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Missbrauch an Jesuitenschulen : Bistum gibt Fehler im Umgang mit Pater zu

Am Canisius-Kolleg in Berlin soll es rund 20 Missbrauchsfälle gegeben haben Bild: APN

Im Missbrauchsskandal an Jesuiten-Schulen hat das Bistum Hildesheim eingeräumt, im Fall eines Paters nicht konsequent gewesen zu sein. Derweil prüft die Staatsanwaltschaft, ob die Vorfälle der siebziger und achtziger Jahre verjährt sind. Dies sei mit großer Wahrscheinlichkeit der Fall, sagte ein Sprecher.

          Das Bistum Hildesheim hat Fehler im Umgang mit einem der beiden Patres eingestanden, die mehrere Jugendliche in den siebziger und achtziger Jahren sexuell missbraucht haben sollen. Pater Peter R. war nach seiner Zeit am Berliner Canisius-Kolleg, an dem er von 1972 bis 1981 unterrichtete, von 1982 bis 2003 mit Unterbrechungen als Seelsorger im Bistum Hildesheim tätig. Nach Bekanntwerden erster Vorwürfe sei dem Pater 1993 die Jugendarbeit verboten worden. Dieses Verbot sei aber nicht konsequent durchgehalten worden, teilte das Bistum mit. 1997 sei Peter R. nach dem Vorwurf weiterer sexueller Belästigungen nach Wolfsburg versetzt worden. 2003 wurde er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzt und zog nach Berlin. „Aus heutiger Sicht haben wir die Vorwürfe zu wenig ernst genommen und die Tragweite der weiteren Entwicklungen eindeutig unterschätzt“, sagte der damalige Bischof Josef Homeyer. Er bedaure dies zutiefst.

          Marie Katharina Wagner

          Redakteurin in der Politik.

          Das Bistum prüfe derzeit, ob der Pater im Bistum Hildesheim weitere Menschen sexuell missbraucht habe. Derzeit seien zwei Fälle bekannt. Im Oktober 1993 habe eine Mutter den damaligen Bischof Homeyer informiert, dass der Pater ihre 14 Jahre alte Tochter unsittlich berührt habe. 1997 wurden Peter R. Unregelmäßigkeiten in seiner Amtsführung sowie weitere sexuelle Belästigungen vorgeworfen, daraufhin wurde er versetzt. Zum Zeitpunkt seiner Einstellung in Niedersachsen sei dem Bistum nichts über etwaige Verfehlungen des Priesters bekannt gewesen. Von 1982 an war er zunächst in Göttingen eingesetzt. Es habe damals eine Messerattacke auf den Pater gegeben. Zu Mutmaßungen, dass ein ehemaliger Jesuitenschüler der Täter war, wollte sich der Sprecher nicht äußern.

          Komplizierte Rechtslage

          Der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, sagte dieser Zeitung, juristisch seien die Missbrauchsfälle der siebziger und achtziger Jahre am Berliner Canisius-Kolleg wahrscheinlich nicht mehr aufzuarbeiten. Sie seien inzwischen mit großer Wahrscheinlichkeit verjährt. Die Staatsanwaltschaft prüfe das derzeit noch. Auch Vorwürfe an damalige Verantwortliche des Jesuiten-Ordens, der nach derzeitigen Erkenntnissen schon 1991 durch Hinweise des Paters Wolfgang S. von dessen Taten gewusst haben könnte, seien heute aus juristischer Sicht nicht mehr relevant. Die Rechtslage sei besonders kompliziert, da das Sexualstrafrecht seit den siebziger Jahren vielfach geändert worden sei, für die Aufklärung aber die Gesetzeslage zum Tatzeitpunkt gelte.

          Wegen mutmaßlicher Übergriffe hat auch die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen Übergriffe von Wolfgang S. im Jesuiten-Kolleg in Sankt Blasien im Schwarzwald ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Am Dienstag äußerte sich der Vatikan zu den Vorwürfen. Die Führung der katholischen Kirche sehe die Bitte um Entschuldigung, wie sie der oberste deutsche Jesuit Stefan Dartmann vorgebracht habe, als „umfassend“ an, sagte ein Sprecher des Vatikans. Er werde sich daher nicht noch in einer eigenen Stellungnahme äußern. Dartmann hatte sich am Montag bei den Opfern für die Taten und für die unterlassene Hilfe der Verantwortlichen entschuldigt.

          Die scharfe Verurteilung des sexuellen Missbrauchs von Schülern an drei deutschen Jesuiten-Gymnasien wird auch vom Vatikan unterstützt. Der Vatikan sehe die Bitte um Entschuldigung, wie sie der deutsche Jesuiten-Chef Stefan Dartmann in dem Missbrauchsskandal vorgebracht hat, als „umfassend“ an, erklärte Vatikan-Sprecher Pater Ciro Benedettini am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er werde sich daher nicht noch in einer eigenen Stellungnahme äußern, sei aber in „völliger Übereinstimmung“ mit dem, was Dartmann dazu gesagt habe. Dartmann hatte sich am Montag im Namen des gesamten Ordens bei den „Opfern von Übergriffen unserer ehemaligen Mitbrüder“ entschuldigt.

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