http://www.faz.net/-gum-75hia
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 03.01.2013, 16:22 Uhr

ZDF-Entertainer Elmar Gunsch ist tot

Moderator war er, TV-Wetterfrosch, Entertainer und „die Stimme“: Denn wer Elmar Gunsch nicht vom ehen kannte, der kannte zumindest seinen sonoren Tonfall. Nun ist der Österreicher gestorben.

© dpa „Die Stimme“: Elmar Gunsch wurde 81 Jahre alt.

Die Wetteraussichten konnten noch so trüb sein, Elmar Gunsch konnte sie märchenhaft präsentieren. Mit seiner sonoren Stimme wurde er zum Erfinder des Freistils für die „TV-Wetterfrösche“. Das Etikett ZDF-Wettermann klebte an dem Moderator mit dem österreichischen Zungenschlag und der eingebauten Samtschicht im Stimmapparat - selbst wenn er auch als Schauspieler, Conférencier und Buchautor erfolgreich unterwegs war. Ein Problem war das nicht für den Wahl-Frankfurter. In der Nacht zum Donnerstag ist Gunsch in Frankfurt im Alter von 81 Jahren gestorben. In der Region lebte er seit mehr als 50 Jahren.

„Ich bin eine geborene Plaudertasche“, beschrieb sich der Bart-Träger mit dem besonderen Timbre einmal. So war er lange und regelmäßig zu Gast in deutschen Wohnzimmern, etwa ab 1980 mit der ZDF-Volksmusik-Show „Lustige Musikanten“ neben Carolin Reiber oder in der Sendung „Wiedersehen macht Freude“. Populär machten ihn aber vor allem seine TV-Auftritte, nachdem er 1978 die Moderation des ZDF-Wetterdienstes zum Wochenende übernommen hatte. Dutzende Geschenke erhielt er deswegen, vom Regenschirm über Wetterstationen und Froschmodelle – „in jeder Form bis zum echten Laubfrosch“.

Seine Stimme „eine Reduktion, aber auch Markenzeichen“

Doch die Fernsehzeit war für Gunsch seit langer Zeit vorbei: „Die wollen natürlich junge Leute“, sagte er nach seiner TV-Karriere, aber ohne Bitterkeit. Er hatte sich nach dem Abschied von der Kamera ohnehin andere Felder geschaffen, moderierte Gala-Abende, arbeitete als Hörbuchsprecher und präsentierte beim italienischen Radiosender RAI in Bozen die Show „Der Kaffee ist fertig“.

Für Gunsch war das ein stattliches Programm. „Ich hör’ auf, wenn’s nicht mehr geht – wenn die Zähne wackeln oder mir vorm Mikrofon das Gebiss rausfällt“, betonte er gern, ergänzte aber auch: „Man muss Einschränkungen machen, ich bin nicht mehr so fit wie ein Fünfzigjähriger.“

Mehr zum Thema

Bewegt und vielseitig waren schon die ersten Jahre im Leben des aus Südtirol stammenden Künstlers. Gunsch kam quasi auf der Durchreise in Frankfurt zur Welt, wuchs in Südtirol und Vorarlberg auf und machte sein Abitur in Nürnberg. Er studierte kurz Germanistik und Theaterwissenschaften. Versuche als Schauspieler blieben ein Zwischenspiel, ebenso ein Anlauf als Operettensänger.

Seine tiefe, samtweiche Stimme hat ihn zwar populär gemacht, aber Gunsch wollte mehr zeigen: „Es ärgert mich, wenn nie akzeptiert wird, was man sagt, sondern nur, wie man es sagt“, sagte er. Ihn „Die Stimme“ zu nennen, sagte Gunsch einmal, das sei „eine Reduktion, aber auch mein Markenzeichen“. Bis zuletzt lebte der begeisterte Koch mit seiner vierten Frau Heide in seinem Häuschen in der Nähe von Frankfurt. Ein Vertrag mit dem „Freien Deutschen Fernsehen“ hatte ihn Anfang der 1960er Jahre an den Main gelockt.

Quelle: DPA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Zum Tode Erika Bergers Aufklärerin einer prüden Nation

Sie war Deutschlands Sexspezialistin der achtziger Jahre. Mit ihrer Sendung Eine Chance für die Liebe brach sie ein Tabu. Nun ist Erika Berger gestorben. Mehr

16.05.2016, 11:31 Uhr | Gesellschaft
Champions League Schlappe für Bayern München in Madrid

Kein Erfolg für die Bayern in der Champions League: Im Halbfinal-Hinspiel unterlagen die Münchner mit 1:0 dem Team von Atlético Madrid. Nach der Niederlage wollte Bayern-Trainer Pep Guardiola seiner Mannschaft aber keine Vorwürfe machen. Die Leistung der Spieler sei gut gewesen, nur das Ergebnis stimme nicht, so Guardiola. Mehr

28.04.2016, 15:29 Uhr | Sport
30.000 weniger Deutsche Bank räumt bei Kunden der Investmentbank auf

Der Konzernumbau bei der Deutschen Bank wird konkreter. Besonders im Investmentbanking will das Geldinstitut seinen Kundenstamm verkleinern. Mehr Von Markus Frühauf

12.05.2016, 15:42 Uhr | Wirtschaft
Abgasskandal VW setzt auf Elektromobilität

Mit massiven Investitionen in Elektromobilität, selbstfahrende Autos und digitale Transportdienstleistungen will Volkswagen den Abgas-Skandal hinter sich lassen. Elektroautos sollten zu einem neuen Markenzeichen" von Volkswagen werden, kündigte Vorstandschef Matthias Müller an. Wegen des Skandals um die Manipulation von Abgaswerten bat Müller um Verzeihung. Den Rückruf des VW Golf zieht der Konzern vor. Mehr

28.04.2016, 18:41 Uhr | Wirtschaft
Naidoo verlässt Vox-Show Sing nicht mehr meinen Song

Ohne ihn hätte Vox die Show Sing meinen Song nicht aus der Taufe heben können, sagt der Chefredakteur des Senders. Nach drei Staffeln Moderation und Teilnahme kündigt Xavier Naidoo seinen Ausstieg an. Mehr Von Ann-Katrin Gehrmann

23.05.2016, 14:54 Uhr | Feuilleton

Spätes Geständnis Nach Trennung der Beatles griff McCartney zur Flasche

Paul McCartney bekennt, wer ihn vor vielen Jahren rettete, Bill Cosby muss am Dienstag vor Gericht erscheinen und Modedesigner Kretschmer fürchtet negative Reaktionen auf Kinder homosexueller Paare – der Smalltalk. Mehr 8

Frankfurter Allgemeine Stil auf Facebook
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden