23.08.2012 · Sie wollte doch nur ein gutes Werk tun: Weil das Christusgemälde in der Dorfkapelle nicht mehr gut aussah, griff die Spanierin Cecilia Giménez zum Pinsel. Nach der Restaurierung aber war das alte Bild nicht wiederzuerkennen - und die Hobby-Malerin wurde zum Gespött der ganzen Welt.
Von Paul Ingendaay, MadridRichtlinien für Lesermeinungen
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So könnte es also sein, dass Cecilia Giménez, [...] zu hohen Ehren und überraschendem Ruhm kommt.
Wieso "könnte"? Sie IST bereits zu hohen Ehren und
überraschendem Rum gekommen! Oder wann in der Kunstgeschichte haben
sich zuvor schon einmal so viele Menschen in so kurzer Zeit mit einem
Gemälde auseinandergesetzt ... und vor allem so viel Spaß
gehabt? Ich behaupte: Die "Venus von Willendorf" kennen
weniger Menschen als bereits heute "Ecce mono"!
... und Kunst kommt nicht von Können: Cecilia Giménez ist
mit Ihrem Kunstwerk Ecce mono der Beweis dafür!
»Gespött der Welt« vs Urheberin eines Weltlachens
Cecilia Giménez gerät nicht »zum Gespött der
Welt«. Welch ein unreflektierter Unsinn. Ihr ist gelungen, der
Welt ein befreiendes und befreites Gelächter zu entlocken. Welcher
der Spötter dieser frommen alten Dame hat das je vollbracht?
Wenn Cecilia Giménez' Händen - ob freiwillig oder
unfreiwillig - ein die Welt erheiternder Art Brut-Ecce Homo gelungen
ist, ist das sehr berichtenswert. Das könnte anmaßungsfreien
Nachrichtenprofis auch ohne Entwürdigung einer alten Frau gelingen.
Solche Überlegenheitsgesten fallen in aller Regel den Autoren
tonnenschwer auf die Füße.
N. b. sind schon bedeutendere Kunstwerke mit belangloseren und
uninspirierteren Bildern übermalt worden.
zuerst *Lachtränen abtrocknen*
dieses köstliche Beispiel zeigt sehr anschaulich, wie leicht man
sich selbst überschätzt und die Fähigkeiten anderer
unterschätzt.
Ich würde, wenn es meine Kirche wäre und ich nicht beliebig
viel Geld hätte, einen ganz normalen Künstler in meiner
Gemeinde (den gibt es ganz sicher) fragen, ob er das alte schöne
Gemälde wieder malen möchte, zu einem ganz normalen Stundenlohn.
durchaus eine nette Begebenheit,
aber wie in 'Herrgottes'namen hat es diese Belanglosigkeit in die internationalen Medien geschafft?
Wieso eigentlich bloß „Trashkultur“ ? Ist nicht die Grenzziehung längst bloße Formalität geworden?
Zitat: „So könnte es also sein, dass Cecilia Giménez,
die bisher mit ihren HobbyArbeiten keine besondere Anerkennung gefunden
hat, im Zeichen der Trashkultur zu hohen Ehren und überraschendem
Ruhm kommt.“
Wieso eigentlich bloß Trashkultur? Die FAZ schreibt doch auch
schon darüber! Wäre die Übermalung etwa von Meeze,
würde die Kunstwelt jubeln und die Sache mindestens nach Kassel und
auf die Documenta bringen. Für die Kunstfonds und die Kunstanleger
wäre es ein Millioneninvestment und unseren Kuratoren und
Kunsthistorikern gäbe es Gelegenheit für seitenlange
Jubelbetrachtungen in unseren Kunstzeitschriften, wo man es zum
wichtigen Ausdruck unserer Gegenwart erklären würde etc., etc.
Der Kunstmarkt hat lediglich versäumt, die Dame vorher zur Marke
aufzubauen. Deshalb erklärt er eilig, es wären bloß
„Hobbyarbeiten“ und „Trashkultur“, obwohl es
doch, vom Werk her gesehen, gar keinen Unterschied zu den
Markenprodukten des heutigen Kunstbetriebs gibt.
ich hatte vor Lachen tränen in den Augen! Es ist zwar moralisch schwer zu erklären, warum die Verunstaltung von historischen Kunstwerken amüsant sein soll. Aber mal ehrlich, wer hatte beim lesen des Artikels nicht zumindest ein Lächeln im Gesicht? Dies gehört klar in die Kathegorie: "Die besten Geschichten schreibt das Leben". Endlich mal etwas zum schmunzeln in Zeiten der Eurokrise und des Syrienkonflikts. Herrlich!
Die gute Frau ist wohl Darwinistin
Ist doch mal eine ganz unverkrampfte Interpretation. Kauf ich!
Man soll ehrlich sein: das Original gehört in eine grausliche
weltentschwebte Tradition, akademisch und geistlos. Das neue Original
ist quasi art brut und von der geistigen Ausstrahlung liebenswert,
irdisch. Es mag aussehen wie ein Affe. Spötter am Christentum
freuen sich wie Kinder über ein neues Spielzeug angesichts der
dadurch möglichen Polemik. Nun, wenn sie es denn nötig haben,
sich gegenüber anderen Primaten abzugrenzen...
Die Sache hat einen Clou! Wir leben in einer Zeit, die die Natur nicht
mehr als Feind des Menschen sieht, den er sich zu unterwerfen habe. Das
Tier ist Gefährte und nicht mehr Sklave- jedenfalls gedanklich. Und
jetzt hat jemand mit einer gewissen Tolpatschigkeit Christus, den Sohn
Gottes in dieses Zwielicht gestellt. Das ist, mit Verlaub, unbewusst genial!
Philosophisch stellt sich immer mehr die Frage nach einer Ethik bei
Primaten, Mitfühlen u. Lachen sind nachgewiesen. Wir selbst sind
biolog. nichts anderes als eine tierische Spezies.
jeder hat ja seinen eigenen kunstbegriff. kunst kommt von können,
sagen viele. und besagte hobby-malerin kann es offenbar nicht.
ja, gut möglich. aber ihr "verhunztes" werk ist trotzdem
toll. nicht weil es gut aussieht, sondern weil es eine geschichte
erzählt. dieses bild regt zu gesprächen an, es ist ein sehr
persönliches statement über das verhältnis einer frau zu
ihrer kirche. außerdem reden wir hier über das bild von
jemandem, der sich wohl nie darum gekümmert hat, ob andere mit
seinem aussehen zufrieden sind.
jemand malt also sein eigenes jesus-bild. etwas unorthodox eben. ich
musste trotzdem lächeln.
weit mehr Besucher als je zuvor...
... werden jetzt in diese Klosterkirche pilgern, wenn man hoffentlich !! das total verhunzte Bild so lässt wie es ist. Aus künstlerisch restauratorischer Sicht natürlich eine Katastrophe, aber als PR-Gag für diese Kirche und als Mittel, das Lachen in der Welt zu vermehren - Lachen macht gesund - , kaum zu übertreffen. Ich habe micht echt schlapp und Tränen gelacht, vor allem als ich das Interview dazu auf euronews gesehen habe, wo sich die gute Frau vehement versucht zu rechtfertigen... ein absoluter Brüller. Wann hat man je so viel Spaß in der Kirche gehabt?
Paul Ingendaay Jahrgang 1961, Feuilletonkorrespondent für Spanien und Portugal mit Sitz in Madrid.
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