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Sonntag, 19. Februar 2012
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Brasilien Tod eines Magermodels

16.11.2006 ·  Das brasilianische Model Ana Carolina Reston fühlte sich mit 46 Kilogramm zu „dick“. Heruntergehungert auf 40 Kilogramm, ist sie aufgrund extremer Unterernährung gestorben. Ihr Tod hat in ihrer Heimat eine Debatte ausgelöst, die in Europa schon längst begonnen hat.

Von Josef Oehrlein, Buenos Aires
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Der Tod des 21 Jahre alten brasilianischen Models Ana Carolina Reston Macan hat nun auch in Brasilien zu einer Debatte über die Teilnahme magersüchtiger Mannequins an Modeschauen und anderen öffentlichen Auftritten geführt. Ana Carolina war an extremer Unterernährung gestorben. Sie habe sich fast nur von Äpfeln und Tomaten ernährt, berichtete eine Verwandte des Models. Wenn sie etwas mehr zu sich genommen habe, sei sie auf die Toilette gegangen und habe es wieder erbrochen.

Nach dem Versagen der Nieren kam es bei Ana Carolina zu mehreren Infektionen, die nicht mehr zu kontrollieren waren. Die junge Frau wog am Ende nur noch vierzig Kilogramm, siebzehn Kilogramm weniger als dem ihrer Körpergröße von 1,74 Meter entsprechenden Normalgewicht. Ihr Körpermasse-Index betrug 13,21, nach dem Standard der Weltgesundheitsorganisation wäre für sie ein Wert von 18,5 bis 24,9 angemessen gewesen.

Anorexie wurde als Künstlerkrankheit wahrgenommen

Anorexie und Bulimie wurden in der brasilianischen Öffentlichkeit erst jetzt nach dem Todesfall als Krankheiten entdeckt, die in immer größerem Maß vor allem Mädchen und junge Frauen zwischen dreizehn und zwanzig Jahren heimsuchen und sich bisweilen schon im Kindesalter mit ersten Symptomen bemerkbar machen. Die brasilianische Gesellschaft ist sonst mehr mit dem Gegenteil konfrontiert, einer wegen schlechter Ernährungsgewohnheiten fast epidemisch verbreiteten Fettleibigkeit. Immerhin wurde die krankhafte Magersucht nun als eine Art Berufskrankheit von Models, Tänzern und Schauspielern wahrgenommen. Konsequenzen wie in Spanien, wo die Behörden kürzlich die Teilnahme magersüchtiger Models bei Modeschauen untersagt hatten, wurden in Brasilien bislang jedoch nicht gezogen.

Die Modeagenturen verlangten von den Models zwar die Einhaltung bestimmter ästhetischer Kriterien, ohne ihnen jedoch gesundheitsgefährdendes Verhalten aufzuerlegen, sagte eine Psychologin, die verschiedene brasilianische Agenturen berät. Die meisten Models, die an Anorexie litten, seien nicht bereit, einzugestehen, daß sie krank sind. Dies erschwere die Behandlung. Ana Carolina Reston Macan wird noch immer bei der Agentur „L'Equipe“, die sie zuletzt unter Vertrag hatte, in der Liste der Models geführt. Dort wird als Körpergröße 1,72 Meter angeführt und als ihre Maße 87-60-83 Zentimeter. Ihr Haar sei kastanienbraun, und sie habe grüne Augen, heißt es, Angaben zum Gewicht fehlen.

Sie fühlte sich mit 46 Kilogramm zu „dick“

An dem Tag, an dem sie in Sao Paulo ins Krankenhaus gebracht wurde, hätte Ana Carolina nach Paris fliegen sollen, um bei Aufnahmen für einen Modekatalog zu posieren. Als sie im vergangenen Dezember in Japan für Armani arbeiten sollte, wurde sie von der Agentur zurückgerufen, weil sie abgemagert aussah. Freunden soll sie damals gesagt haben, sie sei jetzt arbeitslos und ihre Agentur habe sie im Stich gelassen. Sie habe sich vor der Japanreise mit 46 Kilogramm zu „dick“ gefühlt, bekannte Ana Carolina im April gegenüber einer Zeitschrift. Darauf habe sie ihr Gewicht auf 42 Kilogramm verringert.

Schon als Kind habe sie Model werden wollen, berichtete ihre Mutter, Miriam Reston. Mit dreizehn begann ihre Karriere, mit siebzehn wurde sie ins Ausland geschickt. „Mutter, streite nicht mit mir“, habe ihre Tochter zu ihr gesagt, als sie Ana Carolina gebeten habe, einen Arzt aufzusuchen, sagt Miriam Reston. „Sie glaubte, es gehe ihr gut.“

Italien will gegen zu dünne Models auf den Laufstegen mobil machen: Die Ministerin für Jugendpolitik Giovanna Melandri hat die Modemacher des Landes aufgefordert, keine übermäßig mageren Modelle mehr für ihre Schauen zu verpflichten. Damit will Melandri das Problem magersüchtiger Jugendlicher angehen, die dünne Models als Symbol für Schönheit und Erfolg ansehen, berichtete die römische Zeitung „La Repubblica“ vergangene Woche. „Die Laufstege sollten ein Spiegel für die wahren Maße der Frauen sein“, sagte die Ministerin.
Dabei wolle Italien aber nicht dem Vorbild Spaniens folgen: Madrid hatte zuletzt mehreren Models die Teilnahme an einer Modenschau in Madrid verboten, weil sie nicht das vorgeschriebene Mindestgewicht auf die Waage brachten. „Wir wollen nichts verbieten, Vorschriften nutzen sowieso nichts“, sagte Melandri. Vielmehr setze sie auf eine gemeinsame Initiative von Regierung und Modemachern. Viele Modeschöpfer stimmten Melandri unterdessen bereits zu. „Ich habe für meine Defilees nie zu magere Mädchen gewollt“, sagte Giorgio Armani. „Ich habe immer echte Frauen für meine Schauen engagiert“, sagte auch Donatella Versace. (dpa)

Quelle: F.A.Z., 17. November 2006
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