18.09.2004 · In Santa Maria traf Michael Jackson auf die Frau, die ihn am schwersten belastet hat. Im Beisein seiner Familie hörte der Popstar zu, wie sein Anwalt die Mutter seines angeblichen Opfers einem scharfen Verhör unterzog.
Der Popmusiker Michael Jackson ist am Freitag der Mutter seines jugendlichen Anklägers gegenübergetreten, die ihn einst als „den Teufel“ beschimpft hatte. Es war die erste Begegnung der Kontrahenten seit Jacksons Festnahme wegen Kindesmißbrauchs im vergangenen Jahr.
Der ganz in weiß gekleidete Popstar war als Zuschauer im Gericht von Santa Maria (Kalifornien), wo die 36jährige Frau von Jacksons Anwalt ins Kreuzverhör genommen wurde. Während der Sänger die Frau anstarrte, wich sie seinen Blicken aus, berichteten amerikanische Medien. Die Mutter, die vor Beginn der Anhörung ein Kreuzzeichen machte, gab zu Protokoll, daß sie die Vorladung „als eine weitere Quälerei“ für ihre Kinder empfinde.
Scharfe Fragen des Anwalts
„Jane Doe“, so ihr juristischer Schutzname, antwortete meist ausweichend und zögerlich auf die scharfen Fragen von Anwalt Thomas Mesereau. Das Verhör drehte sich darum, ob die Mutter wußte, daß ein Privatdetektiv für Jacksons Anwalt tätig war, als bei einer umstrittenen Razzia in dem Detektivbüro ein wichtiges Videoband von Ermittlern beschlagnahmt wurde.
Das Jackson-Team möchte vor Gericht erwirken, daß Gegenstände, die in dem Büro und auf Jacksons Neverland Ranch konfisziert wurden, nicht als Beweismittel beim Prozeß zugelassen werden. Mesereau wollte auch die Glaubwürdigkeit der Mutter des jetzt 14jährigen Klägers in Frage stellen, hieß es in Medienberichten. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, Jackson habe den Jungen im vergangenen Jahr mehrfach sexuell mißbraucht und ihn dafür unter Alkohol gesetzt, stützen sich zu einem großen Teil auf ihre Aussagen.
Alle fünf Geschwister dabei
Knapp 100 Fans bereiteten Jackson und seinen fünf Geschwistern, darunter Janet und La Toya, einen jubelnden Empfang. Nach über dreistündigen Anhörungen verließ der Popstar unter einem schwarzen Sonnenschirm das Gericht. Mesereau verlas zuvor eine lange Erklärung seines Mandanten. Jackson bedauert es, in zwei früheren Fällen Zahlungen geleistet zu haben, um mögliche Klagen angeblicher Opfer abzuwehren. Mit Rücksicht auf seine Karriere und unter dem Druck der Plattenindustrie habe er sich damals Ruhe erkaufen wollen.
Der Sänger hätte statt dessen gegen die „lächerlichen“ Anschuldigungen „bis zum bitteren Ende“ kämpfen sollen, um seine Unschuld zu beweisen, so Mesereau. Es war die bis jetzt deutlichste Reaktion des Jackson-Teams auf die seit Monaten zirkulierenden Spekulationen über die frühere Zahlung von Schweigegeldern an angebliche Sexopfer in Millionenhöhe. „Michael Jackson würde niemals einem Kind Schaden zufügen.“
Auch die jüngsten Vorwürfe von sexuellem Mißbrauch seien falsch, erklärte der Anwalt. Bei einem früher aufgezeichneten Polizeiverhör, das jetzt von der amerikanischen Show „The Insider“ ausgestrahlt wurde, gibt die Mutter an, sie sei mit ihren Kindern von Gott auserwählt worden, Jackson vor Gericht zu bringen. Sie habe sich von dem Popstar eingeschüchtert und bedroht gefühlt, erklärt die Frau in dem Video. Der Prozeß gegen Jackson soll am 31. Januar beginnen. Er hat die Anschuldigungen zurückgewiesen und erklärt, er sei Opfer einer Rufmordkampagne. Die nächste Anhörung vor Gericht wurde auf den 14. Oktober festgesetzt.