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Mobbing Wenn die Arbeit zum Albtraum wird

09.08.2002 ·  Von Psychoterror am Arbeitsplatz sind rund 800.000 Menschen betroffen. Doch die wenigsten von ihnen wissen, wie sie sich wehren sollen.

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Die Ursachen kennt niemand genau, und Hilfe zu bekommen ist mehr als schwierig. Meist sehen Chefs wie Betriebsräte hilflos zu, wenn eine ganze Abteilung auf einem ehemals beliebten Kollegen herumhackt und ihm mit kleinen Gemeinheiten das Leben langsam aber sicher zur Hölle macht. Auch der Gemobbte selbst kann kaum fassen, was ihm geschieht.

Ohne Hilfe von außen stehen die Chancen schlecht, den Betriebsfrieden wieder herzustellen, sagt der Frankfurter Psychotherapeut und Konfliktberater Gerrit Grahl.

Das typische Opfer gibt es nicht

Mobbing bedeutet, dass ein Mitarbeiter von seinen Kollegen über einen längeren Zeitraum hinweg systematisch erniedrigt, gedemütigt und schikaniert wird. Das kann damit beginnen, dass jahrelang alle zusammen zu Mittag gegessen haben, plötzlich aber einer immer alleine dasteht. Oder dass die Kollegen die Heizung herunterdrehen, sobald ihre ohnehin leicht frierende Mitarbeiterin den Raum verlässt. Später sind selbst kriminelle Handlungen keine Seltenheit, wichtige Unterlagen oder Computerdateien verschwinden, Autos werden zerkratzt.

Unterschieden wird dabei zwischen den Tätern, dem Geschädigten und den übrigen Kollegen, die als Mitläufer zwar nicht aktiv mobben, das Mobbing aber auch nicht verhindern. Den typischen Täter oder Geschädigten gibt es nicht. Männer wie Frauen jeden Alters mobben oder werden gemobbt. Auch Chefs sind nicht gefeit, rund jeder sechste Mobbing-Geschädigte ist eine Führungskraft, wie Grahl sagt. Oft waren die Geschädigten über Jahre oder sogar Jahrzehnte beliebte Mitarbeiter, weil sie mehr gearbeitet haben als die anderen und stets die unangenehmen Aufgaben übernahmen. Mit einem Mal heißt es, der fleißige Kollege erledigt nur deshalb die unangenehmen Aufgaben, weil er sich für die normale Arbeit zu schade ist.

Die Ursache bleibt rätselhaft

Niemand weiß, wie und warum eine solche Situation entsteht, die schließlich im alltäglichen Psychoterror endet. Selbst Wissenschaftler rätseln über die Ursachen, sagt Schorlemer. Sicher sei nur, dass der Geschädigte sich ohne fremde Hilfe nicht zur Wehr setzen kann. Arbeitet er fortan weniger, heißt es, er sei faul. Wenn er aus Trotz oder Angst noch mehr arbeitet, verstärkt sich die Feindseligkeit. Hilfe zu suchen gelingt den Betroffenen meist erst nach Jahren, wenn überhaupt.

Die Geschädigten fühlen sich als Opfer und geben sich selbst alle Schuld. Sie leiden unter Magengeschwüren, Sehstörungen, schweren Depressionen, Antriebs- oder Schlaflosigkeit und neigen zu Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch. Doch Chefs und Betriebsräte sind nach wie vor viel zu wenig mit dem Thema Mobbing vertraut, kritisiert Grahl. Gerade jüngeren Vorgesetzten falle es schwer, offen zu bekennen, dass es in ihrer Abteilung ein für sie unlösbares Problem gebe.

Kein Straftatbestand

Neben der nötigen Sensibilität der Arbeitgeber fehle es beispielsweise an Anti-Mobbing-Paragrafen in Betriebsvereinbarungen; zudem sei Mobbing kein Straftatbestand. Dabei schadet eine Abteilung, in der gemobbt wird, auch den Unternehmen selbst - wegen monatelanger Krankschreibungen und Unproduktivität auf Grund des schlechten Klimas. Der von Mobbing verursachte volkswirtschaftliche Schaden wird pro Jahr auf bis zu 50 Milliarden Euro geschätzt.

http://www.frankfurter-therapiezentrum.de

http://www.bma.de/

http://www.dgb.de/themen/mobbing/mobbing.htm

http://www.igmetall.de/

Quelle: AP
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