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Berichte über Belästigungen : „Wir hätten schon lange handeln müssen!“

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Die Schauspielerin Alyssa Milano im Juli bei einer Demonstration auf dem Times Square in New York – sie hat Twitter-Nutzerinnen aufgefordert, den Hashtag metoo zu benutzen. Bild: Reuters

Im Zuge des Skandals um Harvey Weinstein fordert die Schauspielerin Alyssa Milano Frauen dazu auf, im Internet unter #MeToo über ihre Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen zu berichten. Hunderttausende sind ihrem Aufruf gefolgt.

          Zwei kleine Worte sollen die Dimension eines großen Problems verdeutlichen. „Ich auch“ lauten die Worte, das Problem lautet: Sexuelle Übergriffe. Die sind innerhalb und außerhalb von Hollywood weit verbreitet, so die simple, aber starke Botschaft des Hashtags „#MeToo“, der in den vergangenen Tagen hunderttausendfach auf Twitter verwendet wurde.

          Losgetreten hat das Ganze die 44 Jahre alte Schauspielerin Alyssa Milano, bekannt aus der Serie „Charmed – Zauberhafte Hexen“. Sie schreibt: „Wenn alle Frauen, die bereits sexuell belästigt oder angegriffen worden sind, 'Me too' in ihren Status posten, schaffen wir es vielleicht, den Menschen ein Gefühl für das Ausmaß des Problems zu vermitteln.“

          Binnen Stunden antworteten zehntausende Frauen darauf. Einige, wie die Sängerin Lily Allen, schrieben einfach nur „Ich auch“. Andere berichteten detailliert von ihren Erfahrungen mit sexueller Gewalt.

          #metoo

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          Auch in Deutschland wird der englischsprachige Hashtag tausendfach verwendet.

          Model und Bloggerin Marie Nasemann erzählte auf Instagram von einem Vorfall auf dem Oktoberfest.

          In Frankreich schlägt der Skandal um Weinstein ebenfalls hohe Wellen. Die französische Staatssekretärin für Gleichstellung, Marlène Schiappa, hat für das kommende Jahr ein neues Gesetz gegen sexuelle Übergriffe angekündigt. Im Gespräch sind unter anderem Geldstrafen für Anmache auf der Straße. Staatspräsident Emmanuel Macron will Weinstein die Auszeichnung der Ehrenlegion entziehen. Der Hashtag, unter dem französische Frauen über Anmachen und Missbrauch berichten, heißt #balancetonporc (Verpfeif' das Schwein).

          Unterdessen hat eine der wichtigsten Filmproduzentinnen Hollywoods einen nachhaltigen Wandel in der Filmbranche gefordert. „Wir hätten schon lange handeln müssen, wir müssen jetzt handeln“, sagte Kathleen Kennedy auf der Verleihung der „Women in Hollywood Awards“ am Montag in Los Angeles. Als Konsequenz schlägt Kennedy eine von der Filmindustrie eingesetzte Kommission aus Psychologen, Anwälten, Feministen und Soziologen vor, die die Branche auf Belästigung und Missbrauch am Arbeitsplatz hin untersuchen soll.

          Dem Filmproduzenten Harvey Weinstein wird von mehreren Schauspielerinnen, Models und ehemaligen Mitarbeiterinnen sexuelle Belästigung vorgeworfen, in einigen Fällen sogar Vergewaltigung. Seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe durch Artikel in der „New York Times“ und im „New Yorker“ ist der Hollywood-Mogul tief gefallen: Die Oskar-Akademie schloss Weinstein aus, auch die Vereinigung amerikanischer Filmproduzenten („Producers Guild of America“) hat ein Ausschlussverfahren gegen Weinstein eingeleitet. Seine Ehefrau trennte sich im Zuge der Vorwürfe, Ermittler in London, New York und Los Angeles stehen bereit. Opfer sexuellen Missbrauchs sollten sich unbedingt melden, teilte ein Sprecher der Polizei in Los Angeles der „Los Angeles Times“ am Montag mit. Weinstein streitet alle Vorwürfe ab.

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