Das sind doch gute Nachrichten im Krisenwinter: Der Winterschlussverkauf läuft gar nicht so schlecht an; die vierte Ausgabe der „Mercedes Benz Fashion Week“ in Berlin, die am Mittwochabend mit einer Schau der Boss-Linie Black im Tropenhaus des Botanischen Gartens begann, verzeichnet bis zum Sonntag immerhin Defilees von 25 Marken, zu denen auch Strenesse, Joop und Michalsky gehören; die Berliner Modeinvestoren von der „icon fashion group“ haben sich am Label „Unrath & Strano“ beteiligt und gründen, wie sie am Mittwoch mitteilten, mit Jörg Ehrlich und Otto Drögsler die neue Marke „ottoundehrlich“, die erstmals im Juli präsentiert wird; und dann kündigte am Mittwoch auch noch der Messeveranstalter Karl-Heinz Müller an, dass die größte Messe der Welt für Street- und Urbanwear, die „Bread & Butter“, aus Barcelona nach Berlin zurückkehrt.
Für Berlin, wo sich Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) von der „Kreativwirtschaft“ viel versprechen, ist das eine frohe Botschaft. Denn die letzte „B & B“ in Barcelona zog vergangene Woche 800 Aussteller und 80.000 Besucher an. Da die Messe nun vom 1. bis 3. Juli - und laut Vertrag in den nächsten zehn Jahren zwei Mal jährlich - im architektonisch bedeutenden Flughafen Tempelhof stattfindet, hofft Müller auf noch mehr Besucher und der Senat auf Kultur- und Konsumfreunde, die auch jenseits der Messestände Geld ausgeben.
Designer müssen Entwürfe eventuell noch früher fertigstellen
Für Müller ist es der zweite Berlin-Versuch. Nach drei Veranstaltungen in Köln (die den Tod der „Interjeans“ besiegelten) zog sein Unternehmen im Herbst 2002 in die Hauptstadt. Im Januar 2003 fand die erste „Bread & Butter“ im Siemens-Kabelwerk auf der Insel Gartenfeld statt - und stellte Marken wie Levi's, Lee, G-Star, Replay, Nike, Adidas, Puma aus. Kaum hatte Müller im Dezember 2003 die Halle gekauft, wurde der Ort trotz der Erweiterung auf das angrenzende Pirelli-Gelände zu klein. Auch wegen der Verkehrsprobleme im entlegenen Spandau und des schlechten Zustands der Pirelli-Hallen zog man im Sommer 2005 aufs historische Expo-Gelände mitten in Barcelona, was auch deshalb passte, weil die katalanische Stadt so jung und partyfreudig ist wie das Sportswear-Publikum. Eine Zwischenlösung in Berlin - im Vattenfall-Kraftwerk an der Köpenicker Straße - lohnte sich nicht.
Der von der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) verwaltete Flughafen Tempelhof, der im Oktober 2008 stillgelegt wurde, eröffnet der Modestadt nun nach Wowereits Worten „eine Super-Perspektive“. Dazu müsste Müllers Messe allerdings mit der Designermodemesse „Premium“ im alten Postgüterbahnhof am Gleisdreieck und der Modewoche am Bebelplatz koordiniert werden. Für diese Veranstaltungen wäre Anfang Juli wegen der Kollektionsvorbereitung sehr früh (die Schauen in Mailand zum Beispiel finden erst im September statt). Noch am Mittwoch verhandelte Müller daher mit „Premium“ und der Modewochenagentur IMG. Könnte sein, dass die Designer ihre Entwürfe nun noch früher fertigstellen müssen. Auch das muss keine schlechte Nachricht sein für die Modestadt Berlin.