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Mittwittern Diese Debatte sprengt jedes Dirndl

Wer war auch schon ein Brüderle? Fünf Redakteurinnen und Redakteure twittern mit in der Diskussion über Sexismus und Belästigung - auch wenn sie mit 140 Zeichen nicht auskommen.

© dpa Vergrößern Nicht zuletzt durch Twitter ist aus den „Herrenwitz“ Rainer Brüderle eine Diskussion über Sexismus geworden

@autorin1 Männer sagen gelegentlich blöde Dinge. Frauen leider auch. Ich habe einem Autor mal gesagt, sein Text wäre chauvinistisch. Das tut mir im Nachhinein leid, denn darüber war der Autor wohl mindestens so verletzt wie ich über seine Art, herablassend über Frauen zu schreiben. Trotzdem, Arroganz ist eine schreckliche Eigenschaft, und abschätzige Kommentare, die sich auf das Geschlecht einer Frau reduzieren, sind so ziemlich die widerlichste Form von Arroganz. Sie macht mich wütend. Tja, da schießt es also aus mir heraus, heute, gestern vor 12 Jahren: Ein Freund meines Vater zu mir mit Blick auf meinen, zugegeben, ziemlich leeren Teller: „Wenn du so wenig isst, können deine Brüste nie wachsen.“ Kurzes Überlegen und ein Blick auf seinen ziemlich vollen Teller. „Und wenn Sie so weitermachen, platzen Sie bald.“ Der Freund des Vaters, übrigens selbst Vater von zwei Mädchen, ist ziemlich korpulent. Das war also fies. Entschuldigung. Manchmal sagen Frauen halt so blöde Dinge.

@autor1 Ich war auch schon ein Brüderle. Will sagen: Auch ich habe sicher hin und wieder einer Frau etwas gesagt, was ich für charmant und gewinnend hielt, was sie aber zu Recht als unpassend und herabsetzend empfand. Ich bin aber einigermaßen sicher, dass ich dabei nicht so klebrig war wie Ich-war-Minister-für-Wirtschaft-und-Verkehr-ha-ha-Brüderle und dass ich daraus keine Gewohnheit gemacht habe. „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen“ ist ein Satz, der auch mal ein echtes Kompliment sein kann, in ganz wenigen Momenten - ganz sicher aber nicht, wenn ein Politiker mit einer Journalistin redet. Aber die Geschlechterbeziehungen sind ein Minenfeld, und Männer sind manchmal Kretins. Zum echten Problem wird so etwas, wenn sich darin statt einer wie auch immer verkorksten Erotik nur Macht abbildet: Baby, ganz offen darf ich es ja nicht sagen, aber ich könnte dich haben; ich verfüge über dich. Ich hatte auch angenommen, dass sich das Problem mit Altherren, die Altherrenwitze erzählen, biologisch lösen würde, aber das war zu optimistisch, wie ich sehe. Vielleicht, weil Anzüglichkeiten früher ein Ventil für eine repressive Sexualmoral waren, heute aber Ventil für eine hypersexualisierte Kultur sind. Ich bin kein Freund der Frauenquote, aber vielleicht müssen Männer tatsächlich an noch mehr wichtigen Orten unserer Gesellschaft - in Vorstandsetagen, an Hotelbars nach Parteitagen - auf noch mehr Frauen treffen, um zu lernen, was sich gehört und was nicht.

@autorin2 Auf die Gefahr hin, dass mich jetzt alle weiblichen Leser hassen werden: Ich kann nichts Schlimmes dabei finden, dass manche Männer uns Frauen ab und an mal schlüpfrige Dinge zuflüstern. Der Spruch „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen“ gehört für mich in die Kategorie schlüpfrig, ebenso wie der Spruch: „Mir ist heute so heiß, liegt das an der Temperatur hier im Raum oder an etwas anderem?“, dem ich mich, um den aktuellsten zu nennen, kürzlich ausgesetzt sah - begleitet von einem vieldeutigen Zwinkern. Ich kann bei so was nur die Achseln zucken und denken: Hab schon bessere Komplimente gehört. Aber belästigt würde ich mich durch so etwas niemals fühlen. Diese Männer wollen einem doch lediglich sagen, dass sie einen scharf finden. Sie vertun sich dabei in der Form, aber es bleibt doch dabei: Sie signalisieren sexuelles Interesse. Und das zeigt mir, dass ich ihnen gefalle. Ich fühle mich jedenfalls nicht gleich als Sexualobjekt, nur weil ein Mann nicht gelernt hat, was politically correct ist. So leicht lass ich mich nicht degradieren. Nein, der Mann ist derjenige, der sich schlecht fühlen sollte - weil er mir leid tut. Er, der arme Tropf, der nicht smart genug ist, um mich auf charmante Art auf sich aufmerksam zu machen!

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