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Mobbing Erste Hilfe für Arbeitnehmer

09.08.2002 ·  Wenn Menschen zu Mobbingopfern werden, kann sich ihr ganzes Leben ändern, sagt der evangelische Pfarrer Ludwig Rieber, der die „Mobbing-Line NRW“ mitbetreut.

Von Nicole Lange, AP
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Rund 26.000 Anrufe sind bei der „Mobbing-Line NRW“ in den ersten fünf Monaten nach ihres Starts im Februar eingegangen. Etwa 300 Anrufer melden sich pro Woche unter der Notrufnummer, wie das nordrhein-westfälische Arbeitsministerium berichtet. Wenn Menschen zu Mobbingopfern werden, kann sich ihr ganzes Leben ändern, sagt der evangelische Pfarrer Ludwig Rieber, der die Mobbing-Line mitbetreut.

Rieber schildert den Fall eines 53-jährigen Arbeiters in einem Großunternehmen, der über die Mobbing-Line Rat suchte. Jahrelang sei er gut klargekommen. „Jetzt werde ich von meinem Vorgesetzten nur noch kritisiert, und er gibt mir das Gefühl, dass ich meinen Aufgaben nicht mehr genüge“, habe der verzweifelte Mann erklärt. Der Mobbing-Experte riet dem Arbeiter, mit dem Betriebsrat Kontakt aufzunehmen.

Eine Demütigung

Ein weiterer typischer Fall ist laut Rieber der einer Angestellten des Öffentlichen Dienstes, die sich gegen die Macho-Anmache eines Vorgesetzten zur Wehr setzte. „Ich war immer sehr kämpferisch und habe mir nie etwas gefallen lassen“, habe die 35-Jährige über sich selbst gesagt. Als ihr Vorgesetzter auf ihre Beschwerde hin eine Abmahnung erhielt, sei sie sehr zufrieden gewesen. Dann aber wurde ein Vertrauter des Abgemahnten neuer Chef, und für die Frau begann ein Spießrutenlauf. Ihre langjährigen Aufgaben seien ihr entzogen worden. „Jetzt muss ich wechselnde Tätigkeiten verrichten“, habe die Frau geklagt. Sie fühle sich „gedemütigt“.

Gefahr auch für die Ehen der Betroffenen

Wenn er das Gefühl habe, dass die Erlebnisse im Betrieb großen Einfluss auf das ganze Leben des Betroffenen haben, gebe er nicht nur die Nummern und Kontaktadressen von Beratungsstellen oder Anwälten weiter, sagt Rieber. „Wenn die Gesundheit angegriffen ist, muss auf jeden Fall auch ein Arzt eingeschaltet werden.“ Schließlich könnten auch starke körperliche Beschwerden Folgen von Mobbing sein. Wackle sogar schon die Ehe des Betroffenen, könne auch eine Lebensberatung ratsam sein.

Der Diplom-Psychologe Andreas Saßmannshausen, ein weiterer Mitarbeiter bei der Mobbing-Line, unterscheidet zwei Typen von Anrufern. „Manche wollen nur konkrete Ansprechpartner und Adressen. Andere erzählen gleich ihr ganzes Problem und sind froh, wenn sie es losgeworden sind. Sie wollen erst bestätigt wissen, ob sie überhaupt in einer Mobbing-Situation sind.“ Gemeinsam sei den meisten Anrufern, dass am Anfang die Arbeit „riesig viel Spaß gemacht hat.“ Erst allmählich setzten dann die verschiedenen Formen des Mobbing ein. Oft äußerten die Anrufer die Angst: „Man will mich aus dem Betrieb herausschießen.“

Die Hotline wird betreut von den Bistümern Aachen und Essen, der evangelischen Kirche im Rheinland und von Westfalen sowie der AOK Rheinland. Die Mobbing-Line ist montags bis donnerstags von 17 bis 20 Uhr unter 01803-100 113 zu erreichen, die Beratung kostet neun Cent pro Minute

http://www.gesuender-arbeiten.de

Quelle: AP
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