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Mobbing : „Der Hass hat meiner Musik und mir gutgetan“

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Weiß, was Demütigung bedeutet: Sierra Kidd Bild: Pein, Andreas

In der Schule war er das Opfer, inzwischen ist er 17 und ein erfolgreicher Musiker: Der Rapper Sierra Kidd über Mobbing, das Versagen von Vertrauenslehrern und darüber, wie er schließlich doch zu Selbstvertrauen fand.

          Seine Schulzeit war ein Albtraum. Über Jahre wurde Manuel Jungclaussen von Mitschülern in einer Emdener Schule gemobbt. Er ließ sich eines Tages sogar die Hand brechen, um nicht mehr auf den Schulhof zu müssen und Prügel zu kassieren. Inzwischen ist der Junge 17, nennt sich Sierra Kidd und reüssiert als Rapper. Begonnen hat seine Karriere mit dem Track „Kopfvilla“, den er 2013 bei Youtube hochlud; sein Debütalbum „Nirgendwer“ stieg im Juli auf Platz 6 der Charts ein. Am 20. September tritt er bei Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“ für das Land Niedersachsen an.

          Qualen

          Die haben mich oft vor der Schule mit dem Kopf gegen die Scheibe geschlagen, bis ich geblutet habe. Ich habe dann viel geschwänzt und saß deshalb manchmal beim Rektor. Er hat mich gemocht, aber nichts unternommen. Und die Lehrer? Die hätten einfach mal sagen sollen: Komm, wir gehen in die Klasse und regeln das. Stattdessen hieß es: Warte noch zwei Jahre. Zwei Jahre immer verprügeln lassen, immer mit blauen Flecken nach Hause, immer meine Mutter weinen sehen?

          Lachnummer

          Ich war seit der zweiten Klasse die Lachnummer der Schule. Meine Mutter ist alleinerziehend, ich habe sechs jüngere Geschwister. Wir haben damals ein Haus in einem besseren Viertel geerbt, sind voller Erwartungen eingezogen, waren dann aber die Außenseiter. Das Fremde ängstigt die Menschen. Deshalb reicht Anderssein völlig aus, um gemobbt zu werden. Ich hatte andere Klamotten, habe anders geredet, über andere Sachen nachgedacht. Außerdem bin ich Einzelgänger. Aus diesen Gründen wurde ich fertiggemacht - bis zu dem Tag, an dem ich meinen Plattenvertrag hatte und mich mein Manager von der Schule abgeholt hat.

          Ausweg

          Wegen Mobbing habe ich mehrfach die Schule gewechselt. Meinen Realschulabschluss habe ich schließlich an der Osterburgschule in Emden gemacht. Die Schulwechsel waren aber wirkungslos. In einer Großstadt kann das helfen, doch in der Kleinstadt spricht sich alles rum. Einmal das Opfer, immer das Opfer. Das Einzige, was du dort tun kannst, ist, den andern die Stirn zu bieten: Du musst aufstehen und sagen: Hey Jungs, ihr macht das jetzt die ganze Zeit, also schlagt mich doch, ich steh’ doch jetzt hier. Dann heule ich, gehe nach Hause, und dann wisst ihr, was ihr mir damit antut. Und sie werden dich nicht angreifen, wenn du ihnen vor Augen hältst, wie scheiße es dir wegen ihnen geht. Ich habe das nicht getan, aber ich habe Leuten dazu geraten, es so zu machen. Alle haben mir danach geschrieben, dass es geklappt hat und es ihnen jetzt besser geht. Es ist ja keine Schande, die eigene Schwäche einzuräumen, denn natürlich verliert einer gegen fünf.

          Wenn du eine Ohrfeige bekommst, schau nicht auf den Boden, sondern steh auf und sag: Wo ist dein Problem? Dann wird er lachen. Du sagst dann: Alter, ich habe keine Chance gegen dich. Guck mal, wie stark du bist, guck mal, wie viele Freunde du hast. Ich bin allein, und du willst mich schlagen? Dann wird er merken: Es bringt mir nichts, wenn ich einen Schwachen verprügle.

          Misstrauenslehrer

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