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Designer-ABC Chanel, Coco

Sie schenkte den Frauen bequeme Hosen, Modeschmuck aus falschen Perlen und das kleine Schwarze: Der Look von Gabrielle Coco Chanel zählt noch immer zu den meistkopierten der Welt.

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Ein halbes Dutzend Perlenketten über dem beigefarbenen Tweedkostüm, dazu zweifarbige Pumps, eine künstliche Kamelie am Revers, die feine Zigarette lässig im Mundwinkel - so ließ sich Gabrielle „Coco“ Chanel gerne fotografieren. Denn die Französin war sich selbst ihr liebstes Model. Mit ihrer grazilen Figur und dem kurzen, schwarzen Bubikopf gilt sie Anfang der zwanziger Jahre als Reinkarnation der „Garconne“ („Knäbin“), weiblicher Idealtypus der damaligen Zeit, benannt nach der Protagonistin des gleichnamigen Romans von Victor Marguerittes.

Coco Chanel trägt, was sie entwirft – weil sie nur entwirft, was sie selbst gerne tragen will. Emanzipation durch Mode ist Chanels Credo: Frauenkleidung soll praktisch und bequem sein – Christian Diors „Fischbein-Grässlichkeiten“ sind der „Macherin“ ein Greuel. 1910 eröffnet die Siebenundzwanzigjährige in der Rue Cambon ihr erstes Modegeschäft, nachdem sie zunächst als Hutmacherin arbeitete. Die frühen Modelle tragen noch den Namen „Gabrielle Chanel – Paris“ im Etikett, später steht dort nur noch „Chanel“ – ein Name, der bald zur Marke wird.

Mode für die Garconnes von Welt

Nach dem Ersten Weltkrieg kreiert Coco Chanel Mode für die Garconnes von Welt mit Geld: berufstätige Frauen, die ihr Leben selbst bestimmen, Charleston tanzen und in der Öffentlichkeit Sport treiben. „Ich war einfach in Mode!“, sagt sie später über diese Zeit. Aus der Männermode entlehnt sie die geraden, weiten Schnitte und Accessoires wie kleine Seidentücher und Krawatten. Sie schneidert den Damen Segelhosen für den Strandspaziergang und verarbeitet elastischen, weichen Baumwolljersey – ein Stoff, der bis dahin nur für Unterwäsche verwendet wird – zu Cardigan-Kostümen. Die alltagstauglichen Ensembles mit den Röcken, die das Knie umspielen, sind die Vorgänger der späteren Tweed-Klassiker, die inzwischen zu den meistkopierten Modestücken der Welt gehören. In dieser Zeit entsteht auch der Duft „Chanel No.5“.

Mit siebzig Jahren – aufgrund ihrer Beziehung mit einem Nazi-Offizier während des Zweiten Weltkrieges flieht sie 1944 für sieben Jahre ins Schweizer Exil – versucht Coco Chanel ein Comeback. Die Modeszene lächelt zunächst nur milde über die Bemühungen der arroganten alten Dame, erneut in der Szene Fuß zu fassen.

Chanels „Ford“

Doch 1957 verhilft Chanel das mittlerweile wohl berühmteste Kleidungsstück der Welt zum Durchbruch: das kleine Schwarze. Die „Vogue“ nennt es Chanels „Ford“: „Das Kleid für alle Anlässe und jede Frau“. Das schlichte, taillenlose Modell wird sofort zum Bestseller. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Abendkleider pompöse, rauschende Stofforgien – Chanel reduziert das Kleidungsstück auf ein Minimum und verpasst ihm, so die Designerin, „die perfekte Farbe“: Schwarz.

Den ehemaligen Dienstmädchen- und Witwen-Aufzug salonfähig zu machen, war jedoch nicht einzig die Erfindung von Coco Chanel. Vielmehr griff die Designerin einen Trend auf, der bereits in der Pariser Luft lag. Sportliche Outfits, gerade Schnitte und ein kurzes, dunkles Kleid verkaufte zur gleichen Zeit auch der Designer Jean Patou. Die Entwürfe des Landsmanns waren in Stil und modischer Zielsetzung denen Chanels äußerst ähnlich – und er aus diesem Grund ihr größter Rivale. Karl Lagerfeld, der 1983 als Chefdesigner Chanel zu neuem Ruhm verhalf, sagte einmal über sie: „Chanel kopierte alles und machte es zu einem kommerziellen Erfolg. Das ist doch genial, oder?“

„Kleiner, schwarzer Stier“

Über das Privatleben von Gabrielle Chanel, die von der Dichterin Colette als „kleiner, schwarzer Stier“ charakterisiert wurde, ist wenig bekannt, aber ihre Kindheit war alles andere als fröhlich: Die 1883 in den Cevennen geborene Französin wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter schiebt der Vater die beiden Töchter ins Waisenhaus ab, später besucht Coco, so ihr Spitzname, ein Internat.

Ihren Start ins Geschäftsleben finanziert sie sich als Geliebte wohlhabender Männer. Sie ist befreundet mit Churchill und Dalí, verkehrt in den besten Kreisen, doch so recht klappen will es mit der Liebe nicht. So heiratet die selbstbewusste Geschäftsfrau nie – auch wenn es sie durchaus gab, die große, wenn auch unglückliche Liebe in Coco Chanels Leben. Der steinreiche Unternehmer Arthur Capel, der sie letztlich doch verließ und das Hochzeitskleid seiner Braut bei Chanel in Auftrag gab, hat ihre Mode vielleicht stärker beeinflusst, als man zunächst glauben mag. In der Biographie „Chanel and her world“ schreibt Edmonde Charles-Roux: „Gabrielle Chanel ließ bei zahlreichen Gelegenheiten verlauten, dass sie nur einmal in ihrem Leben geliebt und nur einen einzigen Mann gekannt habe, der wie für sie geschaffen schien. Arthur Capel.“ Und auch wenn sie das legendäre Kleid erst sieben Jahre später entwarf, glauben einige noch immer, Chanel habe mit ihrem kleinen Schwarzen die Welt an ihrer Trauer um diesen Mann teilhaben lassen wollen.
Gabrielle „Coco“ Chanel starb am 10. Januar 1971 in Paris.

Das Designer ABC:

Ihre Träume sind aus Samt und Seide und spazieren auf langen Beinen über den Laufsteg: Passend zum Start der Modeschauen in New York, London, Mailand und Paris präsentiert FAZ.NET in einer werktäglichen Serie die großen Designer unserer Zeit. Von A wie Armani bis Z wie Zegna wirft das „Designer ABC“ jeden Tag Licht auf die Biographie eines Klassikers. Spot on!

Lesen Sie morgen: „D wie Christian Dior“

Buchtip: „Das kleine Schwarze“ von Amy Holman Edelman, erschienen bei dtv, 12,50 Euro. „Coco Chanel“ von Edmonde Charles-Roux, erschienen bei Kniesebeck, 45 Euro.

Quelle: FAZ.NET
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