09.12.2011 · In Amerika wurde eine „Birkin Bag“ aus Krokodilleder für rund 200000 Dollar versteigert: Der Second-Hand-Markt für langlebige Luxusgüter wächst.
Von Alfons KaiserIm Laden wird man eine solche Tasche in der Regel nicht finden. Denn es handelt sich um eine „commande spéciale“, die im Atelier für Sonderanfertigungen in der Pariser Zentrale von Hermès an der Rue du Faubourg in Handarbeit hergestellt wird – wo rund ein Dutzend Täschner und ein Dutzend Sattler an den Spezialwünschen von Kunden in aller Welt arbeiten.
Man muss diese Tasche also extra bestellen – oder ersteigern. Am Donnerstag hat ein Bieter in Texas diesen Weg gewählt, vielleicht um möglichst schnell zu einem Weihnachtsgeschenk zu kommen. Er oder sie zahlt 203 150 Dollar (rund 152 000 Euro) für diese „Birkin Bag“ von Hermès, die somit teuerste Handtasche der Welt, die den Schätzwert von 90 000 Dollar deutlich überbot. „Die Auktion war ein Super-Erfolg“, sagte Matt Rubinger, Fachmann für Luxusgüter des New Yorker Hauses Heritage Auctions, der F.A.Z. nach dem Verkauf. Drei weitere Taschen gingen für 113 525, 95 600 und 80 663 Dollar in andere Hände. Über den Ersteigerer der teuersten Tasche will Rubinger nur verraten, dass er aus den Vereinigten Staaten kommt. „In dieser Sparte nehmen wir es mit der Vertraulichkeit besonders ernst. Selbst wenn uns ein Käufer erlauben würde, seinen Namen zu nennen, würden wir ihn aus Respekt vor den Mitbietern und Verkäufern nicht bekanntgeben.“ Man habe eben „extrem reiche Kunden“.
Es ist keine normale „Birkin Bag“ (benannt nach der Schauspielerin Jane Birkin), die den Besitzer wechselt. Diese Version ist nicht aus Kalbsleder, sondern aus dem schwer zu verarbeitenden Leder des Leistenkrokodils. Die rubinrote „Diamond Birkin“ hat Beschläge aus 18-Karat-Weißgold und eingelassene Edelsteine. Außer der Qualität der Materialien und des Handwerks wirkt sich auch die Verknappungsstrategie des Modehauses aus: „Weil die Herstellung so schwierig und langwierig ist, werden nur wenige hergestellt, was die Nachfrage anheizt.“ Nicht zuletzt wächst der „secondary market for high-end luxury accessories“, wie Rubinger sagt – besonders wenn es sich um langlebige Luxusgüter handelt, also eine gute Geldanlage in unsicheren Zeiten.
Bei Hermès will man den Rekordpreis nicht kommentieren – dem Luxushaus ist übergroße Öffentlichkeit fast peinlich. Man bestreitet aber, dass es eine Verknappungsstrategie aus Marketinggründen gebe. Es sei vielmehr schwer, in vierjähriger Lehrzeit Täschner auszubilden, die mit der schwierigen Textur des Krokodilleders fertig werden. Deshalb muss man meist lange auf Sonderanfertigungen warten. Eine Bestellung für Weihnachten 2012 könnte aber noch gerade so klappen.
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sverris son (sverris)
- 10.12.2011, 15:42 Uhr
Wie sich die Dinge doch so ähnlich sind
Wolfgang Kaeflein (Wokae)
- 10.12.2011, 09:37 Uhr
Münchhausen !!
Lutz Grellmann (Lumi1)
- 10.12.2011, 01:04 Uhr
Alfons Kaiser Jahrgang 1965, verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“.
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