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Berliner Modewoche „Joop!“ in neuer Form

29.01.2008 ·  Die Berliner Modewoche kommt langsam in Bewegung. Am Montagabend gab der Designer Dirk Schönberger im Olympiastadion der „Joop!“-Herrenkollektion einen vom Bauhaus inspirierten neuen Look. Die Mode in Berlin wird wirklich zum London von morgen - und bleibt nicht das Berlin von vorgestern.

Von Alfons Kaiser
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Der erste Look konnte das Publikum durchaus erschrecken: Ein Mann im schwarzen Anzug mit großem schwarzen Cape über den Schultern schritt so würdig über den Laufsteg wie ein Totengräber. Mit dem zweiten und dritten männlichen Model - ebenfalls ganz in schwarz, aber ganz anders - wich dann das Erstaunen der Neugier. Was würde dem neuen „Joop!“-Designer Dirk Schönberger noch so einfallen, um seine Herrenkollektionsideen für Herbst und Winter mit Formspielen statt mit Farbexplosionen zur Geltung zu bringen?

Genug jedenfalls, um eine weitere deutsche Marke neu zu erfinden - so wie es schon dem Designer Bruno Pieters mit der „Hugo“-Schau vom Sonntagabend gelungen war. Dieser zweite Höhepunkt am Montagabend war dringend nötig angesichts des mageren Programms der „Mercedes Benz Fashion Week“ in Berlin, die am zweiten Tag nur einen Jungdesigner-Wettbewerb und die allerdings beschwingte Schau der Strenesse-Zweitlinie „Blue“ zu bieten hatte. Auf dem Abendtermin folgte dann „Joop!“, die von Wolfgang Joop gegründete Marke, die nach dem Ausscheiden des Namengebers in die Krise glitt und nun von Schönberger wiederbelebt wird - einem der renommierten jüngeren deutschen Designer, der elf Jahre lang in Antwerpen an seinem eigenen Label gearbeitet hatte, bevor er im vergangenen Jahr zu der Hamburger Marke wechselte und nach Berlin zog.

Unterirdische VIP-Zufahrt des Olympiastadions

Die Spannung vor der Schau war auch durch den Ort des Schauspiels gesteigert worden: die unterirdische VIP-Zufahrt des Olympiastadions. Und als ob Schönberger die Nazi-Assoziationen dieser Katakomben der Vergangenheit aufrufen wollte, kamen die Models durch einen militärisch geordneten Wald leuchtender Stelen gelaufen, die im Kleinformat an die großen Lichtsäulen nationalsozialistischer Aufmärsche erinnerten. Damit nicht genug, lebte die treibende Musik von Michael Gaubert, dem besten Modenschauen-Sounddesigner, von Techno-, House- und Marschmusik. „Hugo“ im Flughafen Tempelhof, „Joop“ unter Martialmusikbegleitung im Olympiastadion: Man könnte fast erschaudern angesichts der kalten Logik, mit der die monumentale Architektur der dreißiger Jahre der ebenfalls zum Totalitarismus neigenden Mode von heute den symbolischen Resonanzraum bietet.

Aber vielleicht waren solche Gedanken nur ein Missverständnis. Als Gegengift zur dunklen Magie des Raums stellte Schönbergers Kollektionsidee nämlich das Bauhaus als bescheidene Variante der Moderne heraus, die von den Nazis pervertiert, verfemt und zerstört wurde. Schönbergers neue Sachlichkeit will dezente Akzente setzen. Die mit viel Weite versehenen Bundfaltenhosen, die breiten zweireihigen Sakkos, die Trenchcoats und weiten Mäntel, die Frackhemden mit Plissierungen ergeben sich aus geometrischen Figuren und strenger Funktionalität. Verblüffend, dass er ähnlich wie Bruno Pieters für „Hugo“ mit Formen spricht und farblich fast gar nichts sagt - abgesehen von Schwarz, Grau, Graphit, ein paar Braun- und Olivtönen sowie dem besonders im Farbverlauf schön hervortretenden bläulichen Eisen.

Wenn an diesem Dienstag Michael Michalsky - ebenfalls auf den populären Abendtermin gesetzt - mit seiner dritten Kollektion unter eigenem Namen ähnlich überzeugend auftritt, dann hätte sich die Berliner Modewoche schon wegen dieser drei Schauen gelohnt. Dass ein in Paris zu den großen jungen Modeschöpfern zählender Designer wie Bruno Pieters „Hugo“ renoviert, dass ein Absolvent der Modeschule Esmod, der in Belgien mit allen Wassern der Antwerpener Schule gewaschen wurde, „Joop!“ einen neuen Sinn gibt - das hätte man sich noch vor zwei Jahren nicht träumen lassen. Wenn das so weitergeht, wird Berlin in der Mode wirklich zum London von morgen - und bleibt nicht das Berlin von vorgestern.

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Jahrgang 1965, verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“.

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