenheit 32.

Slimane, der am 5. Juli 1968 in Paris geboren wurde und dort an der Ecole du Louvre Politik und Kunstgeschichte studierte, lebte von 1999 bis 2002 in einem Atelier der Kunstwerke Berlin und hat dort sein erstes Fotografiebuch mit dem Titel „Berlin“ realisiert, das im Steidl-Verlag erschienen ist. Seitdem wird er auch von einer Galerie in Paris als Künstler vertreten und nimmt regelmäßig an Ausstellungen auf der ganzen Welt. Wie so viele große Designer von Helmut Lang bis Karl Lagerfeld sieht er sich inzwischen ebenso sehr als Künstler wie als Modemacher.

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