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Meteoriteneinschlag in Russland Gefahr aus dem Himmel

Durch den Meteoriten-Absturz im Süden Russlands werden rund 1200 Menschen durch splitterndes Glas verletzt - eine ganze Region steht unter Schock. Es ist jedoch nicht der erste Meteoriteneinschlag in Russland.

© AP Vergrößern Meteoritenteile über Russland: Ein glühender Felsbrocken kurz vor dem Einschlag, aufgenommen mit einer Handykamera aus einem Auto

Wladimir Schirinowskij glaubt nicht an natürliche Phänomene: Der nationalistische Politiker warf seinen Landsleuten vor, sie seien „wie irgendein primitiver Stamm“, wenn sie glaubten, am Freitag sei über dem Ural ein Meteoritenregen niedergegangen. In Wirklichkeit hätten die Vereinigten Staaten über Russland einen neuen Waffentyp ausprobiert. Der riesige glühende Ball, den die Menschen im Gebiet Tscheljabinsk am Freitagmorgen über den Himmel ziehen sahen, und der sechs Minuten später folgende Knall mit einer Druckwelle, die in Tausenden Häusern, in Schulen, Krankenhäusern und Fabriken die Fenster bersten ließ, seien von „Kriegstreibern und Provokateuren“ gemacht, sagte Schirinowskij.

Umherfliegende Glassplitter verletzten rund 1200 Menschen

Reinhard Veser Folgen:    

Mit dieser Ansicht war er freilich allein. Die Menschen in den betroffenen Gebieten im Ural hatten an diesem Freitag ohnehin ganz andere Sorgen: Sie mussten sich darum kümmern, bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt schnell wieder Fenster zu bekommen. Nachdem das russische Katastrophenschutzministerium, das von Präsident Putin aufgefordert wurde, den Menschen alle erdenkliche Hilfe zu leisten, zunächst versprochen hatte, alle Fenster bis zum Ende des Tages zu ersetzen, wurden die Behörden bald vorsichtiger: Man bemühe sich, die Schäden in ein bis zwei Tagen zu beheben. In Tscheljabinsk sollen nach vorläufigen Schätzungen etwa 100.000 Quadratmeter Fensterscheiben zerstört worden sein. Etwa 1.200 Menschen waren nach offiziellen Angaben durch umherfliegende Glassplitter verletzt worden, davon mussten etwa 120 - in der Mehrzahl Kinder - stationär behandelt werden. Zudem erlitten viele Menschen einen Schock.

Infografik / Karte / Meteoriteneinschlag in Russland Im Gebiet Tscheljabinsk im Süden Russlands nahe der Grenze zu Kasachstan schlug der Meteorit ein © dpa Bilderstrecke 

Als um 9.23 Uhr Moskauer Zeit ein immer größer werdender glühender Ball über den Himmel zog, reagierten die meisten Menschen zunächst mit ratloser Verwunderung. Auf Amateurvideos im Internet ist zu hören, wie sie Mutmaßungen über abstürzende Flugzeuge anstellen oder ihrem Staunen mit derben Flüchen Ausdruck geben. Im Moment der Explosion des Meteoriten, die laut von russischen Medien zitierten Fachleuten in 30 bis 60 Kilometer Höhe stattfand, wurde das Licht des Feuerballs so stark, dass auf den Bildern etwa von Überwachungskameras, die im Internet veröffentlicht wurden, kurz nichts mehr außer Helligkeit zu sehen ist. Danach stand ein langer Wolkenstreifen am Himmel - bis sechs Minuten später ein lautes Krachen ertönte. Auf zahlreichen Internetvideos ist zu sehen, wie Fenster aufspringen und bersten, wie die Druckwelle Vorhänge aufbläst - und wie Menschen panisch schreien.

Ob Teile des Meteoriten die Erde erreicht haben, war am Freitag zunächst unklar. Das russische Innenministerium sprach von drei Einschlagstellen, das Verteidigungsministerium teilte mit, in der Nähe eines Sees hätten Soldaten einen Krater von etwa sechs Metern Durchmesser gefunden, der vermutlich auf einen Einschlag zurückzuführen sei. Dort werde ständig die Radioaktivität gemessen. Das Katastrophenschutzministerium dagegen teilte mit, noch seien keine Bruchstücke des Meteoriten gefunden worden.

1908 traf ein großer Meteorit bereits Sibirien

Im Ural, einem langen Gebirgszug, der die Grenze zwischen dem europäischen und dem asiatischen Teil Russlands bildet, befinden sich viele große Industriebetriebe. An einigen Fabriken soll die Druckwelle größere Schäden angerichtet haben, doch versicherten die Behörden, an den großen Atomanlagen der Region sei nichts passiert.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein solch großer Meteorit über Russland niedergeht. Zuletzt war das im September 2002 über einem viel dünner besiedelten Gebiet in Sibirien nahe Irkutsk der Fall. Damals soll außer dem Knall noch eine Art Erdstoß zu spüren gewesen sein. Schäden an Bäumen waren nach Angaben russischer Medien dort in einem Umkreis von etwa 100 Kilometern festzustellen. Auch der bekannteste Meteoriteneinschlag der neueren Geschichte traf Sibirien: Im Juni 1908 traf ein riesiger Feuerball auf das Gebiet Tungusk. Auf einem Gebiet von 2000 Quadratkilometern wurden Bäume umgeknickt, es entstand ein tiefer Krater, der heute ein See ist. Reste des Meteoriten wurden indes nicht gefunden. Wissenschaftler vermuten heute, dass der Meteorit vollständig verglüht ist.

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Unter dem Eindruck der himmlischen Gefahren entdeckte der stellvertretende Ministerpräsident Dmitrij Rogosin, der sonst nicht weniger nationalistisch und antiamerikanisch ist, am Freitag ein Gebiet, auf dem man mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten müsse: Nur gemeinsam könne man ein Schutzsystem gegen diese Art von Bedrohungen errichten.

Quelle: F.A.Z.

 
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