18.09.2008 · In China ist noch immer vergiftetes Milchpulver in Umlauf. Inzwischen wurde die Chemikalie Melamin sogar in Milch sowie Joghurt, Eis und anderen Milchprodukten des Olympia-Lieferanten Yili gefunden, auch in Hongkong. Vier Kleinkinder starben bisher.
Der Milchpulver-Skandal in China zieht immer weitere Kreise. Nachdem bereits vier Säuglinge an verseuchtem Milchpulver starben, wurde das giftige Melamin nach Angaben vom Donnerstag nun auch in mehreren Milchprodukten und in gewöhnlicher Flüssigmilch gefunden. Das chinesische Fernsehen berichtete, Milch von drei der größten Milchproduzenten des Landes sei betroffen.
In Hongkong wurde Melamin in Joghurt, Eis und anderen Milchprodukten des Olympia-Lieferanten Yili gefunden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte die chinesische Regierung auf, zu klären, warum der Skandal erst jetzt bekannt wurde.
Die Behörden hatten wegen des in Milchpulver von 22 Herstellern gefundenen Melamins eine umfassende Untersuchung aller chinesischen Milchproduzenten und Milchprodukten angeordnet. Dabei seien Spuren von Melamin in einigen Produkten der Firmen Mengniu, Yili und Guangming entdeckt worden, berichtete das Staatsfernsehen CCTV in den Abendnachrichten unter Berufung auf die Behörde für Qualitätskontrolle. Es handelt sich um drei der größten Milchproduzenten des Landes.
Kein Verkaufsverbot
Auch in der Sonderverwaltungszone Hongkong wurde Melamin in Yili-Produkten gefunden. Die Chemikalie sei in acht von 30 Produkten des chinesischen Herstellers nachgewiesen worden, sagte die Leiterin der örtlichen Behörde für Lebensmittelsicherheit, Constance Chan. Sie forderte das Unternehmen auf, die Produkte aus den Regalen zu nehmen. Ein Verkaufsverbot ordnete sie jedoch nicht an.
„Wir haben den Importeur aufgefordert, die verseuchten Produkte nicht mehr zu verkaufen und all seine in Hongkong verkauften Molkereiprodukte zurückzunehmen“, sagte Chan. Die Bevölkerung rief sie auf, keine Produkte des Herstellers zu kaufen. Ihre Behörde prüfe auch die Produkte anderer Firmen, fügte sie hinzu. In den kommenden Tagen würden die Ergebnisse erwartet.
Milchprodukte während Olympiade sicher
Wellcome und Park'n'Shop teilten mit, sie hätten alle Yili-Produkte aus den Regalen genommen und würden Kunden entschädigen, die diese Produkte gekauft hätten. Ein Vertreter der Firma Yili in Hongkong sagte dem Radiosender RTHK, sein Unternehmen habe sämtliches in Hongkong verkauftes Speiseeis zurückgezogen. Yili war offizieller Lieferant der Olympischen Spiele in China. Das Unternehmen hatte am Mittwoch betont, die zu der Sportveranstaltung gelieferten Milchprodukte seien sicher gewesen.
Der vierte Todesfall ereignete sich in der westchinesischen Provinz Xinjiang, wie die dortige Regierung am Donnerstag mitteilte. Chinas Gesundheitsminister Chen Zhu hatte erst am Mittwoch den Tod dreier Babys bestätigt, zwei davon im nordwestlichen Gansu und eines im östlichen Zhejiang. Sie starben durch das vergiftete Milchpulver an Nierenversagen. Nach den jüngsten offiziellen Angaben erkrankten 6244 Kinder an verseuchtem Milchpulver. Das Pulver war mit der Chemikalie Melamin gepanscht worden, um einen höheren Protein-Gehalt vorzutäuschen.
WHO verlangt Auskunft
Die WHO forderte China auf, herauszufinden, warum der Skandal monatelang unbemerkt bleiben konnte. Der WHO-Vertreter in China, Hans Troedsen, lobte zwar das Krisenmanagement der Regierung seit dem Bekanntwerden des Skandals vergangene Woche. Peking müsse aber herausfinden, „ob es Absicht war oder Unkenntnis“, dass die Öffentlichkeit erst Monate nach dem ersten Auftreten von Krankheitsfällen bei Babys von dem verseuchten Pulver erfuhr.
Melamin in Lebensmitteln - etwas Neues?
Werner Richter (WR71277)
- 21.09.2008, 23:53 Uhr